Politik

Spahn über Auffrischungsimpfung "Wenn wir auf STIKO warten, haben wir die ersten Toten"

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"Wir haben das Mittel in der Hand. uns zurück in Freiheit und Normalität zu impfen", sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

(Foto: imago images/Political-Moments)

Gesundheitsminister Spahn wirbt weiter für Impfungen - mit Blick auf die Älteren auch für Auffrischungsimpfungen. Auf die entsprechende Empfehlung der Ständigen Impfkommission will er dabei nicht warten.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat die Bedeutung der Ständigen Impfkommission bei den Corona-Impfungen relativiert. "Wenn wir warten, bis die Empfehlung der STIKO vorliegt, haben wir wieder die ersten Toten in den Pflegeeinrichtungen", sagte Spahn mit Blick auf die Auffrischungsimpfungen bei Älteren.

Zur Impfung von Kindern und Jugendlichen sagte der CDU-Politiker, es habe in dieser Frage zwischen STIKO und den Gesundheitsministern von Bund und Ländern nie eine Differenz gegeben. Auch die Impfung von Kindern und Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren ohne Vorerkrankungen hatte die STIKO zunächst "nicht allgemein empfohlen", gleichzeitig aber darauf hingewiesen, dies sei "nach ärztlicher Aufklärung und bei individuellem Wunsch und Risikoakzeptanz des Kindes oder Jugendlichen bzw. der Sorgeberechtigten möglich". Mittlerweile empfiehlt die STIKO Impfungen auch generell für Kinder und Jugendliche.

Genau an diese Empfehlung hätten sich die Gesundheitsminister immer gehalten, sagte Spahn. Ähnlich verhalte es sich mit den Auffrischungsimpfungen. Die STIKO hat erklärt, sie könne sich nicht vor Ende September zu dieser Frage positionieren. Dennoch haben die Gesundheitsminister von Bund und Ländern bereits beschlossen, ein entsprechendes Angebot auf über 60-Jährige auszuweiten.

Auffrischungsimpfungen seien bereits möglich, denn die Zulassung dafür sei da, betonte Spahn. Er wies darauf hin, dass es aus seiner Sicht ein grundsätzliches Problem mit dem Verfahren gebe: "Wir sind davon abhängig, dass andere Länder die Daten erheben. Ohne die Daten aus den USA gäb's für uns keine Empfehlung." Das sei ethisch problematisch. Zugleich betonte Spahn, die Daten von Studien zu Auffrischungsimpfungen seien klar.

Spahn vermeidet Kritik, Wieler lobt die STIKO

Direkte Kritik an der STIKO vermied Spahn. Stattdessen sprach er von "bester Zusammenarbeit" mit dem Gremium. In derselben Pressekonferenz lobte der Chef des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, das Gremium und betonte, andere Länder würden Deutschland um ein Gremium wie die Ständige Impfkommission beneiden.

Die zeitliche Verzögerung bei der Impfung von Kindern und Jugendlichen, aber auch bei den Auffrischungsimpfungen, hat der STIKO den Vorwurf eingebracht, "im Kampf gegen Corona hinter der Lage" zu sein, wie CSU-Chef Markus Söder es jüngst im Interview mit der "Welt" formulierte.

Mit Blick auf den Stand der Impfungen warb Spahn erneut dafür, die Quote zu steigern. Er betonte, an Informationen mangele es nicht: Allein die Social-Media-Kampagne des Bundesgesundheitsministeriums habe "jede Bürgerin und jeden Bürger statistisch gesehen 23 Mal erreicht". Gemangelt habe es an der einfachen Gelegenheit, sich impfen zu lassen. Sein Ministerium will in der kommenden Woche unter dem Motto #hierwirdgeimpft daher nicht nur verstärkt für Impfungen werben, sondern vor allem Veranstalter von Impfaktionen unterstützen. Jeder Verein, jede Initiative vor Ort, könne eine solche Aktion mit dem örtlichen Gesundheitsamt oder auch mit einem Arzt auf die Beine stellen, sagte Spahn.

100.000 Impfdosen in Einkaufszentren verabreicht

Spahn warb dazu für eine Aktion des Handelsverbands Deutschland (HDE), die bereits seit zwei Wochen läuft. Erneut sprach der Minister sich klar gegen eine Impfpflicht aus. Impfen sei eine freie Entscheidung und solle das auch bleiben, aber jede einzelne Impfentscheidung entscheide auch darüber, "wie sicher wir durch Herbst und Winter kommen". Aktuell gebe es eine Pandemie der Ungeimpften. Über 90, 95 Prozent der Covid-19-Patienten, die derzeit auf den Intensivstationen behandelt werden, seien ungeimpft.

RKI-Chef Wieler ergänzte, wenn die Impfquote nicht gesteigert werde, könne die vierte Welle "einen fulminanten Verlauf" nehmen. "Wer sich nicht impfen lässt, wird sich auf absehbare Zeit mit Sars-Cov2 infizieren", unter Umständen schwer erkranken und vielleicht sterben.

HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth sagte, an der Kampagne des Einzelhandels würden sich mehr als 30 große Handelsunternehmen beteiligen, es handele sich um die größte privatwirtschaftlich organisierte Impfkampagne Deutschlands. In den vergangenen zwei Wochen seien in Einkaufszentren mehr als 100.000 Impfdosen verabreicht worden.

Quelle: ntv.de, hvo

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