Politik

Das "Όχι" als Akt des Widerstands Wie Tsipras und Syriza ihr "Nein" überhöhen

2015-07-03T210016Z_1297738105_LR2EB731MC6OW_RTRMADP_3_EUROZONE-GREECE.JPG3493349276239628640.jpg

Alexis Tsipras stellt die Nation vor eine Schicksalsentscheidung - und nimmt dabei Anleihen aus der Vergangenheit.

(Foto: REUTERS)

Finanzminister Varoufakis spricht von Terror, Ministerpräsident Tsipras von Widerstand. Wenn die Griechen am Sonntag abstimmen, sollen sie nach dem Willen der Regierung mit einem "stolzen Nein" votieren - wie damals gegen die Faschisten.

Wenn ein Grieche Nein sagt, schüttelt er nicht den Kopf - er wirft ihn in den Nacken. Diese Geste gibt der Ablehnung etwas Nachdrückliches, Bestimmtes, ja Stolzes. Und wer am Freitagabend in Athen erlebt hat, wie 25.000 Menschen auf dem Syntagmaplatz vor dem Parlament Europa ihr Nein entgegengeschrien haben, der weiß, dass das kein Klischee ist. Sagt ein Grieche hingegen Ja, senkt er leicht den Kopf. Das wiederum hat einen Hauch von Demut. An diesem Sonntag nun stehen 9,8 Millionen wahlberechtigte Griechen vor einer Frage, die sie mit "ναι ή οχι", mit Ja oder Nein, beantworten sollen.

Darüber stimmen die Griechen ab

"Muss der Entwurf einer Vereinbarung von Europäischer Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds akzeptiert werden, welcher am 25.06.2015 eingereicht wurde und aus zwei Teilen besteht, die in einem einzigen Vorschlag zusammengefasst sind?" So ist die Referendumsfrage auf den Abstimmungsunterlagen formuliert. Verwiesen wird darin auf zwei Dokumente der "Institutionen", welche die Liste der Reformen und eine Analyse zur Tragfähigkeit der griechischen Schulden enthalten.

Im Kern geht es darum, ob das Land das zuletzt von den Geldgebern der Europäischen Union gemachte Angebot über neue Milliardenhilfen gegen Spar- und Reformauflagen annimmt. Oder eben nicht. Und das ungeachtet der Tatsache, dass dieses Angebot gar nicht mehr steht. Zudem ist die Frage auf den Stimmzetteln derart verquast gestellt, dass der griechische Karikaturist Arkas in der linksliberalen Tageszeitung "To Ethnos" das so persiflierte: "Wie hoch ist das Pro-Kopf-Einkommen der Einwohner Ugandas? Ja oder nein?"

"Tag des Neins"

Abseits dieses humoristischen Aspekts wirbt die Regierung von Ministerpräsident Alexis Tsipras für "ein stolzes Nein" gegen das, wie er sagt, Spardiktat der EU - und weiß ganz genau, dass er damit eine historische Parallele bemüht, die ihm die Gegner des Referendums durchaus übelnehmen. Das Plebiszit soll nämlich Erinnerungen an das positiv besetzte "Όχι" wecken, mit dem die Regierung des Diktators und Generals Ioannis Metaxas 1940 ein Ultimatum des faschistischen Italiens zur Besetzung des Landes zurückwies.

Der griechische Nationalfeiertag am 28. Oktober, der "Tag des Neins", erinnert an diesen Akt des Widerstandes. Um drei Uhr in der Früh hatte der italienische Duce Benito Mussolini, ein Jahr nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, seinen Botschafter Emanuele Grazzi beauftragt, Metaxas zu wecken und ihn zu erpressen. Italien forderte "zu seiner Sicherheit" Stützpunkte und andere strategisch wichtige Orte in Griechenland besetzen zu dürfen. Die Antwort kam prompt und noch vor sechs Uhr morgens. Metaxas lehnte das Ultimatum entschieden ab und sagte mit bewegter, aber fester Stimme auf Französisch: "Alors, c’est la guerre" - "Nun, dann ist Krieg". Es war in der Tat ein stolzes Nein der freiheitsliebenden Griechen.

An diese Tradition würde die Syriza-Regierung am Sonntag liebend gerne anknüpfen, um dann, so die Intention, gestärkt in die Verhandlungen mit den Gläubigern zu gehen. Yanis Varoufakis, der Finanzminister, sprach noch an diesem Wochenende in einem Interview mit der spanischen Zeitung "El Mundo" erneut davon, dass Griechenland sich gegen seine Gläubiger wehren müsse. "Warum haben sie uns dazu gezwungen, die Banken zu schließen? Um den Menschen Angst einzuflößen. Und wenn solch ein Schrecken verbreitet wird, dann nennt man dieses Phänomen Terror." Auf dem Stimmzettel steht das "Όχι" ganz oben.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema