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US-Präsident tritt wieder an Vieles spricht gegen Trump - so wie 2016

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Wird seine erneute Kandidatur in Florida ankündigen: US-Präsident Donald Trump.

(Foto: imago images / ZUMA Press)

Wer in Umfragen führt, gewinnt? Trumps Wahlsieg vor vier Jahren hat diese Grundannahme infrage gestellt. Nun kündigt der US-Präsident seine erneute Kandidatur an. Wie stehen seine Chancen derzeit?

An der Fifth Avenue in New York betritt Donald Trump den Aufzug seines Hochhauses. Er fährt herunter ins Erdgeschoss und tritt auf die Bühne des Atriums, während aus den Boxen "Rocking in the Free World" von Neil Young dröhnt. Mehr als 40 Minuten spricht er, schimpft auf Latinos, auf Barack Obama, und fordert "einen großen Anführer" für die USA. Dann verkündet er seine Bewerbung um die Kandidatur für die US-Präsidentschaft. Im Publikum wird vereinzelt gejubelt. Das war am 16. Juni 2015. Wirklich ernst nahm den Immobilienunternehmer damals kaum jemand.

Zu unwahrscheinlich erschien vor vier Jahren die Vorstellung, dass der republikanische Bewerber Nummer zwölf ins Weiße Haus einziehen würde. Nun ist er Präsident und will an diesem Dienstagabend in Orlando ankündigen, dass er 2020 für vier weitere Jahre antritt. Wie sind Trumps Erfolgschancen? Nach derzeitigen Zahlen: schlecht.

Bis zur Wahl ist es noch lange hin, erst im November kommenden Jahres werden sich die US-Amerikaner entscheiden, ob jemand anders für Trump übernehmen soll. Doch der Wahlkampf hat bereits begonnen. In der vergangenen Woche lieferten sich Trump und der derzeit populärste Demokrat, Joe Biden, im Bundesstaat Iowa ein erstes Fernduell. Dort haben im Februar die ersten US-Bürger die Möglichkeit, sich in parteiinternen Vorwahlen für ihre Kandidaten zu entscheiden. Der Präsident sagte, Biden sei "mental schwach" und deshalb kaum eine Gefahr. Sein potentieller Kontrahent tönte, Trump habe "seinen Schwanz zwischen den Beinen eingeklemmt".

Biden meilenweit vor Trump

Der Fokus auf diese beiden hat einen Grund. Ebenfalls vergangene Woche wurden die Ergebnisse einer neuen landesweiten Umfrage zur Präsidentschaftspräferenz veröffentlicht. Das Ergebnis der Quinnipiac Universität ist ein deutlicher Warnschuss für den Amtsinhaber. Demnach würden sich 53 Prozent der Wähler im direkten Duell für Biden entscheiden, 13 Prozentpunkte mehr als für Trump. Im Mai hatte Fox News bereits 11 Punkte Vorsprung für Biden gemeldet.

So lange vor der Wahl sind solche Ergebnisse zwar ein wenig der Blick in die Glaskugel. Aber bemerkenswert ist, dass Trump aktuell auch gegen alle anderen aussichtsreichen Demokraten verlöre: Der linke Bernie Sanders hat in den Quinnipiac-Ergebnissen 9 Punkte Vorsprung, die Senatorinnen Kamala Harris und Elizabeth Warren 8 beziehungsweise 7. Sogar Pete Buttigieg, Bürgermeister aus dem Bundesstaat Indiana, liegt 5 Punkte vor dem Präsidenten. Ob dies jedoch tatsächlich zum Sieg reichen würde, ist alles andere als sicher. Das zeigt ein erneuter Blick zurück: Vor den Präsidentschaftswahlen 2016 lag die Demokratin Hillary Clinton in einer Umfrage derselben Universität 6 Punkte vor Trump - und verlor.

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Könnte Trump gefährlich werden: Joe Biden.

