Politik

Von Atatürk bis Erdogan Wichtige Wegmarken in der türkischen Geschichte

Die vor 93 Jahren gegründete moderne Türkei weist eine Geschichte mit vielen Brüchen auf. Vier Militärputsche hat das Land hinter sich - drei waren erfolgreich.

Die moderne Türkei, Land an der Schnittstelle zwischen Europa und dem Nahen Osten, blickt auf eine unruhige Geschichte zurück, in der immer wieder das Militär eine entscheidende Rolle spielte. Hier ein Überblick:

1923: Mustafa Kemal (der sich ab 1934 Atatürk nennt) proklamiert die Gründung der Republik Türkei, das Kalifat wird abgeschafft.

1924: Die neue türkische Verfassung tritt in Kraft. Die ersten laizistischen Gesetze werden verabschiedet, die den Einfluss des Islam als Staatsreligion beschneiden.

1945: Die Türkei, während des Zweiten Weltkrieges offiziell neutral, schließt sich den Siegermächten an.

1950: Die ersten freien Wahlen in einem Mehrparteiensystem werden abgehalten.

1952: Die Türkei tritt gemeinsam mit dem Erzrivalen Griechenland der Nato bei.

1960: Erster Staatsstreich durch das Militär. Der gewählte Regierungschef Adnan Menderes wird abgesetzt und hingerichtet.

1971: Zweiter Staatsstreich durch das Militär, das den Rücktritt der gewählten Regierung von Süleyman Demirel erzwingt.

1974: Im Konflikt mit Griechenland um die Vorherrschaft in der Ägäis marschiert die Türkei in Zypern ein und besetzt den Nordteil der Insel. 1983 wird dort die "Türkische Republik Nordzypern" proklamiert, die lediglich von der Regierung in Ankara anerkannt wird.

1980: Dritter Staatsstreich durch das Militär. Das Parlament wird aufgelöst; die politischen Parteien werden verboten, führende Politiker festgenommen.

1984: Beginn des Aufstandes der Rebellen der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), der bis heute andauert und in dessen Verlauf mehr als 40.000 Menschen getötet werden.

1990/1991: Die Türkei beteiligt sich an der Militärkoalition zur Vertreibung der irakischen Streitkräfte aus Kuwait.

1997: Das türkische Militär greift erneut ein und zwingt den islamistischen Ministerpräsidenten Necmettin Erbakan zum Rücktritt. Seine Refah-Partei wird aufgelöst.

1999: Ein türkisches Kommando nimmt in Kenia PKK-Chef Abdullah Öcalan gefangen.

2002: Die Türkei leitet demokratische Reformen ein, darunter die Abschaffung der Todesstrafe, um den Anforderungen der Europäischen Union für eine Mitgliedschaft zu entsprechen. Die islamisch-konservative AK-Partei von Recep Tayyip Erdogan gewinnt die Wahlen, ein Jahr später wird Erdogan Regierungschef.

2005: Beginn der Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union.

2007: Erdogans Partei setzt die Wahl des AKP-Politikers Abdullah Gül zum Präsidenten durch; damit steht erstmals ein Vertreter aus der islamischen Bewegung an der Spitze der gemäß Verfassung laizistischen Türkei.

2010: Schweres Zerwürfnis mit Israel nach der Erstürmung einer Gaza-Hilfsflotte durch israelische Soldaten und der Tötung von zehn türkischen Aktivisten.

2012: Kampagne der Regierung Erdogan gegen hunderte Militärangehörige. Unter dem Vorwurf, als Teil eines geheimen Netzwerks namens Ergenekon einen Umsturz zu planen, wird zahlreichen Offizieren der Prozess gemacht.

2013: Beispiellose landesweite Protestwelle gegen die Regierung im Mai und Juni. Die Proteste werden blutig niedergeschlagen.

2014: Erdogan will in der Türkei ein Präsidialsystem errichten, das ihm größte Machtbefugnisse einräumt. Im August wird er erstmals in einer Direktwahl zum Staatschef gewählt.

2015: Widerstrebend schließt sich die Türkei der internationalen Militärkoalition zur Bekämpfung der radikalsunnitischen Dschihadistenorganisation Islamischer Staat (IS) an. Im Oktober wird Ankara vom schwersten Anschlag in der türkischen Geschichte erschüttert, bei dem mehr als hundert Menschen getötet werden. Die türkische Führung macht dafür den IS verantwortlich; es folgt eine Serie weiterer Anschläge.

2016: Am Abend des 15. Juli putscht eine Gruppe von Militärs und verkündet die Machtübernahme in der Türkei. Am Tag darauf erklärt die Regierung den Putsch für gescheitert, mehr als 260 Menschen werden im Zuge der Gefechte getötet.

Quelle: n-tv.de, wne/AFP

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