Politik

Tag der offenen Moschee Weniger Gebetshäuser öffnen ihre Türen

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Auch wenn weniger Moscheen geöffnet haben, ist die Sehitlik-Moschee in Berlin gut besucht.

(Foto: Paul Zinken)

Neben dem Tag der Deutschen Einheit findet am 3. Oktober auch der Tag der offenen Moschee statt, bei dem ein weltoffenes Bild des Islams vermittelt werden soll. In diesem Jahr machen jedoch deutlich weniger Gebetshäuser mit. Woran liegt das?

Großer Andrang, aber auch kritische Worte am Tag der offenen Moschee: Etwa 100.000 Besucher haben den 3. Oktober genutzt, um mit Muslimen ins Gespräch zu kommen. Rund 900 Gebetshäuser und Begegnungsstätten in ganz Deutschland öffneten ihre Türen - auch für nicht-muslimische Gäste. Das ist weniger als in den Jahren zuvor, in denen jeweils über 1000 Gebetshäuser und islamische Begegnungsstätten an dem Aktionstag teilnahmen. Ein Sprecher des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD) begründete den Rückgang unter anderem mit der Angst vor Übergriffen und fehlender Solidarität in der Gesellschaft.

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Schuhe müssen in der Ditib Zentralmoscheedraußen bleiben.

(Foto: Henning Kaiser)

In Deutschland gibt es dem Zentralrat zufolge rund 2500 Moscheen. Viele lägen in Hinterhöfen, nur etwa 900 seien öffentlich erkennbar. Der Tag der offenen Moschee, der von den vier größten islamischen Verbänden in Deutschland initiiert wird, findet seit 1997 am Tag der Deutschen Einheit statt. Das soll nach den Worten des ZMD-Vorsitzenden Aiman Mazyek ein Zeichen der Solidarität und des Respekts gegenüber Deutschland sein.

Dieser Auffassung widerspricht die liberale Muslimin und Rechtsanwältin Seyran Ates jedoch kürzlich in einem Interview mit dem "Deutschlandfunk". Darin äußert sie, dass es respektlos und ignorant sei, den Tag der offenen Moscheen am 3. Oktober zu feiern. An diesem Datum habe für sie der Tag der Deutschen Einheit Bedeutung. In vielen Moscheen gebe es islamische Parallelwelten, die sich fern der Ideale der Bundesrepublik bewegten. Daher kritisiert Ates, dass der Koordinationsrat der Muslime, dem Zentralrat der Muslime und der Ditib ein falsches Signal senden, da die zeitgleiche Feier aussage, dass ihnen Religion wichtiger sei als Integration. Die von ihr mitbegründete liberale Ibn-Rushd-Goethe-Moschee bleibe daher heute geschlossen.

"Religiosität - individuell, natürlich, normal"

Das Motto des diesjährigen Tag der offenen Moscheen lautete "Religiosität - individuell, natürlich, normal". In Sachsen etwa machten vier Moscheen mit, unter anderem die Fatih-Moschee in Dresden, die vor zwei Jahren Ziel eines Anschlags geworden war. Ende August wurde der Attentäter wegen versuchten Mordes in vier Fällen zu neun Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Der Schwerpunkt lag aber in den westdeutschen Bundesländern. Allein in Nordrhein-Westfalen öffneten Hunderte islamische Gemeinden ihre Türen. In die Zentralmoschee des Religionsverbandes Ditib in Köln, dem größten Moschee-Komplex Deutschlands, strömten bereits am Morgen mehrere Hundert Menschen.

Wenige Tage nach der umstrittenen Einweihung durch den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan besuchte auch NRW-Flüchtlingsminister Joachim Stamp von der FDP die Moschee - und kritisierte die Eröffnung durch Erdogan. Es sei zwar "wunderbar", dass die Kölner Ditib-Moschee zu weiten Teilen von Muslimen und Spenden aus Deutschland finanziert worden sei, sagte Stamp. Er und mit ihm die tausenden Unterstützer des Baus hätten sich aber gewünscht, dass die Einweihung "ein Symbol für einen deutschen Islam" würde. "Die Eröffnung durch den türkischen Präsidenten hat ein anderes Symbol gesetzt", sagte Stamp. "Das hat viele Menschen enttäuscht und auch verletzt." Der Dialog zwischen Muslimen und dem Staat dürfe dennoch nicht abreißen.

Die Ditib, die mit dem ZMD, dem Islamrat und dem Verband der Islamischen Kulturzentren Veranstalter ist, steht wegen ihrer großen Nähe zur Regierung in Ankara in der Kritik. Islamexpertin Lamya Kaddor sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Von der Ditib muss eingefordert werden, dass sie sich vollständig zu lösen hat von der Religionsbehörde in Ankara, dass sie keine Politik betreiben darf und für die Interessen der deutschen Muslime eintritt, nicht für die der Türkei."

Quelle: n-tv.de, lle/dpa/Deutschlandfunk

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