Politik

"Hart aber fair" Was kommt nach Merkel?

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Paul Ziemiak, Chef der Jungen Union, in der Debatte mit SPD-Parteivize Ralf Stegner.

Oliver Ziebe

Wer folgt Angela Merkel im CDU-Parteivorsitz nach? Kann die Kanzlerin überhaupt noch bis 2021 Kanzlerin bleiben? Und was steht sonst noch auf dem Spiel? Frank Plasberg stellt seinen Gästen am Montagabend die ganz großen Fragen.

Angela Merkel hat ihren Weg in die Geschichtsbücher angetreten: Die Bundeskanzlerin zieht die Konsequenzen aus der Landtagswahlschlappe der CDU in Hessen und wird nicht nur ihren Parteivorsitz niederlegen, sondern 2021 auch nicht mehr für den Bundestag antreten und als Kanzlerin zur Verfügung stehen. Während sich die eine Hälfte Deutschlands ob der erdrutschartigen Geschwindigkeit der Ereignisse noch verwundert die Augen reibt, diskutiert die andere Hälfte bereits über die politischen Konsequenzen von Merkels Teilrückzug.

Natürlich ist das Thema der Woche auch der Aufhänger bei "Hart aber fair" am Montagabend: Moderator Frank Plasberg hat den JU-Vorsitzenden Paul Ziemiak, den "Welt"-Journalist Robin Alexander, die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock, den stellvertretenden SPD-Parteivorsitzenden Ralf Stegner und den sonst eher politikfernen Alt-Sportreporter Werner Hansch zu sich ins Studio eingeladen und stellt seinen Gästen die Frage: "Merkels Teilrückzug: Was gerät jetzt noch ins Rutschen?"

Wird Merkel zur Lame Duck?

"Das ist ein Tag, der ganz viele Chancen der Erneuerung für die CDU bietet, ein guter Tag für die CDU", sagt Paul Ziemiak. Der Vorsitzende der Jungen Union, der sonst eigentlich dem Merkel-kritischen, konservativen Spektrum der Partei zugerechnet werden kann, findet an diesem Abend sehr versöhnliche Worte für die scheidende Parteivorsitzende - was ein Hinweis darauf sein könnte, dass auch andere Merkel-Kritiker ob der absehbaren Regierungszeit der Bundeskanzlerin auf weitere Angriffe verzichten könnten.

Ob Merkel überhaupt noch bis 2021 Kanzlerin bleibt, hängt laut Robin Alexander ohnehin zu großen Teilen davon ab, wer ihr im Parteivorsitz nachfolgt. Der "Welt"-Journalist bezieht sich dabei auf den "Lame Duck"-Effekt, der eintritt, wenn ein Politiker nicht zur Wiederwahl antritt oder eine Wahl verloren hat - und im Zuge dessen sein innenpolitisches Drohpotential verliert. "Wenn jemand, der der Kanzlerin gegenüber loyal ist, wie AKK (Annegret Kramp-Karrenbauer, Anm. d. Red.) Vorsitzender wird, gibt es trotzdem noch einen Droheffekt. Wenn das allerdings jemand anderes wird, könnte der 'Lame Duck'-Effekt eintreten, dann macht auch eine Kanzlerschaft keinen Sinn mehr."

Als loyal gegenüber Merkel gilt neben AKK auch der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet: "Er hat die meisten Leute auf dem Parteitag. Inhaltlich steht er bei Merkel, hat aber die Brücken zur FDP nicht abgebrochen", zählt Alexander die Vorzüge des NRW-Politikers auf. Mögliche andere Kandidaten gibt es dagegen eine ganze Reihe, vom Jungkonservativen Jens Spahn bis hin zu CDU-Wiedergänger Friedrich Merz, der plötzlich wieder aus der jahrelangen Versenkung aufzutauchen scheint. SPD-Mann Ralf Stegner würde sich jedenfalls einen CDU-Vorsitzenden vom Kaliber der Letztgenannten wünschen: "Wenn die Volksparteien sich stärker unterscheiden, ist weniger Platz für die Rechten. Ein kerniger, konservativer Vertreter bei der Union könnte also genau das Richtige sein."

Eine glatte Themaverfehlung

Eher kurios sind die Vorschläge von Werner Hansch: Der Sportreporter führt Namen wie die von Ex-Bundespräsident Christian Wulff oder Dauertalkgast Wolfgang Bosbach ins Feld. Clever ist dagegen seine Analyse der Ereignisse: "Menschen, die zu oft ihr Gesicht in die Glotze halten, verbrennen irgendwann. Das ist so. Was Frau Merkel angeht, war vor einem Monat ein ganz wichtiges Ereignis: Die Abwahl von Herrn Kauder hat gezeigt, dass es in der Union rumort, dass sich die Abgeordneten nicht mehr wertgeschätzt fühlen. Es ist mit der Zeit eine Sehnsucht nach einem neuen, einem kommunikativeren Führungsstil entstanden."

Ziemlich kommunikativ, dabei aber auch ziemlich anstrengend, gibt sich keine CDU-Politikerin, sondern die Bundesvorsitzende der Grünen. Annalena Baerbock hat erstaunlich wenig zu sagen, verpackt die heiße Luft aber schrill und wortgewaltig und spielt sich damit selbst ins Aus der Talkrunde: Ihr Monolog über sichere Herkunftsländer ist eine glatte Themaverfehlung und erinnert in seiner Verbissenheit an die alten Grünen - da wäre die Partei, die in den vergangenen Wochen und Monaten so locker und attraktiv daherkam, mit einem anderen Studiogast vom Format Robert Habecks sicher besser gefahren.

Am Ende der Sendung wissen die Zuschauer zwar immer noch nicht, wer wohl am besten Merkels Staffelstab übernehmen sollte, dafür gibt SPD-Vize Stegner den Versammelten aber noch eine kaum verhohlene Drohung mit auf den Weg: "Wenn sich in dieser Regierung in den nächsten Wochen nicht drastisch etwas ändert, dann wird diese Regierung keinen Bestand haben."

Quelle: n-tv.de

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