Politik

"Hart aber fair" zu Flüchtlingen "Wir stehen vor historischer Herausforderung"

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Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine erreichen Berlin.

(Foto: IMAGO/Jens Schicke)

2,8 Millionen Menschen aus der Ukraine haben das Land verlassen, rund 147.000 haben sich in Deutschland registriert. Die meisten von ihnen kommen in Berlin an. Sozialsenatorin Kipping schildert die Lage in der Hauptstadt bei "Hart aber fair".

In der Ukraine ist die Lage für viele Zivilisten aussichtslos. Immer mehr Menschen fliehen vor dem Krieg. Allein in Deutschland wurden bis Montagmittag knapp 147.000 Flüchtlinge registriert, in ganz Europa mehr als 2,8 Millionen. Ihre tatsächliche Zahl dürfte jedoch deutlich höher sein, da Menschen aus der Ukraine kein Visum brauchen, um in die EU einzureisen. Geflüchtete müssen sich jedoch registrieren, wenn sie finanzielle Unterstützung brauchen.

Über die Herausforderungen, die auf die Gesellschaft durch die Geflüchteten zukommen, und darüber, wie man ihnen im Moment helfen kann, geht es am Montagabend bei "Hart aber fair" in der ARD.

"Zu nichts niemals sagen"

Alle diplomatischen Vermittlungsversuche sind bisher erfolglos geblieben. Dennoch sagt SPD-Chefin Saskia Esken bei "Hart aber fair": "Wir werden alles dazu tun, um diesen Konflikt so schnell wie möglich zu beenden. Wir müssen dafür sorgen, dass diese Brutalität nicht weitergeht." Die Frage des Moderators, ob trotzdem auch weiterhin keine NATO-Soldaten in der Ukraine eingesetzt werden, beantwortet Esken vielsagend: "Ich glaube, dass wir in einer Situation angekommen sind, wo wir zu nichts niemals sagen sollten. Wir können nicht wissen, wie sich die Situation weiter entwickeln wird."

Genauso unklar ist, wie sich die Zahl der Flüchtlinge in Deutschland entwickeln wird. Sicher ist nur: Sie wird steigen. Katja Kipping von den Linken ist Sozialsenatorin in Berlin. Die Hauptstadt ist im Moment zum Dreh- und Angelpunkt für Menschen geworden, die aus der Ukraine in Deutschland ankommen. Das sei ihr schon einen Tag nach Beginn des Krieges klar gewesen, sagt Kipping. "Berlin muss jetzt die Herzen und Arme öffnen und für Flüchtlinge da sein", sei ihr Gedanke gewesen. "Also habe ich entschieden, dass die Flüchtlinge bei uns im Ankunftszentrum alle aufgenommen werden und dass wir sofort auf die Suche nach Unterkünften gehen." Viele Freiwillige, aber auch ihre Mitarbeiter in der Verwaltung, seien seit Beginn des Krieges in der Ukraine rund um die Uhr im Einsatz. "Aber wir wissen auch: Das ist erst der Anfang", sagt Kipping.

"Immer mehr pflegebedürftige Menschen"

Sie habe eine Veränderung bei den Geflüchteten wahrgenommen, erzählt Kipping. Zu Beginn des Krieges seien Flüchtlinge angekommen, deren erstes Ziel gewesen sei, in Deutschland zu arbeiten. "Jetzt merken wir, dass immer mehr verletzbare, gefährdete Gruppen ankommen." Sie berichtet von einem ganzen Bus mit gehörlosen Menschen, die aus einem Heim geflohen seien. "Die Menschen brauchen als erstes ein Bett und was zu essen. Aber wir merken auch, dass wir zusätzlich weitere Bedarfe schaffen müssen." So hätten für die gehörlosen Menschen Gebärdendolmetscher gefunden werden müssen.

Viele Menschen haben jedoch auch individuelle Probleme, sagt Kipping. So kommen viele Familien aus der Ukraine, die Haustiere mitbringen. Schon der Käfig für den Hasen eines Kindes könne ein Problem darstellen. "Da gibt es unglaublich viel zu bedenken", so die Politikerin. "umso begeisterter bin ich, dass sich viele Menschen in Berlin von ihrer besten Seite gezeigt haben."

Mit seiner Hilfsbereitschaft habe Berlin einen Weckruf an die anderen Bundesländer geschickt. "Ich bin froh, dass der erhört worden ist", sagt Kipping. Sie habe Briefe von vielen Gemeinden bekommen, die sich auf Flüchtlinge eingestellt haben und jetzt fragen, wann die endlich kämen.

Kipping appelliert an Bundesbürger

Doch was die Aufnahme von Ukraineflüchtlingen angeht, stehen wir ganz am Anfang. Das weiß auch Katja Kipping. Sie sagt: "Wir stehen vor einer historischen Herausforderung." Und in dieser Situation müsse sich jeder fragen, ob er mit anderen Probleme lösen oder sie genüsslich auswälzen wolle. "Je mehr Menschen sich für das 'Team lösungsorientiert' entscheiden, desto leichter stemmen wir die Aufgaben, die jetzt vor uns liegen."

Quelle: ntv.de

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