Politik

Rechtsextreme im "Wolfsrudel" Wehrbeauftragte verteidigt Wachbataillon

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Sechs Soldaten des Wachbataillons stehen im Verdacht, eine rechtsextreme Gesinnung zu vertreten.

(Foto: picture alliance / photothek)

Das Wachbataillon ist ein Aushängeschild der Bundeswehr, begleitet die Bundeskanzlerin bei Staatsbesuchen. Nun soll es auch in dieser Truppe rechtsextreme Vorfälle gegeben haben. Ermittelt wird wegen "Volksverhetzung und der Abkehr von der freiheitlich-demokratischen Grundordnung".

Innerhalb des Wachbataillons der Bundeswehr soll sich eine rechtsextremistische Gruppe von mindestens sechs Soldaten gebildet haben. Das berichtet der "Spiegel" und beruft sich auf einen Augenzeugen-Bericht, der dem Verteidigungsministerium vorliegen soll. Die Bundeswehr ermittelt demnach gegen mehrere Streitkräfte, die ihren rechten Zusammenschluss selbst "Wolfsrudel" nannten. Die Gesinnung der Mitglieder beschrieb der Zeuge als "völkisch oder national", teilweise sogar als "rechtsradikal".

Das Wachbataillon ist eine Elitetruppe des Militärs, die aus etwa 1000 Soldaten besteht. Es begleitet Staatsträger wie den Bundespräsidenten oder die Bundeskanzlerin bei offiziellen Terminen. Gegen das "Wolfsrudel" wird dem Magazin zufolge intern wegen "extremistischer Verhaltensweisen, Volksverhetzung und der Abkehr von der freiheitlich-demokratischen Grundordnung" ermittelt. In diesem Zusammenhang wird auch der Militärische Abschirmdienst (MAD) an den Ermittlungen beteiligt.

Dabei gehe es etwa um grausame Aufnahmerituale sowie Verstöße gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Zu den Ritualen gehören laut Zeugen-Aussage zum Beispiel "Anurinieren unter der Dusche", "Faustschläge gegen die Leber" und "Anzünden von Körperteilen mit Feuerzeug und Zigarette". Einem Soldaten seien im Schlaf Genitalien ins Gesicht gehalten worden.

Verteidigungsministerium "zutiefst" beschämt

Ihre extremen Tendenzen haben die Kameraden wohl kaum verborgen. So habe ein 32-jähriger Oberstabsgefreiter, mutmaßlicher Anführer der Gruppe, ein T-Shirt mit der Aufschrift "Wir sind braun" auf der Rück- sowie "Sonnenstudio 88" auf der Vorderseite getragen. Die "8" steht für den achten Buchstaben des Alphabets, das "H" - und wird in rechten Kreisen für die verbotene Grußformel "Heil Hitler" verwendet. Gegen den Gefreiten werde bereits seit Wochen ermittelt, da er asiatische Kameraden rassistisch beleidigt haben soll.

Ihm sei deshalb bereits verboten worden, seinen Dienst auszuüben. Auch gegen vier weitere Soldaten seien disziplinarische Vorermittlungen eingeleitet worden. Zudem sollen zwei Feldwebel des Wachbatallions in den Fall verwickelt sein. Die scheidende Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer dürfte durch den Fall erneut unter Druck geraten. Erst vergangenes Jahr wurde bekannt, dass es in der Bundeswehr-Spezialeinheit KSK mehrere rechtsextreme Vorfälle gab. Kramp-Karrenbauer ordnete daraufhin eine grundlegende Reform der Einheit an - und versicherte, eine harte Linie gegen Extremismus in der Bundeswehr zu vertreten.

Das Verteidigungsministerium werde dem neuen Fall "mit aller Härte" nachgehen, schrieb es auf Twitter. "Es beschämt uns zutiefst", so das Ministerium weiter. "Jeder Verdachtsfall ist einer zu viel. Wir betonen es noch mal: Wir dulden keinen Extremismus - es gilt null Toleranz bei jeglichen Straftaten."

Die Wehrbeauftragte des Bundestages, Eva Högl, sagte, sie habe "einen guten Eindruck" von Ermittlungen wegen eines Verdachts von Rechtsextremismus beim Wachbataillon. "Bisher gibt es keine Bestätigung einer verfestigten rechtsextremen Gruppe innerhalb des Wachbataillons", teilte Högl unmittelbar nach einem Besuch bei den Soldaten mit. Sie habe sich über den Stand der Ermittlungen und die Hintergründe der Fälle informiert.

Sie habe Vorgesetzte und Ermittler gesprochen und gesehen, dass die Untersuchungen "zügig, gründlich und konsequent geführt werden", so Högl. Und: "Es ist wichtig, dass weiter aufgeklärt und schnell sanktioniert wird und dass Sensibilisierung und Prävention intensiviert werden. Es gibt zum jetzigem Zeitpunkt keinen Grund, an der Professionalität, Zuverlässigkeit und Verfassungstreue des Wachbataillons zu zweifeln."

Quelle: ntv.de, lve

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