Politik

Flüchtlinge in der EU Viele werden nach Deutschland geschickt

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Ankunft am Münchner Hauptbahnhof im September 2015: Die meisten Flüchtlinge wurden in Deutschland zuerst registriert.

(Foto: picture alliance / dpa)

Seit Anfang des Jahres greift die Dublin-Regel wieder stärker. Flüchtlinge werden deshalb in das EU-Land zurückgeschickt, in dem sie zuerst registriert worden sind. In den meisten Fällen ist das Deutschland.

Nach der großen Flüchtlingswelle 2015 wenden die EU-Staaten seit Jahresbeginn die Dublin-Regeln wieder strikter an. Bei der Rückübersendung von Flüchtlingen in andere Staaten des europäischen Schengen-Raums hat Deutschland im ersten Halbjahr mehr als dreimal so viele Flüchtlinge aufgenommen wie abgegeben. Das sagt das Bundesinnenministerium.

Während andere europäische Länder 6657 Personen nach Deutschland zurückschickten, weil sie hierzulande bereits als Flüchtlinge oder Asylbewerber registriert worden waren, überwiesen deutsche Behörden ihrerseits nur 1758 Personen an andere Schengen-Staaten.

Die Dublin-Regel sieht vor, dass die Asylverfahren in dem Land des Schengen-Raums abgewickelt werden müssen, in denen die Schutzsuchenden zuerst registriert wurden. Die meisten Personen, nämlich 2200, bekam Deutschland aus Schweden zurücküberwiesen. Aus der Schweiz kamen 961, aus den Niederlanden 803, aus Finnland 536 und aus Norwegen 520. Deutschland selbst überwies 521 Flüchtlinge nach Italien, 311 nach Polen, 165 nach Ungarn, 143 nach Spanien und 122 nach Frankreich.

Flüchtlingshelfer wichtiger denn je

Die Bertelsmann-Stiftung wirbt unterdessen für den weiteren Einsatz von Flüchtlingshelfern und fordert die Kommunen ausdrücklich zu deren Unterstützung auf. Nach den von Flüchtlingen begangenen Gewalttaten in Deutschland kommt den freiwilligen Helfern mehr denn je eine zentrale Rolle für den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu – so das Ergebnis einer jetzt veröffentlichten Untersuchung der Stiftung. Die Arbeit der Helfer verstärke "unverkennbar eine positive Stimmung" gegenüber Flüchtlingen, was wichtig sei "gegen rechte Stimmungsmache.

Die Bertelsmann-Stiftung hatte im Januar und März in bundesweit 17 Kommunen untersucht, wie ehrenamtliche Flüchtlingshilfe vor Ort funktioniert und welche Bedingungen es für eine erfolgreiche Arbeit braucht. Städte und Gemeinden seien gut beraten, mehr Koordinierungsstellen aufzubauen und freiwilliges Engagement öffentlich mehr anzuerkennen, mahnen die Forscher. Die Helfer übernähmen in der Flüchtlingsarbeit Aufgaben, die normalerweise der Staat leisten müsste, zum Beispiel die Versorgung mit Lebensmitteln, Kleidung und Wohnraum. Ihre Arbeit sei "entscheidend" für die Integration.

"Kein akzeptabler Dauerzustand"

Zudem fungierten die Helfer als "Brücke" zwischen den Geflüchteten und den Behörden und übernähmen wichtige Lotsenfunktionen. Sie begleiten die Asylbewerber demnach auf Behördengängen, bei ersten Schritten in Schulen oder Praktika und setzen sich für eine frühzeitige Sprachförderung ein.

Damit sorgten sie dafür, dass Flüchtlinge Angebote zur Integration überhaupt wahrnehmen könnten. Ohne die ehrenamtlichen Initiativen hätten die in Not- und Gemeinschaftsunterkünften untergebrachten Flüchtlinge "wenig Kontakt mit der Zivilgesellschaft".

Die Kommunen müssten die Helfer koordinierend unterstützen, denn der Aufwand von bis zu 40 Wochenstunden für die Koordinationsarbeit sprenge den Umfang für ein Ehrenamt, hieß es. Es müsse ausreichend Stellen für Koordinatoren geben. Zudem seien mehrsprachige Verwaltungsmitarbeiter nötig. Bislang müssten oft ehrenamtliche Dolmetscher einspringen, was "kein akzeptabler Dauerzustand" sei.

Quelle: ntv.de, asc/rts/AFP