Politik

GroKo oder nicht Was SPD-Wähler denken

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20,5 Prozent - noch nie holte die SPD so ein schlechtes Bundestagswahlergebnis wie im September 2017.

(Foto: picture alliance / Guido Kirchne)

Vor dem Parteitag in Bonn schaut ganz Deutschland auf die SPD. Das Hadern der Partei kommt nicht gut an, wie eine neue Forsa-Umfrage zeigt. Sollte die Partei es lieber auf Neuwahlen ankommen lassen? Die Zahlen sprechen nicht dafür.

Erst Opposition, jetzt doch Große Koalition? Die Debatte über ein Bündnis mit der Union und das Verhalten der eigenen Parteiführung wirkt sich nachteilig auf die Wahlaussichten der SPD aus. Im neuen RTL/n-tv Trendbarometer erreichen die Sozialdemokraten nur noch 18 Prozent und damit zwei Punkte weniger als zuletzt und zweieinhalb Punkte weniger als bei der Bundestagswahl im September 2017.

Um herauszufinden, woran das liegt, hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa Menschen befragt, die sich seit der Wahl von der Partei abgewandt haben. Ausschlaggebend ist dabei offenbar vor allem der "Zickzackkurs der Partei" sowie die Orientierungslosigkeit und Zerrissenheit der SPD (48 Prozent). Zweihäufigster Grund ist die Ablehnung einer Großen Koalition (12). Dann folgen die Führungsschwäche der SPD-Führung (11) und die Agenda-Politik Gerhard Schröders (7). Aus Sicht einiger Abwanderer besetzt die SPD die falschen Themen (5) beziehungsweise hat in den Sondierungsgesprächen zu wenig erreicht (4). Bei der Umfrage waren Mehrfachnennungen möglich.

Am Sonntag entscheidet ein Parteitag darüber, ob die Partei in Koalitionsverhandlungen mit CDU und CSU eintreten soll. Die Mehrheit der SPD-Wähler spricht sich für Koalitionsverhandlungen mit der Union aus. Dies fordern 61 Prozent, 35 Prozent sind dagegen. Auffällig ist dabei: Unter männlichen SPD-Wählern ist die Zustimmung wesentlich geringer (55) als bei weiblichen (67). Wie werden sich die Delegierten entscheiden? 59 Prozent der SPD-Wähler gehen davon aus, dass die Mehrheit für Verhandlungen stimmt, nur 29 Prozent rechnen nicht damit.

Wer könnte Schulz folgen?

70 Prozent der SPD-Wähler sind der Ansicht, dass die SPD bei ihrer Entscheidung für oder gegen die Große Koalition in erster Linie den Willen der Wähler berücksichtigen sollte. Nur 27 Prozent meinen, dass der Wille der Parteimitglieder erstrangig ist.

Die Rolle von SPD-Chef Martin Schulz wird in der Wählerschaft zwiespältig beurteilt. 49 Prozent halten ihn nach wie vor für den richtigen Vorsitzenden. 40 Prozent würden sich wünschen, dass ein anderer den Chefposten übernimmt. Im Westen ist der Zuspruch für Schulz dabei etwas größer (50) als im Osten (41). Fast der Hälfte der Wähler fällt jedoch niemand ein, der besser geeignet wäre als Schulz. Am häufigsten als Alternative genannt wird Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel.

Kritiker der Großen Koalition warnen, dass die SPD um ihre Existenz fürchten muss, wenn sie erneut mit der Union eine Regierung bildet. Das Trendbarometer legt nahe, dass das Gegenteil zutrifft. Die Partei müsste mit weiteren Verlusten rechnen, sollte sie gegen ein Bündnis entscheiden. Scheitert die Regierungsbildung an den Sozialdemokraten, würden 8 Prozent ihrer verbliebenen Wähler die Partei bei Neuwahlen nach eigenen Angaben nicht mehr wählen. Die SPD würde dann unter 17 Prozent sinken.

Quelle: n-tv.de, cro

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