"Islamische Republik stürzen"Welche Rolle spielt der Schah-Sohn Reza Pahlavi bei den Iran-Protesten?

Im Iran geht die Bevölkerung gegen das regierende islamistische Regime auf die Straßen. Aus dem Exil ruft auch der Sohn des früheren autoritären Schahs zu Demonstrationen auf. Er beansprucht eine Führungsrolle bei der Umgestaltung des Landes.
Der Sohn des 1979 gestürzten Schahs, Reza Pahlavi, ruft aus seinem Exil immer weiter zu Protesten gegen das Teheraner Regime auf. Es gehe um die nächste Phase des Aufstands, "um die Islamische Republik zu stürzen", so Pahlavi in seiner jüngsten Videobotschaft.
Neben der Besetzung zentraler Straßen in den Städten seien jetzt auch alle Institutionen, die für die Propaganda der Staatsführung und die Unterbrechung der Kommunikation verantwortlich seien, "legitime Ziele", erklärte er auf der Plattform X. Wegen der Internetsperre ist aber unklar, ob und in welchem Ausmaß Menschen im Iran seine Forderungen überhaupt zu sehen bekommen.
Die Proteste am Donnerstag, zu denen Pahlavi auch aufgerufen hatte, hätten gezeigt, wie "eine riesige Menschenmenge die repressiven Kräfte zum Rückzug zwingt", hatte er selbst zuletzt erklärt. Welchen Einfluss er wirklich auf die Lage im Iran hat und welchen Rückhalt er dort hat, ist umstritten.
Aus seinem Exil heraus beansprucht der 65-Jährige eine Führungsrolle in der Opposition. Im Iran gibt es seit Jahren keine politische Kraft mehr, die von den Demonstranten als glaubwürdige Opposition anerkannt wird. Auch die sogenannten Reformer, zu denen Präsident Massud Peseschkian zählt, werden unter Protestteilnehmern als Teil des islamischen Herrschaftssystems angesehen, die keine grundlegenden politischen Änderungen bewirken können. Viele Menschen im Land setzen daher ihre Hoffnungen auf Unterstützung aus dem Ausland. Bei den aktuellen Massenprotesten ertönte auch der Slogan "Lang lebe der König" - ein direkter Hinweis auf den im Exil lebenden Sohn des früheren Schahs.
"Eine spaltende und keine einigende Figur"
Pahlavi war erst 18 Jahre alt, als die iranische Revolution von 1979 die 40-jährige autoritäre Herrschaft seines Vaters beendete. Als ältester Sohn von Schah Mohammad Reza Pahlavi war er der erste in der Thronfolge des ölreichen, tausend Jahre alten Reiches. Jetzt, fast ein halbes Jahrhundert nach der Aufhebung seines Geburtsrechts, könnte sein Warten endlich ein Ende finden, heißt es in einer Analyse des US-Nachrichten-Senders CNN. Demnach versuche er sich als faktischer Machthaber zu etablieren.
"Er spricht davon, ein Übergangsführer zu sein und eine Übergangsversammlung einzurichten, aber wer wird in der Übergangsregierung sitzen, wer wird in der Versammlung kandidieren, wer sind ihre Kandidaten?", fragte Vali Nasr, Iran-Experte und Professor an der School of Advanced International Studies der Johns Hopkins University.
Sein Vater Mohammad Reza Pahlavi kam infolge der anglo-sowjetischen Invasion 1941 an die Macht im Iran. Diese zwang wiederum seinen Vater zur Abdankung. Mit Unterstützung der USA und auch als Verbündeter des Westens baute er anschließend ein autoritäres Regime in dem Land auf.
Die Unterstützung der abgesetzten Monarchie ist im Iran ein Tabu, eine Straftat und eine Gesinnung, die von einer Gesellschaft, die einen Volksaufstand zur Entmachtung der Schah-Diktatur initiierte, lange Zeit missbilligt wurde. "Reza Pahlavi hat seinen Einfluss zweifellos ausgebaut und sich zu einer Schlüsselfigur der iranischen Oppositionspolitik entwickelt", wird Arash Azizi, Akademiker und Autor des Buches "Was die Iraner wollen", von CNN zitiert. Pahlavi habe jedoch auch mit vielen Problemen zu kämpfen. Er sei "eine spaltende und keine einigende Figur", führt Azizi weiter aus.
Seit mehr als zwei Wochen demonstrieren etliche Menschen gegen das autoritäre Herrschaftssystem der Islamischen Republik. Die ursprünglich durch eine Wirtschaftskrise ausgelösten Proteste haben sich inzwischen zu einem landesweiten Aufstand entwickelt. In den Städten kam es zu heftigen Ausschreitungen und schweren Unruhen. Der Sicherheitsapparat reagiert mit brutaler Härte. Hunderte Demonstranten sind nach Angaben von Aktivisten bereits getötet worden. Es sind die schwersten Proteste seit Jahren.