Politik

Frauen protestieren in Türkei "Wir werden nicht schweigen!"

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In Istanbul machten die Demonstrantinnen deutlich: "Wir werden nicht nachgeben!"

(Foto: AP)

Der türkische Präsident Erdogan kündigt an, aus der internationalen Konvention gegen Gewalt an Frauen auszutreten. Die Empörung ist gewaltig. Erneut gehen Hunderte Türkinnen auf die Straße, um für ihre Rechte zu kämpfen. Ein neuer Femizid facht die Proteste zusätzlich an.

Hunderte Frauen haben in der Türkei erneut gegen den von Präsident Recep Tayyip Erdogan verfügten Austritt aus der internationalen Konvention gegen Gewalt an Frauen protestiert. Unter anderem zogen in Istanbul Hunderte Frauen durch die Straßen und skandierten immer wieder: "Wir haben keine Angst, wir werden nicht schweigen, wir werden nicht nachgeben!" Auch in der Hauptstadt Ankara kam es zu neuen Protesten.

Angefacht wurden diese von einem neuen mutmaßlichen Femizid: Eine 17-jährige Schwangere wurde in der Provinz Izmir erstochen, Medienberichten zufolge gilt als Tatverdächtiger der Mann, mit dem sie zusammenlebte.

Der Rückzug aus der Istanbul-Konvention gegen Gewalt an Frauen war am vergangenen Wochenende durch ein Präsidial-Dekret Erdogans bekannt gegeben worden. Der Präsident kam mit seiner Entscheidung konservativen und islamistischen Kreisen entgegen. Diese hatten den Austritt mit der Begründung gefordert, die Übereinkunft schade der Einheit der Familie und fördere Scheidungen sowie Homosexualität.

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Neben heftigen Protesten innerhalb der Türkei wurde der Austritt auch im Ausland scharf kritisiert, unter anderem äußerte die Bundesregierung ihr Befremden und forderte eine Rücknahme der Entscheidung. Erdogan verteidigte den Austritt aus dem Abkommen gegen Kritik. "Das ist keine Entscheidung, die das Parlament trifft. Die Opposition hat keine Ahnung davon", sagte Erdogan am Freitag. Der Schritt sei "völlig legal". "Wir haben unsere Entscheidung getroffen. Wir können beitreten aber genauso gut wieder austreten."

Die Istanbul-Konvention des Europarats ist das weltweit erste verbindliche Abkommen dieser Art. Die Unterzeichner, darunter Deutschland, verpflichten sich, Frauen und Mädchen durch strafrechtliche Verfolgung der Täter besser vor Gewalt zu schützen - sei es zu Hause oder anderswo. Als "Gewalt" gilt dabei laut Abkommen nicht nur physische Gewalt, sondern auch geschlechtsspezifische Diskriminierung, Einschüchterung oder wirtschaftliche Ausbeutung.

Quelle: ntv.de, chf/dpa/AFP

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