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London-Attentäter Khalid Masood Was gegen einen IS-Auftrag spricht

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Der Londoner Attentäter konvertierte zum Islam, galt als gefährlich. Doch hatte er auch Kontakt zum IS?

(Foto: dpa)

Nach dem Attentat in Westminster behauptet der IS, der Täter habe in dessen Auftrag gemordet: Doch nicht nur die britische Polizei hegt offenbar Zweifel an dieser Version. Vieles spricht gegen eine direkte Verbindung zwischen Masood und der Terrormiliz.

Auch zwei Tage nach dem Anschlag im Londoner Regierungsviertel gibt der Attentäter der Polizei Rätsel auf. Der zum Islam übergetretene Brite passt mit seinen 52 Jahren nicht in das Schema früherer islamistischer Attentäter, die jünger als 30 Jahre waren. "Unsere Arbeitshypothese ist, dass er vom internationalen Terrorismus inspiriert wurde", sagte der Chef der Anti-Terror-Einheit Mark Rowley. Die Polizei habe zwei weitere Verdächtige festgenommen. Damit seien inzwischen neun Menschen in Gewahrsam.

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Handelte Khalid Masood wirklich im Auftrag des Islamischen Staates?

Die Ermittlungen konzentrierten sich vor allem auf die Frage, ob der Attentäter allein gehandelt habe, oder ob er von anderen ermuntert, unterstützt oder angewiesen wurde, sagte Rowley. Der 52-Jährige wurde als Adrian Russell Ajao in Kent geboren und nahm bei seiner Konvertierung den Namen Khalid Masood an. Zeugen beschreiben ihn als "sehr religiös". Nach bisherigen Erkenntnissen lebte er zuletzt in Birmingham, eine Hochburg der Islamistenszene in Großbritannien.

Ein ehemaliger Nachbar sagte Reportern, er habe mit seiner Frau und einem jungen Kind in Birmingham gewohnt. Medienberichten zufolge heiratete er 2004 eine Muslimin. Vergangenen Dezember sei er dann plötzlich aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen. Masood soll als Englischlehrer unter anderem in Saudi-Arabien gearbeitet haben, wo er sich vor seiner Rückkehr nach Großbritannien im Jahr 2009 radikalisiert haben könnte.

Die Zeitung "Sun" berichtete, Masood habe seine letzte Nacht in einem preiswerten Hotel in Brighton verbracht. Ein Gast sagte dem Blatt, der Attentäter habe einen freundlichen Eindruck gemacht und keinen Verdacht erregt. "Nichts in seinem Benehmen oder Aussehen hat mir den Eindruck gemacht, er sei nicht normal." Die Polizei durchsuchte das Hotel, nachdem sie im Tatfahrzeug eine entsprechende Rechnung gefunden hatte. Premierministerin Theresa May zufolge geriet Masood bereits vor einigen Jahren bei Ermittlungen zu "gewalttätigem Extremismus" als "Randfigur" ins Visier des Geheimdienstes MI5. 

Wusste der IS von Masoods Plänen?

Der Terrorismusforscher Peter Neumann bezweifelt jedoch, dass der Attentäter im Auftrag des IS gehandelt hat. Die Miliz habe den Anschlag zwar für sich reklamiert, aber es gebe IS-Publikationen, die in den vergangenen 24 Stunden veröffentlicht wurden, die den Anschlag in London nicht erwähnen, sagte der Leiter des internationalen Zentrums zur Erforschung von Radikalisierung (ICSR) am Londoner King's College der Deutschen Presse-Agentur. "Und das bedeutet, dass offensichtlich die Leute in Syrien keine Ahnung hatten, dass es passiert."

Masood war mehrfach vorbestraft und der Polizei vor allem durch Gewaltdelikte aufgefallen. Britischen Medien zufolge wurde er im Jahr 2000 zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt, weil er einem Mann mit einem Messer das Gesicht aufgeschlitzt hatte. Drei Jahre später verletzte er demnach bei einem Streit erneut das Gesicht eines Mannes und wurde zu einem halben Jahr Gefängnis verurteilt.

Quelle: n-tv.de, jug/rts/dpa/AFP

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