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Koalitionsrechner Wer regiert künftig in Bayern?

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Schwarz-Grün in Bayern? CSU-Spitzenkandidat Markus Söder hat sich bereits festgelegt.

(Foto: dpa)

Bei der Landtagswahl in Bayern zeichnen sich für die CSU massive Verluste ab, dennoch bleiben die Christsozialen stärkste Kraft im Freistaat: Die Partei muss sich nach möglichen Koalitionspartner umschauen. Wer kommt rein rechnerisch in Frage?

Die Auszählung der Stimmen läuft: Ersten Hochrechnungen zufolge muss sich die CSU bei der Landtagswahl in Bayern auf einen herben Absturz in der Wählergunst einstellen. Das von der CSU-Spitze prophezeite "Demoskopie-Desaster" bleibt wohl aus: Unter der Führung von CSU-Chef und Bundesinnenminister Horst Seehofer fährt die kleinere der beiden Unionsparteien voraussichtlich das schwächste Ergebnis seit fast 70 Jahren ein.

Wie bereits bei dem Wahldebakel von 2008 muss die CSU einen Bündnispartner suchen, um eine tragfähige Regierungskoalition zu schmieden. Wie bereits in den Umfragen der vergangenen Wochen angedeutet, stehen in der Landeshauptstadt München größere Rechenspiele an: Mit wem können die Christsozialen zusammengehen, um eine tragfähige Regierung zu schmieden? Oder reicht es gar für eine Koalition der kleineren Parteien - ohne Beteiligung der CSU?

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Viele Augen richten sich auf CSU-Chef und Bundesinnenminister Horst Seehofer und den bayerischen Spitzenkandidaten und Ministerpräsidenten Markus Söder. Erwartet wird eine langwierige Koalitionssuche, zusätzlich erschwert von der Personaldebatte und der Frage, wer innerhalb der CSU die die Verantwortung für das katastrophal schwache Wahlergebnis übernehmen muss.

Nach aktuellem Stand haben sieben Parteien Chancen auf den Einzug in den Landtag: CSU, Grüne, SPD, Freie Wähler, AfD und FDP. Die Liberalen liegen allerdings in den Prognosen knapp an der Fünf-Prozent-Hürde. Im Vorfeld hatten Wahlforscher stets auf die begrenzte Aussagekraft der Umfragen zur Landtagswahl in Bayern hingewiesen. Der Anteil der Unentschlossenen sei bei dieser Wahl besonders groß, hieß es. Zuletzt wollte sich noch rund die Hälfte aller Befragten erst im letzten Moment entscheiden.

Als sicher galt schon vor der ersten Hochrechnung, dass die CSU trotz massiver Verluste stärkste Kraft im Freistaat bleiben dürfte. Die Grünen hofften bei Umfragewerten von 18 bis 19 Prozent auf einen Aufstieg zur zweistärksten Partei in Bayern. Das scheint zu gelingen: In den Hochrechnungen kommen die Grünen auf 18,1 Prozent. Eine rechnerisch denkbare Koalition mit der CSU stößt aber auf große inhaltliche Differenzen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, der das Amt erst im Frühjahr von seinem Vorgänger Seehofer übernommen hatte, hat sich bereits festgelegt. Er nannte das Programm der Grünen kurz vor dem Wahlwochenende ausdrücklich "nicht koalitionsfähig".

Inhaltlich nahe stehen der CSU die Freien Wähler. Mit den nach Schließung der Wahllokale prognostizerten 11,6 Prozent könnte es knapp für eine Zweier-Koalition mit der CSU reichen. Die AfD dürfte mit einem Ergebnis von 10,9 Prozent erstmals in den bayerischen Landtag einziehen. Eine Koalition mit der "Alternative" am rechten Rand hat die CSU vorab kategorisch ausgeschlossen.

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Zweitgrößter Wahlverlierer nach der CSU ist die SPD: Im Vergleich zur vorausgegangen Landtagswahl dürfte sich der Absturz hier auf volle 11 Prozentpunkte belaufen. Die Sozialdemokraten verfügen in Bayern vor allem in den größeren Städten über Rückhalt. Noch Mitte der 1990er-Jahre konnte die SPD rund 30 Prozent der bayerischen Wähler für sich überzeugen. Bei der Landtagswahl 2013 kam die bislang wichtigste bayerische Oppositionspartei noch auf 20,6 Prozent.

Ungewiss ist noch, ob FDP die Fünf-Prozent-Hürde überwinden kann. Die Linke bleibt laut Hochrechnung in Bayern mit einem Wahlergebnis von knapp über drei Prozent wohl deutlich drunter. Dabei wäre ein Einzug in den bayerischen Landtag für beide Parteien ein wichtiger Meilenstein: Die Liberalen waren nach der Landtagswahl von 2008 als Koalitionspartner der CSU an der Regierung beteiligt und müssen nun um ihre Rückkehr in den Landtag bangen.

Die Linken haben es in Bayern bislang nur bei Bundestagswahlen über die Fünf-Prozent-Marke geschafft, nicht aber bei Landtagswahlen. Das bisher beste Ergebnis der Linken stammt aus dem Jahr 2008, als die Partei, die derzeit im benachbarten Thüringen den Ministerpräsidenten stellt, 4,4 Prozent der gültigen Stimmen in Bayern erreichen konnte.

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Quelle: n-tv.de, mmo/rts

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