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"Verheerende Zustände" Wehrbeauftragter: Kasernen teils marode

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Teils "verheerende Zustände" in den Kasernen der Bundeswehr diagnostiziert der Wehrbeauftragte der Bundeswehr.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Kasernen der Bundeswehr sind zum Teil völlig heruntergekommen, sagt der Wehrbeauftragte Königshaus. Es müsse saniert werden, fordert er - und dafür der Verteidigungsetat erhöht werden. Eine Umfrage zeigt, was die Bürger davon halten.

Die Bundeswehr braucht Geld, richtig viel Geld. Denn nicht nur bei der Ausrüstung gibt es große Probleme, sondern auch die Gebäude sind teils marode - und im kommenden Jahr stehen noch zusätzliche Nato-Verpflichtungen ins Haus. Der noch amtierende Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus fordert nun ein Milliardenprogramm zur Sanierung maroder Bundeswehr-Kasernen. "Der Zustand der Liegenschaften ist teilweise verheerend", sagt der FDP-Politiker.

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Viele Politiker haben sich ähnlich wie Königshaus (Bild) geäußert - doch die Bürger sind gegen eine Etaterhöhung.

(Foto: dpa)

Königshaus spricht sich dafür aus, den Verteidigungsetat für Investitionen in Bundeswehr-Gebäude und Ausrüstung zu erhöhen. "Je knapper wir den Verteidigungshaushalt über Jahre hin gestalten, umso größer ist der Verfall", betont er. "Es ist im Prinzip eine Abwärtsspirale." Die für die Sanierung von Liegenschaften eingeplanten Mittel reichten nicht aus. "Es ist wohl ein Programm über mehrere Jahre im Milliardenbereich notwendig." Im Oktober hatte sich auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen für eine Erhöhung des Wehretats ausgesprochen. Im Frühjahr solle im Kabinett darüber gesprochen werden, hieß es damals.

Fast die Hälfte der Deutschen lehnt diese Forderung jedoch ab. 48 Prozent sprachen sich in einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov gegen zusätzliche Mittel für die Truppe aus. Nur 35 Prozent waren dafür. Im Bundeshaushalt 2015 sind 33 Milliarden Euro für die Verteidigung eingeplant. Mit 1,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gibt Deutschland deutlich weniger aus als die von der Nato angestrebten 2,0 Prozent.

Die Grünen werfen der Ministerin vor, die falschen Schwerpunkte zu setzen. Mittel für Umbau- und Sanierungsmaßnahmen würden ab 2016 gekürzt, um Rüstungsprojekte zu finanzieren, teilte die Partei n-tv.de mit. "Das ganze Gerede über Attraktivität wird damit ad absurdum geführt, wenn Soldaten teilweise neue Geräte haben, die so nicht benötigt werden, es aber in Unterkünften durchs Dach regnet oder Sanitärbereiche seit Jahrzehnten nicht saniert wurden", sagte demnach der Obmann im Haushaltsausschuss, Tobias Lindner.

Deutschland soll neue Nato-Truppe mitaufbauen

Die Aufgaben der deutschen Soldaten werden im kommenden Jahr noch umfangreicher: Die Bundeswehr wird 2015 eine Schlüsselrolle beim Aufbau der superschnellen Eingreiftruppe der Nato spielen. Die derzeitigen Planungen betreffen das I. Deutsch-Niederländische Korps in Münster mit rund 450 Soldaten sowie das Panzergrenadierbataillon 371 "Marienberger Jäger" aus Sachsen mit rund 900 Soldaten.

Hinzu könnten mehrere hundert Männer und Frauen aus der sogenannten Streitkräftebasis kommen. Wie groß die neue "Speerspitze" der Nato insgesamt wird, soll in den kommenden Wochen festgelegt werden. Neben der Beteiligung am Aufbau der neuen Eingreiftruppe hat Deutschland zugesagt, auch in den letzten vier Monaten des Jahres 2015 Kampfjets und Piloten für die verstärkten Luftraum-Kontrollen über den baltischen Staaten zu stellen.

Quelle: n-tv.de, vpe/dpa

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