Politik

Corona-Regeln ignoriert Viele Ausbrüche nach Groß-Hochzeiten

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Immer führen Groß-Feiern zu Corona-Ausbrüchen.

(Foto: imago images/Steinach)

Trotz strenger Corona-Regeln finden weiterhin Groß-Feiern statt - meist ohne Hygienekonzept. Oft sind es arabisch-türkische Hochzeiten. Für die Gesundheitsämter ist das ein großes Problem. Doch auch kleinere Partys sorgen immer wieder für lokale Ausbrüche.

Der Winter kommt und die Politik schlägt Alarm. Denn selbst die schärfsten Corona-Regeln bringen nichts, wenn die Menschen keine Eigenverantwortung zeigen oder die Regeln bewusst brechen. Ein großes Problem sind dabei inzwischen Feiern arabisch-türkischer Familien, meist Hochzeiten mit teilweise mehr als 1000 Gästen. Zuletzt wurden in Bremen und Dortmund derartige Feste aufgelöst, weil sich niemand an die Regeln hielt. "Nach momentanem Stand waren es fünf große Hochzeiten und Veranstaltungen, die stattgefunden haben und jetzt den Bezirken in Gänze zu schaffen machen", sagt Neuköllns Bürgermeister Martin Hikel zur Lage in der Hauptstadt. Allerdings verweist NRW-Integrationsstaatssekretärin Serap Güler darauf, dass angesichts des milden Pandemieverlaufs nicht nur Teile der Migranten-Community die Situation nicht mehr ganz so ernst nehme.

ntv-Recherchen ergeben, dass eine maßgebliche Zahl der seit Anfang September bundesweit bekannt gewordenen Superspreader-Ereignisse auf Hochzeiten im türkisch-arabischen Milieu zurückgehen. Das stellt die Gesundheitsämter vor enorme Probleme.

So wurde Anfang September eine türkische Groß-Hochzeit in Hamm mit diversen Folgeveranstaltungen prompt zum Superspreading-Event. Mehr als 200 Menschen steckten sich an. Ein Stadt-Sprecher sagte zu ntv, die Einsicht bei den Gästen sei erst gekommen, als mehrere Hochzeitsgäste ins Krankenhaus mussten: "Wohl aus Angst um die eigene Gesundheit haben sich im Anschluss viele weitere Teilnehmer gemeldet."

Ähnliches spielte sich Mitte September in Duisburg-Hochfeld ab. In den Berliner Stadtteilen Tempelhof und Treptow gab es jüngst Groß-Hochzeiten, bei denen sich mindestens 81 Menschen mit dem Coronavirus abgesteckt haben.

"Krasses Infektionsgeschehen"

Neuköllns Bezirksbürgermeister Hikel sagt zu ntv mit Blick auf die Infektionszahlen in der Hauptstadt: "Das waren stadtweite Veranstaltungen" - in Tempelhof, in Treptow und in Spandau. Die machten nun "den Bezirken in Gänze zu schaffen". Das führe zu einem "krassen Infektionsgeschehen" und Superspreading-Veranstaltungen, sagte der SPD-Politiker.

Was folgt, ist mühsame Arbeit für die Gesundheitsämter, die die Kontakte nachverfolgen müssen. Man könne davon ausgehen, dass pro Person zwischen 20 und 40 mögliche Corona-Kontakte zu überprüfen sind. "Wenn wir auf dem Papier circa 40 Infizierte haben, sind es bis zu 1600 Kontakte, die da dranhängen - das ist eine unheimlich große Zahl." Das binde in den Gesundheitsämtern viele Ressourcen und mache die Situation so brisant. "Noch schaffen wir das, aber es wird immer schwieriger, je weiter das Infektionsgeschehen geht", warnt Hikel.

Nicht auf Migranten reduzieren

Klar ist aber auch: Natürlich sind die Superspreader-Events der vergangenen Wochen und Monate nicht allein auf diese Groß-Hochzeiten zurückzuführen. Auch Geburtstagsfeiern im kleineren Kreis können zum Problem werden - so geschehen in Bielefeld im September. Auch Kitas und Pflegeheime werden immer wieder zu Hotspots.

"Ich sage ganz deutlich: Es ist kein ausschließliches Migrantenproblem", sagt folglich NRW-Staatssekretärin Serap Güler. "Dass wir so einen milden Pandemieverlauf haben, führt nicht nur in der Migranten-Community dazu, dass man die Situation nicht mehr so ernst nimmt", erklärt sie weiter und verweist auf die Partyszene in Berlin oder Hamburg.  "So eine normale Hochzeitsfeier, so eine türkische oder arabische, wo man gerne mit über 500 Leuten feiert - 1000 Leute ist ja fast die normale Größe, muss man fast sagen - dies ist heute nicht möglich", schränkt sie ein. "Jeder, der so groß feiern möchte, muss entweder die Hochzeitsfeier verschieben oder im engsten Kreis feiern."

Auch das Robert-Koch-Institut warnt zum Beispiel für einige Berliner Stadtteile, in denen die 7-Tages-Inzidenz erhöht ist, vor einem "diffusen Geschehen". Dies liege zum Teil an "jungen, international Reisenden und Feiernden". Doch die Experten sagen auch: "Covid-19-Fälle treten besonders in Zusammenhang mit Feiern im Familien- und Freundeskreis auf. Der Anteil der Reiserückkehrer unter den Fällen geht zurück."

Damit der Ernst der Lage den Menschen bewusst wird und in Zukunft keine dieser Groß-Feiern mehr stattfinden, fordert Bezirksbürgermeister Martin Hikel wiederum schnellere Bußgeldverfahren: "Warngelder müssen mehr vor Ort einkassiert werden, um deutlich zu machen, dass es auch im Portemonnaie im Zweifel wehtut."

Quelle: ntv.de