Politik

Kriegsverbrechen in Afghanistan? "Widerlicher" Tweet empört Australien

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Australiens Premier Morrison berief umgehend eine Pressekonferenz ein.

(Foto: imago images/AAP)

Seit knapp zwei Wochen diskutiert Australien über mögliche Kriegsverbrechen eigener Soldaten in Afghanistan. In die angespannte Atmosphäre platzt nun ein anklagender Tweet aus China, der für wütende Reaktionen sorgt.

Die australische Regierung reagiert empört auf Vorwürfe aus China, wonach Soldaten des Landes Kriegsverbrechen in Afghanistan begangen haben sollen. Premierminister Scott Morrison berief umgehend eine Pressekonferenz ein und verlangte von Peking, den "widerlichen" Eintrag auf Twitter zu löschen. Der Sprecher des Außenministeriums Zhao Lijian hatte eine Fotomontage gepostet, die einen grinsenden australischen Soldaten zeigt, der einem afghanischen, verhüllten Kind die Kehle durchschneidet. Darunter heißt es: "Fürchtet euch nicht, wir bringen euch Frieden!"

Einem Bericht des "Guardians" zufolge bezog sich Zhao auf eine vierjährige Untersuchung über angebliche australische Kriegsverbrechen in Afghanistan, den sogenannten Brereton-Bericht. Zhao schrieb demnach dazu, er sei "vom Mord an afghanischen Zivilisten und Gefangenen durch australische Soldaten geschockt". Bis zum Mittag deutscher Zeit war der Tweet noch abrufbar.

Im Brereton-Bericht werden australischen Truppen detailliert Dutzende Kriegsverbrechen vorgeworfen. Laut dem "Guardian" werden darin "glaubhafte Beweise" für 39 Morde zwischen 2007 und 2013 angeführt, teils fehlten aber auch Einzelheiten vollständig. Darin würden auch zwei 14-jährige Jungen erwähnt, denen australische Soldaten die Kehle durchgeschnitten haben sollen. Die Untersuchung war durch eine unabhängige Kommission im Auftrag der australischen Streitkräfte erstellt worden. Der Bericht hatte im Land bereits für Empörung und Diskussionen über die eigenen Soldaten geführt.

Was China damit bezwecken könnte

Dennoch lehnten zahlreiche australische Politiker den Tweet des chinesischen Außenamtssprechers entschieden ab. Der Senator Rex Patrick rief die Regierung dazu auf, zwei Drittel der 143 chinesischen Diplomaten im Land auszuweisen. Er sprach von einem "groben, beleidigenden Angriff". Eine Ausweisung von Diplomaten würde eine klare Botschaft nach Peking senden.

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Die außenpolitische Sprecherin der Labour-Partei, Penny Wong, wies die Vorwürfe ebenfalls als "überflüssig, aufwiegelnd und beleidigend" zurück. So handele "keine verantwortungsvolle, reife internationale Macht". Der Brereton-Bericht habe Australien erschreckt, aber: "Was uns unterscheidet, ist die würdige, transparente und verantwortliche Art unserer Antwort darauf." Weitere Politiker warfen dem Chinesen Heuchelei vor, angesichts von Vorwürfen, China verletzte gegenüber den Uiguren selbst Menschenrechte.

Der chinesische Außenamtssprecher Zhao hat schön öfter für ähnliche Kontroversen gesorgt. So warf er etwa den USA vor, für die Corona-Pandemie verantwortlich zu sein. Dem "Guardian" sagte die China-Expertin Natasha Kassam vom Lowy Institute, einem Thinktank in Sydney, die Vorwürfe Zhaos spiegelten nicht unbedingt die tatsächliche Haltung Pekings wider. Die Regierung dringe aber darauf, auf Menschenrechtsverletzungen im Ausland aufmerksam zu machen, um Kritik an den Verhältnissen in China als heuchlerisch darstellen zu können.

Quelle: ntv.de, vpe

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