Politik

Iran droht zurück Warum der Tankerstreit so gefährlich ist

Nach der Festsetzung des britischen Tankers in der Straße von Hormus nehmen die Drohgebärden zwischen dem Iran und dem Westen kein Ende. Nun legt der Iran nach. Weshalb bietet die nur 50 Kilometer breite Meerenge so viel Konfliktpotenzial?

Die Lage am Persischen Golf spitzt sich immer mehr zu. Nun warnt der Iran seinerseits die britische Regierung vor einer Eskalation der Krise um den beschlagnahmten Öltanker. Es gebe politische Kreise in London, die Spannungen jenseits des Tankerstreits wollten, twitterte Botschafter Hamid Baeidinedschad. Dies sei besonders in der derzeitigen Lage gefährlich und unklug. "Der Iran bleibt jedoch entschlossen und ist auf alle möglichen Szenarien vorbereitet", so der iranische Diplomat.

Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) hatten den unter britischer Flagge fahrenden Öltanker "Stena Impero" am Freitag in der Straße von Hormus mit der Begründung gestoppt, dass er nach einer Kollision mit einem Fischereischiff einfach weitergefahren sei. Außerdem soll die "Stena Impero" ihr GPS-System ausgeschaltet, auf der falschen Richtungsspur von Süden in die Straße von Hormus eingefahren sein und umweltschädigende Materialien am Bord gehabt haben.

Nicht umsonst sorgt die Beschlagnahmung des Schiffes im Westen für große Besorgnis. Die Meerenge von Hormus hat eine große Bedeutung für den weltweiten Ölhandel. Rund ein Drittel des auf dem Seeweg transportierten Erdöls wird durch die Seestraße zwischen dem Iran und dem Oman befördert. Eine Sperrung dieses strategisch wichtigen Nadelöhrs würde den Ölpreis in die Höhe treiben - mit katastrophalen Folgen für die Weltwirtschaft.

Jahrhunderte alte Handelsroute

Angesichts des Streits um das internationale Atomabkommen mit dem Iran und der Wirtschaftsblockade der USA hat Teheran wiederholt gedroht, die Seestraße zu blockieren. Die Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman ist nur 50 Kilometer breit. Auch wenn die iranische Marine der Weltmacht USA militärisch nicht gewachsen ist, wäre es nicht schwer für sie, eine Durchfahrt durch Seeminen zu blockieren.

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Die "Stena Impero" könnte Auslöser einer internationalen Krise sein.

(Foto: REUTERS)

Die Meerenge von Hormus ist schon seit Jahrhunderten eine wichtige Handelsroute. Auf den Inseln Hormus und Keschm errichteten die Portugiesen im 16. Jahrhundert Festungen und Handelsstützpunkte. Heute sind die iranischen Inseln wegen ihrer dramatischen Felsformationen und Mangrovenwälder beliebte Touristenziele.

Seit Mai hat eine Reihe von Vorfällen die Spannungen in der Region verschärft. Am 20. Juni schossen die iranischen Revolutionsgarden eine US-Aufklärungsdrohne über der Straße von Hormus ab. Der Vorfall brachte die beiden Länder an den Rand einer militärischen Konfrontation. Schon Anfang Mai hatten die USA einen Flugzeugträger in die Golfregion beordert.

Angesichts der jüngsten Vorfälle kündigten die USA unlängst an, eine internationale Militärkoalition anzustreben - zum Schutz von Öltankern in der Seestraße von Hormus und der Meerenge Bab al-Mandab zwischen dem Roten und dem Arabischen Meer. Demnach sollen Öltanker von der jeweiligen Marine des Landes eskortiert werden, unter deren Flagge sie fahren. Auch Deutschland ist aufgerufen, sich zu beteiligen.

Quelle: ntv.de, kpi/rts/AFP/dpa

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