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Vorbestraft und polizeibekannt Was wir über den Straßburg-Täter wissen

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Nahe dem Weihnachtsmarkt fielen die Schüsse.

(Foto: REUTERS)

Noch halten sich die Behörden zur Identität des Angreifers in Straßburg bedeckt. Bekannt ist lediglich, dass er als Gefährder eingestuft ist. In den französischen Medien aber zeichnet sich langsam ein etwas detaillierteres Bild ab.

Am Morgen nach den tödlichen Schüssen am Straßburger Weihnachtsmarkt suchen Polizei und Anti-Terror-Einheiten nach dem mutmaßlichen Angreifer. Bei dem Angriff wurden am Dienstagabend mitten im vorweihnachtlichen Treiben drei Menschen getötet, wie Frankreichs Innenminister Christophe Castaner mitteilte. Zwölf Menschen wurden nach seinen Angaben verletzt, sechs von ihnen sehr schwer. Die Polizei geht von einem terroristischen Hintergrund aus.

Der mutmaßliche Täter befindet sich weiter auf der Flucht. Die französische Regierung rief nach dem Anschlag die höchste nationale Sicherheitswarnstufe aus. Das bedeute verstärkte Kontrollen an den Grenzen des Landes, erläuterte Castaner. Auch Weihnachtsmärkte würden stärker kontrolliert. Die Bundespolizei hat ihre Kontrollen der Grenze verstärkt.

Bei dem mutmaßlichen Angreifer von Straßburg handelt es sich nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur um einen französischen Staatsbürger mit nordafrikanischen Wurzeln. Der gebürtige Franzose ist demnach sowohl in Frankreich als auch in Deutschland bereits mehrfach straffällig geworden. Der 29-Jährige wurde vom Amtsgericht Singen wegen schweren Diebstahls zu einer Gefängnisstrafe verurteilt und war in Deutschland in Haft. Nach dem Verbüßen der Strafe wurde er im Jahr 2017 nach Frankreich abgeschoben, wie die dpa weiter erfuhr.

Am Vorabend hatten die Ermittler lediglich mitgeteilt, dass ihnen der Tatverdächtige bekannt sei. Die Straßburger Polizeipräfektur erklärte, der Täter sei vom Inlandsgeheimdienst als Sicherheitsrisiko eingestuft gewesen. Demnach gibt es eine eigene Akte: Über ihn sei ein sogenanntes "Fiche S" geführt worden, hieß es. In dieser Kategorie werden rund 26.000 Personen gelistet, darunter auch gewaltbereite Islamisten. Diesen Angaben zufolge ist den Behörden der volle Name des Mannes bekannt.

Der Verdächtige hatte nach Angaben der Präfektur am Vorabend gegen 20 Uhr nahe dem Weihnachtsmarkt der Elsass-Metropole das Feuer eröffnet. Die Behörden beschrieben den genauen Tatort nicht näher und gaben lediglich an, der Täter habe an drei verschiedenen Orten in der Stadt "Terror" verbreitet. Zwischen 20 und 21 Uhr habe er sich zweimal einen Schusswechsel mit Sicherheitskräften im Patrouilleneinsatz geliefert. Die Nachrichtenagentur AFP meldete unter Berufung auf die Polizei, der vermutlich radikalisierte Mann sei vor seiner Flucht von Soldaten verletzt worden. Laut dem Sender France Info entkam er mit einem Taxi, das er gestohlen hatte.

Wie stark der mutmaßliche Täter bei den Schusswechseln verletzt wurde, ist unklar. Der junge Mann hätte einem Medienbericht zufolge eigentlich schon am Dienstagmorgen verhaftet werden sollen. Offenbar waren ihm die Ermittler bereits wegen anderer Delikte auf der Spur. Am Vormittag scheiterte eine geplante Festnahme, wie mehrere Medien berichteten. Wie France Info unter Berufung auf Polizeiquellen berichtete, trafen ihn die ausgesandten Ermittler jedoch nicht zu Hause an.

Bei den Ermittlungen gegen ihn soll es ursprünglich um schweren Raub gegangen sein. Dem 29-Jährigen wird in diesem Zusammenhang unter anderem auch versuchter Mord vorgeworfen. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung Stunden vor den Schüssen sollen Granaten gefunden worden sein, wie France Info und die Zeitung "Le Parisien" berichteten.

Der 29-Jährige wohnte laut dem Lokalblatt DNA im Stadtteil Koenigshoffen. Diesen Angaben zufolge wurde der Mann im Jahr 2011 zu einer zweijährigen Haftstrafe unter anderem wegen eines bewaffneten Überfalls verurteilt.

Weite Teile der Straßburger Innenstadt wurden von Dienstagabend an über Stunden abgeriegelt. Menschen wurden dazu aufgerufen, die Innenstadt in Richtung Norden zu verlassen und nicht in Richtung des südöstlich gelegenen Stadtteils Neudorf zu gehen. Dort war nach dem flüchtigen Tatverdächtigen gefahndet worden. Die Polizei rief die Bürger dazu auf, Ruhe zu bewahren und den Anweisungen der Sicherheitskräfte zu folgen.

Quelle: n-tv.de, jwu/AFP/dpa/rts

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