(Foto: REUTERS)

Schon seit seiner Ankündigung, ins Rennen einzusteigen, hat Biden die besten Zustimmungswerte unter den Demokraten. Das war bei Clinton auch so, aber Biden ist in der derzeitigen Situation offenbar ein anderes Kaliber. Fände die Präsidentschaftswahl bereits jetzt statt, hätte Trump zwar das Argument auf seiner Seite, dass die Wirtschaft brummt; trotz des Handelskriegs mit China und des Zollstreits mit der EU. Wirtschaftsfragen als größtes Problem sahen im Mai nur noch 14 Prozent der US-Amerikaner, gibt das Meinungsforschungsinstitut Gallup an. Bei der Präsidentschaftswahl 2016 waren es über 35 Prozent. Seit fast zwei Jahrzehnten waren die Amerikaner nicht so zufrieden mit der wirtschaftlichen Situation ihres Landes wie jetzt.

Normalerweise hilft wirtschaftliche Zufriedenheit dem amtierenden Präsidenten. Doch inzwischen sehen die Wähler als drängendstes Problem laut Gallup Trumps Regierung und dessen Führungsstil (23 Prozent im Mai), gefolgt von Einwanderung mit 19 Prozent. Es hat also einen Grund, dass Trump permanent auf dem Thema herumreitet und in Richtung Mexiko diplomatisch eskaliert. Schon bei der Wahl 2016 waren weiße, christliche, männliche Wähler mit Ressentiments gegen Einwanderer mitentscheidend für Trumps Wahlerfolg.

Was heißt das jetzt? Insgesamt sagen aktuell 31 Prozent, dass sie auf jeden Fall wieder dem Präsidenten ihre Stimme geben würden. Das halten hingegen 52 Prozent für undenkbar. Um die restlichen 18 Prozent gilt es zu kämpfen. Trumps Problem ist, dass sein potenzieller Gegner Biden besonders stark in der politischen Mitte ist - links davon würde ohnehin kaum jemand dem aktuellen Präsidenten seine Stimme geben. Seine Zeit als Obamas Vize hat Biden zudem auch bei Schwarzen beliebt gemacht. Niemand erreicht in ihrer Wählergruppe höhere Zustimmungswerte als er.

Zwei Schlüsselstaaten

Die entscheidenden Schauplätze der Wahl 2020 werden wohl Texas und Florida. Seit 40 Jahren hat Texas immer republikanisch gewählt, aber dieses Mal könnte der Bundesstaat sich für Biden entscheiden und Trump zum Verhängnis werden: In einer weiteren Quinnipiac-Umfrage liegt der Demokrat 4 Prozentpunkte vor Trump. Florida, wo Trump auch seinen Golfplatz Mar-a-Lago hat, ist fast genauso wichtig. Wenn ein Präsidentschaftskandidat dort die meisten Stimmen auf sich vereinte, ist er seit 1928 - mit zwei Ausnahmen, Richard Nixon 1960 und Bill Clinton 1992 - immer auch ins Weiße Haus eingezogen. In einer ersten Umfrage der Florida Atlantic University lagen Trump und Biden dort gleichauf.

Als Trump vor vier Jahren in New York mit Schimpferei auf Latinos in den Wahlkampf einstieg, zeigten sich große US-Medien skeptisch. "Trump steht vor einem schweren Kampf, um von seinen Gegnern, politischen Beobachtern und den Medien ernstgenommen zu werden", hieß es in der "Washington Post". Er gewann diesen Kampf bekanntlich. Die "New York Times" urteilte, schon die Nominierung als Kandidat der Republikaner sei sehr unwahrscheinlich. Auch diese Situation ist nun anders. Anfang Juni glaubten laut CNN-Umfrage 54 Prozent der Amerikaner, dass Trump im Jahr 2020 wiedergewählt wird. Das heißt aber nicht, dass sie ihm auch tatsächlich ihre Stimme geben.

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Quelle: n-tv.de

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