Politik

Plagiatsjäger prüfen Doktorarbeit Von der Leyen soll abgeschrieben haben

Sie ist nicht die erste, die im Fokus von Plagiatsjägern steht, und wird wohl nicht die letzte sein: VroniPlag beanstandet die Doktorarbeit von Verteidigungsministerin von der Leyen. Die Medizinerin weist die Vorwürfe zurück - und lässt sie untersuchen.

Plagiatsjäger werfen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen Regelverstöße in ihrer medizinischen Doktorarbeit vor. Die 1990 erschienene Arbeit enthalte "zahlreiche wörtliche und sinngemäße Textübernahmen, die nicht als solche kenntlich gemacht sind", heißt es auf "VroniPlag Wiki", wo Nutzer ihre Erkenntnisse zusammentragen. Zuerst hatte "Spiegel Online" darüber berichtet.

Von der Leyen hat an der Medizinischen Hochschule Hannover promoviert. Ihre Dissertation aus dem Bereich der Frauenheilkunde trägt den Titel "C-reaktives Protein als diagnostischer Parameter zur Erfassung eines Amnioninfektionssyndroms bei vorzeitigem Blasensprung und therapeutischem Entspannungsbad in der Geburtsvorbereitung".

"Eher ein mittelschwerer Fall"

Nach Sichtung von 62 der insgesamt 70 Seiten habe man "37 Textpassagen festgestellt, die gegen wissenschaftlich anerkannte und auch in der damals maßgeblichen Promotionsordnung geregelte Zitierregeln verstoßen", sagt Gerhard Dannemann, Professor an der HU Berlin, "Spiegel Online". Drei Seiten bestünden demnach mehr als zur Hälfe aus Plagiatstext, auf fünf Seiten sollen die problematischen Stellen 75 Prozent des Textes ausmachen. Im Vergleich zu anderen Arbeiten, die VroniPlag Wiki dokumentiert habe, sei von der Leyens Dissertation "eher ein mittelschwerer als ein schwerer Fall", so Dannemann.

Ein Ministeriumssprecher teilte mit, von der Leyen wisse seit August von den Untersuchungen. "Die Ministerin weist den Vorwurf nicht nur zurück - sie hat noch am selben Tag die Medizinische Hochschule Hannover gebeten, ihre Dissertation durch eine fachkundige und neutrale Ombudsstelle der Einrichtung überprüfen zu lassen." Die Hochschule habe ihr eine unabhängige Prüfung versprochen.

Karl-Theodor zu Guttenberg trat 2011 wegen regelwidrig übernommener Passagen in seiner juristischen Doktorarbeit zurück; im selben Jahr wurde dem damaligen FDP-Politiker Georgios Chatzimarkakis der Doktorgrad aberkannt. Bildungsministerin Annette Schavan gab 2013 ihr Amt auf, nachdem ihr der Doktortitel nach einem Plagiatsvorwurf entzogen worden war.

Quelle: n-tv.de, asc/dpa

Mehr zum Thema