Ärger wegen Tennisstunde Wegner: "Hätte sagen können, dass ich Sport gemacht habe"

Nach dem tagelangen Stromausfall im Berliner Westen muss sich Bürgermeister Kai Wegner viel zu seiner verschwiegenen Tennisstunde äußern - dabei würde er lieber über andere Themen sprechen.
Der Berliner Bürgermeister Kai Wegner hat das Verschweigen seiner Tennis-Stunde am Samstag während des Stromausfalls verteidigt. "Im Rückblick hätte ich natürlich sagen können, dass ich eine Stunde Sport gemacht habe", sagte der CDU-Politiker RTL/ntv. "Aber ich hatte an diesem Tag einen anderen Fokus."
Er habe vor allem an die rund 45.000 betroffenen Haushalte und etwa 100.000 Berlinerinnen und Berliner gedacht. "Deswegen habe ich das nicht erwähnt", sagte der CDU-Politiker. Der Fokus auf die Betroffenen sei richtig gewesen.
Die Kritik an seiner Kommunikation nimmt Wegner zu viel Raum ein. "Klar finde ich diese Debatte nicht gut. Denn wir müssen eine Debatte führen, wie wir unsere kritische Infrastruktur noch sicherer machen, wie wir unsere Krisenstrukturen optimieren und verbessern." Unterschätzt habe er die Lage aber nicht: "Zuerst ging es um 19.000 Haushalte", sagte Wegner. Zudem sei unklar gewesen, ob ein Anschlag vorliege. "Ich habe aber schnell gemerkt, dass es sich um ein komplexes Thema handelt."
Dimension unterschätzt?
Wegner hatte am Samstagmittag, wenige Stunden nach Beginn des Blackouts, mit seiner Lebensgefährtin, Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch, Tennis gespielt, das aber tagelang verschwiegen. Aus der Opposition und auch vom Koalitionspartner SPD gab es daraufhin scharfe Kritik. Berlins früherer Regierender Bürgermeister Walter Momper von der SPD sagte im dpa-Interview: "Er hat die Dimension der ganzen Geschichte nicht erkannt."
Das will Wegner nicht auf sich sitzen lassen. "Mir war an diesem Tag wichtig, dass ich eine Stunde Sport mache", sagte er der dpa. "Ich musste abschalten. Ich musste herunterkommen. Ich musste meine Gedanken fassen und ordnen."
Nächste Woche will Wegner im Berliner Abgeordnetenhaus eine Regierungserklärung abgeben und ausführlich Stellung zu den Erfahrungen mit dem fünftägigen Blackout und der Kritik an seinem Krisenmanagement nehmen. Bis dahin soll auch eine ausführliche Fehleranalyse vorliegen. Ziel müsse sein, die kritische Infrastruktur in Berlin, etwa das Stromnetz, künftig noch besser zu schützen, sagte Wegner der dpa. "Wir müssen schauen: Wo sind die Angriffspunkte, die kritisch sind? Und wie können wir unser Krisenmanagement, unseren Katastrophenschutz noch optimieren?" Ihm seien einige Punkte aufgefallen, die man noch besser machen könne, sagte Wegner, und meinte damit nicht nur die eigene Kommunikationsstrategie.