Politik

Zutiefst rassistische Gesinnung Was wir über die Tat von Hanau bisher wissen

In zwei Hanauer Shisha-Bars fallen tödliche Schüsse. Später findet die Polizei den mutmaßlichen Täter tot in seiner Wohnung. Wer ist der Mann und was trieb ihn zu der Tat?

Was ist in Hanau überhaupt passiert?

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In der hessischen Stadt eröffnete ein Mann am Mittwochabend gegen 22 Uhr in zwei Shisha-Bars am Heumarkt und am Kurt-Schumacher-Platz das Feuer auf anwesende Gäste. Nach Polizeiangaben wurden dabei neun Menschen erschossen. Anschließend flüchtete der mutmaßliche Täter mit einem Auto, die Polizei löste eine Großfahndung aus. Im Ortsteil Kesselstadt wurde das Wohnhaus des Mannes weiträumig abgesperrt und durch Spezialkräfte der Polizei durchsucht. Dabei wurden zwei weitere Leichen gefunden. Eine der toten Personen ist offenbar der Schütze. Die zweite Tote ist die Mutter des Mannes. Die Ermittler gehen demnach davon aus, dass der Mann seine 72-jährige Mutter und dann sich selbst erschossen hat. "Beide wiesen Schussverletzungen auf, die Tatwaffe wurde bei dem mutmaßlichen Täter gefunden", sagte Generalbundesanwalt Peter Frank bei einer Pressekonferenz in Karlsruhe.

Gibt es auch Verletzte?

Die Polizei spricht von fünf Verletzten durch die Schüsse in den Bars. Die Bundesanwaltschaft berichtete von sechs Verletzten, einer davon schwer.

Gibt es Hinweise auf weitere Täter?

Der Polizei zufolge deutet nach den bisherigen Ermittlungen nichts darauf hin, dass der Mann Mittäter hatte. Das Bundeskriminalamt übernimmt ab sofort die Ermittlungen, um Kontakte des Schützen im In- und Ausland zu durchleuchten. Vor allem, ob der Mitwisser und Unterstützer hatte, sollen die weiteren Untersuchungen herausfinden.

Wer waren die Opfer?

Laut Generalbundesanwalt haben alle neun Todesopfer in den beiden Shisha-Bars einen Migrationshintergrund. Nach Angaben der türkischen Botschaft in Berlin sind unter den Opfern auch fünf türkische Staatsbürger.

Was wissen wir über den mutmaßlichen Täter?

Bei dem toten Schützen handelt es sich Hessens Innenminister Peter Beuth zufolge um einen 43-jährigen Deutschen. Der Mann habe die verwendeten Waffen legal besessen. Tobias R. war laut Beuth zuvor nicht im Visier der Ermittler, auch nicht als fremdenfeindlich bekannt.

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Was könnte das Motiv für die Tat gewesen sein?

Der 43-Jährige hinterließ auf seiner inzwischen nicht mehr erreichbaren Webseite ein 24-seitiges Manifest. Es gibt einen Einblick in sein Denken. Daraus wird deutlich: Offenbar hat er über Jahre sein zerstörerisches Weltbild entwickelt, das aus Rechtsextremismus, Verschwörungstheorien, Verfolgungs- und Größenwahn, Frauenhass und religiösem Fanatismus besteht.

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Was ist der Inhalt des Youtube-Videos?

In dem Video spricht der Mann in fließendem Englisch von einer "persönlichen Botschaft an alle Amerikaner". Der Clip wurde offensichtlich in einer Privatwohnung aufgenommen, ins Netz gestellt wurde er vor wenigen Tagen. Darin sagt der Mann, in den USA existierten unterirdische Militäreinrichtungen, in denen Kinder misshandelt und getötet würden. Dort würde auch dem Teufel gehuldigt. Amerikanische Staatsbürger sollten aufwachen und gegen diese Zustände "jetzt kämpfen". Ein Hinweis auf eine bevorstehende eigene Gewalttat in Deutschland ist in dem Video nicht enthalten.

Wie wird die Tat bisher eingeordnet?

Wegen der besonderen Bedeutung des Falls hat die Bundesanwaltschaft bereits in der Nacht die Ermittlungen übernommen. Man sieht Anhaltspunkte für eine "fremdenfeindliche Motivation" der Tat. Auf der Pressekonferenz am Nachmittag ordnete Generalbundesanwalt Frank die Tat allerdings noch nicht weiter ein, sagte aber, das Manifest weise auf eine "zutiefst rassistische Gesinnung" des mutmaßlichen Schützen hin.

Wie reagiert die Politik?

Die Bundesregierung äußerte sich erschüttert. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach den Angehörigen der Opfer und den Verletzen ihr Mitgefühl aus: "Rassismus ist ein Gift, der Hass ist ein Gift. Und dieses Gift existiert in unserer Gesellschaft und es ist schuld an schon viel zu vielen Verbrechen", erklärte Merkel in Berlin.

Bundesinnenminister Horst Seehofer kündigte für den Abend ein Treffen aller Innenminister an. Es werde darum gehen, Konsequenzen zu überlegen, die der Gesetzgeber aus der Tat zu ziehen hätte. Vor allem müssten sensible Einrichtungen in Deutschland künftig besser geschützt werden, sagte der CSU-Politiker in Hanau. Die mutmaßlich rechtsradikalen Hintergründe der Gewalttat müssten nun umfassend aufgeklärt werden. "Im Feld des Rechtsextremismus erleben wir eine besorgniserregende Entwicklung", sagte Seehofer weiter.

Quelle: ntv.de, mit rts/dpa