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Irans Vorstoß im Irak-Konflikt Warum reicht Teheran Washington die Hand?

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Irans Präsident Rohani will gemeinsam mit den USA über Maßnahmen im Irak-Konflikt beraten.

(Foto: REUTERS)

Der Irak droht zu zerfallen, da kommt ein Hilfsangebot aus unerwarteter Richtung. Der Iran bietet den USA an, bei der Lösung des Konflikts zusammenzuarbeiten. n-tv.de hat den Konfliktforscher Johannes Becker gefragt, was hinter der Offerte steckt.

n-tv.de: Teheran schlägt der US-Regierung vor, gemeinsam nach einer Lösung in der Irak-Krise zu suchen. Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern sind allerdings ziemlich schlecht. Halten Sie eine  Kooperation für realistisch?

Johannes Becker: Das lässt sich noch nicht sagen, aber beide haben Interessen im Irak. Die USA möchten das Land im übertragenen Sinne als Flugzeugträger in der Region behalten und sind sicher auch an einer höheren Erdölförderquote interessiert. Der Iran will einen längeren Krieg vor seiner Haustür vermeiden. Der Konflikt im Irak ist für den Iran außerdem eine Chance, als Regionalmacht  aus der Isolation herauszukommen. Dafür muss die Regierung beweisen, dass sie vertrauenswürdig ist. Ich denke aber, dass sie nicht ohne Bedingungen mit den USA verhandeln würde. Teheran könnte verlangen, dass die Amerikaner ihren Einfluss auf Saudi-Arabien und Katar geltend machen, damit diese Länder aufhören, die islamistischen Bewegungen in Nordafrika und im Nahen- und Mittleren Osten mit Geld und Waffen zu versorgen.

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Johannes Becker ist Geschäftsführer des Zentrums für Friedens- und Konfliktforschung in Marburg.

Wie könnte eine Kooperation zwischen den USA und dem Iran aussehen?

Was genau die beiden Länder im Irak bewirken können, ist nicht vorhersehbar. Die irakische Regierung muss in die Lage versetzt werden, den Konflikt selbst zu lösen. Wenn das nicht funktioniert, müssen sich diejenigen, die in den letzten Jahren die irakischen Sicherheitskräfte aufbauen wollten, fragen, was sie falsch gemacht haben.

Könnten die USA und der Iran gemeinsam militärisch im Irak eingreifen?

Ich glaube nicht, dass der Iran Truppen für eine Militärintervention stellen wird. Außerdem gibt es nur eine Institution, die im Irak tätig werden darf: die Uno. Wenn der Sicherheitsrat an die USA herantritt, werden sie wahrscheinlich nicht zögern und intervenieren. Aber ein Land, das bereits jahrelang erfolglos Krieg im Irak geführt hat, als Interventionstruppe einzuladen, ist die dümmste Idee von allen.

Könnten gemeinsame Aktionen im Nahen Osten ein neues diplomatisches Zeitalter zwischen den USA und dem Iran einleiten?

Das ist eine Vision, aber dafür ist die Geschichte der beiden Länder in den letzten 50 Jahren zu kompliziert gewesen. Es würde erstmal reichen, wenn man sich gegenseitig nicht mehr als Schurkenstaaten bezeichnen würde. Und es gibt eine alte Weisheit, die hier zutrifft: Solange die Völker miteinander reden, schießen sie nicht aufeinander.

Könnte eine Annäherung der USA und des Irans längerfristig zu einer Befriedung des Nahen Ostens beitragen?

Absolut, aber ein destabilisierender Faktor wird bleiben: Die israelische Außen- und Sicherheitspolitik. Wenn die Israelis sich nicht überlegen, wie sie in ihrem eigenen Hause Frieden schaffen, beispielsweise mit einem Umdenken bei ihrer unseligen Siedlungspolitik, werden wir weiter einen Konfliktherd haben. Aber eine Zusammenarbeit zwischen Amerika und dem Iran wäre natürlich ein ganz bedeutender Schritt zur Stabilisierung der Region.

Sollte auch Deutschland seine Unterstützung zur Lösung des Irak-Konflikts anbieten?

Die deutsche Position im Nahen und Mittleren Osten ist gar nicht schlecht. Die Bundesrepublik hat nicht am Irakkrieg teilgenommen und sie hat sich auch aus dem Libyen-Konflikt herausgehalten. Jetzt sollte sich die Bundesregierung nicht in den Vordergrund stellen. Wir haben Baustellen genug, wir können aber die Europäische Union zur Unterstützung anbieten. Das Monopol auf Verhandlungen im Irak muss aber bei der Uno liegen.

Mit Johannes Becker sprach Benjamin Geese

Quelle: n-tv.de

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