Politik

Nach homophobem Tweet Weidel fordert AfD-Austritt von Uwe Junge

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"Er sollte die Partei verlassen", sagt Weidel.

(Foto: imago images/Bildgehege)

Nach dem EM-Spiel zwischen Deutschland und Portugal veröffentlicht der frühere AfD-Landeschef Junge einen homophoben Tweet. Er bezieht sich auf die Regenbogen-Armbinde Manuel Neuers und wählt diffamierende Worte. AfD-Spitzekandidatin Weidel drängt nun auf seinen Parteiaustritt.

Die gemeinsame Geschichte von Uwe Junge und seiner Partei neigte sich eigentlich ihrem Ende zu. Schon im vergangenen Jahr hatte der damalige AfD-Fraktionschef in Rheinland-Pfalz seinen Rückzug aus der Politik angekündigt, bei der Landtagswahl im März 2021 trat Junge nicht mehr an. "Nach reiflicher Überlegung" und "auch aus gesundheitlichen Gründen", so hieß es in seiner Begründung, wolle er nicht mehr für den Landtag kandidieren. Nun beschäftigt der ehemalige Oberstleutnant seine Partei aus dem politischen Ruhestand heraus.

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Junge war von 2016 bis 2021 Mitglied des rheinland-pfälzischen Landtags.

(Foto: picture alliance/dpa)

Nachdem Junge sich am Wochenende bei Twitter in Bezug auf die Regenbogen-Kapitänsbinde des Fußball-Nationalspielers Manuel Neuer abfällig und beleidigend über homosexuelle Menschen geäußert hatte, erneuerte jetzt die Co-Chefin der Bundestagsfraktion, Alice Weidel, ihre Forderung nach einem Parteiaustritt des 63-Jährigen. Im Gespräch mit der "Welt" sagte Weidel, Junge sei mit seinem mittlerweile gelöschten Tweet "eindeutig zu weit gegangen". Sie bekräftigte: "Er sollte die Partei verlassen". Bereits am Sonntag hatte Weidel, die gemeinsam mit Co-Parteichef Tino Chrupalla als Spitzenduo den Wahlkampf der AfD anführt, auf Twitter das Ende der Parteimitgliedschaft Junges in Aussicht gestellt.

Junge hatte sich im Nachhinein für die Wortwahl in seinem Tweet entschuldigt, twitterte aber ebenfalls: "Inhaltlich bleibe ich dabei, dass derartige Statements nichts an oder auf dem Trikot der Nationalmannschaft zu suchen haben."

Auch der rheinland-pfälzische AfD-Fraktionsvorsitzende Michael Frisch distanzierte sich von abfälligen Äußerungen seines Vorgängers. Der Landesvorstand werde sich laut einem entsprechenden Beschluss des Bundesvorstands in seiner nächsten Sitzung mit dem Thema beschäftigen und dabei auch den langjährigen Fraktionsvorsitzenden befragen, sagte Frisch. Er teile zwar Junges Kritik an der Politisierung des Sports, die "jetzt offensichtlich auch der DFB betreibt". Junges Wortwahl sei jedoch "verletzend und herabwürdigend gegenüber einer ganzen Gruppe von Menschen und daher völlig inakzeptabel".

Es gebe in der AfD viele homosexuelle Mitglieder und mit Weidel eine Spitzenkandidatin, die in einer lesbischen Beziehung lebe, betonte Frisch weiter. Das zeige, dass Homosexuellen in der AfD der gleiche Respekt und die gleiche Wertschätzung entgegengebracht würden wie allen anderen auch. Frisch, der auch der Landesvorsitzende der AfD in Rheinland-Pfalz ist, erklärte zur ersten Reaktion Weidels: "Alles wird seinen ordentlichen Gang nehmen." Weidels Reaktion sei zwar "emotional nachvollziehbar, aber vielleicht doch etwas voreilig".

Quelle: ntv.de, mbe/dpa

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