Politik

Krieg in der Golf-RegionWie die Luftschläge den Iran treffen

01.03.2026, 21:32 Uhr
imageVon Martin Morcinek
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Dunkler Qualm am Himmel über Teheran: "Wir werden ihre Raketen zerstören." (Foto: via REUTERS)

"Brüllender Löwe" und "Gewaltiger Zorn": Seit Samstag überziehen die USA und Israel den Iran mit großangelegten Angriffen aus der Luft. Wo liegen die Ziele der israelisch-amerikanischen Militärkoalition? Wo schlägt der Iran zurück? Die Übersicht in aktuellen Lagekarten.

Offener Krieg am Persischen Golf: Mit koordinierten Großangriffen aus der Luft haben die USA und Israel umfangreiche Militäroperationen gegen den Iran gestartet. Seit dem Morgen des 28. Februars attackieren das israelische Militär und die in der Region aufgefahrenen US-Streitkräfte den Machtapparat des Mullah-Regimes.

Kurz nach Beginn melden Beobachter schwere Explosionen, nicht nur in Teheran. In der iranischen Hauptstadt selbst schlagen mehrere bunkerbrechende Geschosse in der Residenz des Religionsführers Ajatollah Ali Chamenei ein. Das Staatsoberhaupt kommt ums Leben. Iranische Staatsmedien bestätigen zudem Luftangriffe in mehr als einem Dutzend weiterer Städte. Wie stellt sich die Lage nach den ersten beiden Kriegstagen auf der Karte dar?

"Unser Ziel ist es, das amerikanische Volk zu verteidigen, indem wir unmittelbare Bedrohungen durch das iranische Regime eliminieren, einer bösartigen Gruppe von sehr harten und schrecklichen Leuten", erklärte US-Präsident Donald Trump. Der israelische Verteidigungsminister sprach von einem "Präventivschlag".

In Israel läuft die Militäroperation gegen den Iran unter dem Namen "Brüllender Löwe". Das US-Militär bezeichnet den Angriff auf den Iran nach Angaben von US-Verteidigungsminister Pete Hegseth "Operation Epic Fury", zu deutsch etwa "Operation gewaltige Wut".

Das iranische Militär kündigte umgehend Vergeltungsschläge an. Wenige Stunden nach dem Großangriff stiegen im Iran bereits erste ballistische Raketen auf. Die iranischen Revolutionsgarden setzen zudem Kampfdrohnen ein. Ziel der iranischen Gegenangriffe ist neben den bekannten US-Militärbasen in der Golfregion vor allem Israel. Das Land befindet sich seit Beginn der Angriffe im Ausnahmezustand.

Der Luftraum in der Region ist für den zivilen Flugverkehr geschlossen. Mit Sirenen und SMS warnen israelische Behörden Anwohner vor anfliegenden iranischen Raketen. An verschiedenen Orten in Israel drangen iranische Raketen durch die israelische Luftabwehr. Es gibt Tote und Verletzte. Explosionen, Brände und Luftalarm werden auch aus Kuwait, Bahrain, Katar, Saudi-Arabien und Dubai gemeldet.

Die iranischen Revolutionsgarden sprechen von einer "Antwort auf die Aggression des feindlichen und verbrecherischen Gegners". Durch die israelisch-amerikanischen Luftangriffe wurden neben Chamenei mehrere einflussreiche Führungspersönlichkeiten der iranischen Staatsspitze getötet.

Für Israel geht es bei dem Angriff darum, die Bedrohung durch das iranische Regime auszuschalten. Das Land verfügt nicht nur über ein überaus umfangreiches Arsenal an ballistischen Mittelstreckenraketen, sondern strebt mit seinem umstrittenen Atomprogramm offenbar auch die Entwicklung eigener Atomwaffen an. Die Auslöschung Israels ist im Iran offiziell Staatsziel.

Die USA und Israel waren erst vergangenen Sommer militärisch gegen den Iran vorgegangen. Unter der martialischen US-Bezeichnung "Mitternachtshammer" galten die US-Angriffe vor allem den verbunkerten iranischen Atomanlagen wie etwa am Standort Fordo.

In Israel liefen die Luftangriffe gegen den Iran während des zwölftägigen Krieges im vergangenen Juni unter der Bezeichnung "Rising Lion" (etwa: "sich erhebender Löwe"). Damals war es anscheinend nicht gelungen, die militärische Schlagkraft des Iran entscheidend zu schwächen.

Diesmal wollen die USA und Israel offenbar mehr erreichen. "Wir werden ihre Raketen zerstören und ihre Raketenindustrie dem Boden gleichmachen", kündigte US-Präsident Trump an. Israels Premierminister Benjamin Netanjahu rief die iranische Bevölkerung dazu auf, sich gegen das Regime zu erheben. Das israelische Militär geht davon aus, dass der Iran über mehr als 2500 ballistische Raketen verfügt, teils gut geschützt in unterirdischen Anlagen.

Am Sonntag, dem zweiten Tag des neuen Krieges, erklärte das israelische Militär die vollständige Kontrolle des iranischen Luftraums zum Ziel. Der Großteil der Luftabwehrsysteme im Westen und Zentrum des Landes sei bereits ausgeschaltet, der "Weg nach Teheran" damit frei. Es gebe noch viele Ziele im Iran, erklärte ein israelischer Militärsprecher, darunter auch Stätten der Rüstungsproduktion. "Wir haben die Fähigkeiten und die Ziele, um so lange wie nötig weiterzumachen."

Quelle: ntv.de, mit Material von AFP, dpa, rts

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