Politik

Fakten und Falschmeldungen Was wir über den Anschlag in Wien wissen

Die Nachrichten aus Wien überschlagen sich in der Nacht. Klar ist: Es hat einen schweren islamistischen Anschlag mit mehreren Toten in der österreichischen Hauptstadt gegeben. Ein Überblick, welche Fakten gesichert und welche Spekulationen inzwischen widerlegt sind.

Bei der islamistischen Terrorattacke in Wien wurden der österreichischen Polizei zufolge mindestens vier Passanten getötet. Ein Täter wurde von den Einsatzkräften erschossen. 15 Menschen wurden teils schwer verletzt.

Die Opfer

Mindestens vier Menschen wurden getötet. Es handelt sich dabei um offenbar wahllos ausgewählte Passanten, darunter zwei Frauen und zwei Männer. Laut Kanzler Sebastian Kurz wurden ein älterer Mann und eine ältere Frau, ein junger Passant sowie eine Kellnerin erschossen. Nach Angaben des Chefs der Wiener Hospitäler, Dr. Michael Binder, gibt es 15 Verletzte zu beklagen, 7 von ihnen sind schwer verletzt. Unter den Schwerverletzten ist auch ein Polizist. Nach einer Operation befindet er sich aber nicht mehr in Lebensgefahr. Alle Opfer wurden durch Schüsse getroffen. Die letzte Krankenhauseinlieferung erfolgte um 22.10 Uhr.

Der oder die Täter

Österreichs Innenminister Karl Nehammer sprach von mindestens einem Täter, der von der Polizei getötet worden sei. Zunächst hatte es geheißen, mindestens ein weiterer Täter sei auf der Flucht. Das ist nach derzeitigem Stand allerdings unklar. Die entsprechenden Ermittlungen laufen auf Hochtouren.

Der erschossene Attentäter war 20 Jahre alt und österreichischer Staatsbürger. Kujtim F. hatte nordmazedonische Wurzeln und war einschlägig wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorbestraft. Namen und Herkunft nach gehörte der Attentäter der albanischen Minderheit in Nordmazedonien an. Wie lokale Medien berichteten, stammt seine Familie aus dem Dorf Celopek (albanisch: Cellopek) nahe der Stadt Tetovo.

In der Vergangenheit wollte F. nach Syrien ausreisen, um sich dort der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) anzuschließen. F. sei daran gehindert worden und stattdessen am 25. April 2019 wegen Mitgliederschaft in einer terroristischen Vereinigung zu 22 Monaten Haft verurteilt worden, teilte Nehammer mit. Er sei am 5. Dezember "vorzeitig bedingt entlassen" worden. Demnach galt F. als junger Erwachsener und fiel damit unter die Privilegien des Jugendgerichtsgesetzes.

Bei dem Anschlag sei er mit einem Sturmgewehr bewaffnet gewesen, teilte Nehammer weiter mit. Und er habe außerdem als Attrappe einen Sprengstoffgürtel getragen. Berichte vom Abend, ein Attentäter habe sich selbst in die Luft gesprengt, erwiesen sich als falsch. Laut Wiens Bürgermeister Michael Ludwig war er zusätzlich mit einer Pistole und einer Machete bewaffnet.

Das Motiv

Der getötete Attentäter sei Sympathisant des IS gewesen, bestätigte Nehammer. Die Wohnung des Verdächtigen sei nach belastendem Material durchsucht worden, hieß es. 1000 Beamte seien in Wien im Einsatz. Die Tat war offenbar gründlich vorbereitet worden. Über ein Bekennerschreiben oder -video ist bislang nichts bekannt. Innenminister Nehammer sprach auch von umfangreichen Razzien im Umfeld des Täters. Dabei seien mehrere Personen festgenommen worden.

Die Tat

F. hatte gegen 20 Uhr in einem Ausgehviertel der Wiener Innenstadt das Feuer eröffnet. In der Gegend waren kurz vor Beginn neuer Corona-Ausgangssperren viele Menschen unterwegs. Die ersten Schüsse fielen in der Seitenstettengasse. Dort befindet sich auch eine Synagoge, die zu dieser Zeit allerdings geschlossen war. Unklar ist, ob das für den Täter eine Rolle spielte oder ob er den Tatort nicht wegen der dort anzutreffenden großen Zahl an Ausgehpublikum auswählte. Auf Videos ist zu sehen, wie der Mann unter anderem auf meist junge Passanten, die sich im Außenbereich von Restaurants aufhalten, zielt. Er läuft dabei durch einen größeren Bereich der Innenstadt, bevor er selbst um 20.09 Uhr von der Polizei erschossen wird.

Spekulationen, dass es sich um eine größere Gruppe von Tätern handelte, die - vergleichbar mit großen islamistischen Anschlägen vergangener Jahre in Paris oder Brüssel - gleichzeitig an mehreren Tatorten zuschlug, haben sich bis jetzt nicht bestätigt. Die Polizei prüft derzeit noch, ob die bisher bekannten Tatorte auf einen Einzeltäter zurückgeführt werden können.

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Die aktuelle Lage

Da nach wie vor nicht ausgeschlossen werden kann, dass es Tatbeteiligte gibt, die auf der Flucht sind, gilt die Aufforderung der Polizei an die Wiener, zu Hause zu bleiben, weiter. Die Menschen sollen öffentliche Plätze und Verkehrsmittel in der Hauptstadt meiden. Die Schulpflicht ist ausgesetzt. Schüler können entschuldigt zu Hause bleiben. Für Kinder, für die das nicht möglich ist, sind die Schulen allerdings geöffnet. Die österreichische Polizei hat wegen möglicherweise auf der Flucht befindlicher Mittäter ihre Kontrollen verschärft. Auch an den Grenzen wird verstärkt kontrolliert.

Quelle: ntv.de, mbo/dpa

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