Politik

Sexuelle Übergriffe bei Linken? Weitere mutmaßliche Betroffene melden sich

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Grenzüberschreitungen, Machtmissbrauch und eine toxische Machokultur lauten die Anschuldigungen - die Linkspartei verspricht Aufklärung.

(Foto: picture alliance / Sven Simon)

Nach den Vorwürfen sexuellen Missbrauchs in der hessischen Linkspartei weitet sich der Skandal aus. Die Bundessprecherin der Jugendorganisation der Partei spricht von bislang mehr als 20 weiteren mutmaßlich betroffenen Personen aus mehreren Landesverbänden.

Nach dem Bekanntwerden von Vorwürfen sexueller Übergriffe bei den hessischen Linken haben sich an die mit der Partei verbundene Linksjugend Solid zahlreiche weitere mutmaßlich Betroffene gewendet. Solid-Bundessprecherin Sarah Dubiel sprach von mehr als 20 weiteren Betroffenen aus mehreren Landesverbänden.

Der "Spiegel" hatte am Freitag mutmaßliche Fälle von sexualisierter Gewalt in der hessischen Linkspartei öffentlich gemacht. Es gebe verschiedene Dokumente mit Hinweisen auf "mutmaßliche Grenzüberschreitungen, Machtmissbrauch und eine toxische Machokultur", schrieb das Nachrichtenmagazin nach Gesprächen mit zehn Frauen und Männern.

Die hessische Linkspartei will als weiteren Schritt zur Aufarbeitung von Vorwürfen sexueller Übergriffe "neutrale" Vertrauensleute finden. Die Suche nach diesen wolle man nach Ostern abschließen. Die Linke hatte zuvor mitgeteilt, dass zur nächsten Sitzung des Landesvorstands am 30. April eine oder mehrere Vertrauenspersonen eingesetzt werden sollen. Dies komme zu spät und sei nur präventiv, kritisierte Dubiel: "An den aktuellen Fällen wird sich dadurch nichts ändern." Dass eine unabhängige Vertrauensstelle schon seit langem gefordert werde, jedoch erst jetzt umgesetzt werden soll, bezeichnete sie als Blamage. Nötig seien professionell geschulte und ausgebildete Ansprechpartner. "Die Partei muss jetzt Geld in die Hand nehmen, sowohl zur Aufarbeitung als auch für Ansprechpersonen zu potenziellen weiteren Fälle", forderte Dubiel.

Die hessische Linke hatte nach Angaben des geschäftsführenden Landesvorstands ab Ende November 2021 Kenntnis von den Vorwürfen erlangt. Die Partei habe seitdem begonnen, "diese auf allen Ebenen aufzuarbeiten". Verwiesen wurde unter anderem auf Gesprächsangebote an Betroffene, einen beschlossenen Verhaltenskodex sowie auf die geplante Benennung der Vertrauensleute. Die aktuelle Berichterstattung habe noch einmal verdeutlicht, wie notwendig diese Arbeit sei, sagte ein Parteisprecher.

Der geschäftsführende Landesvorstand will demnach in der nächsten Woche das weitere Vorgehen abstimmen. Die Linke-Bundespartei hatte am Freitag in einer Mitteilung zugesichert, "dass wir grenzüberschreitendes Verhalten nicht dulden und unter den Tisch kehren werden".

Quelle: ntv.de, jog/dpa

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