Politik

Außenamt befürchtet deutsche Tote Zahl der Opfer in Tunesien steigt

Die tunesischen Behörden gehen mittlerweile von mindestens 37 Opfern bei einem Anschlag auf ein Urlaubshotel aus. Darunter sollen auch Deutsche sein. Mittlerweile befürchtet dies auch das Auswärtige Amt. Es richtet einen Krisenstab ein. Auch Reiseanbieter reagieren.

Nach der Terrorattacke in einem tunesischen Strandhotel ist die Zahl der Todesopfer auf 37 gestiegen. Das berichtete der tunesische Radiosender Mosaique FM unter Berufung auf das Gesundheitsministerium. Die Zahl der Verletzten wurde mit 36 angegeben. Einige schwebten in Lebensgefahr.

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Die Angreifer kamen von der Seeseite und drangen bis zum Hotel vor.

(Foto: REUTERS)

Das Auswärtige Amt in Berlin befürchtet mittlerweile, dass unter den Toten auch Deutsche sind. "Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass deutsche Staatsangehörige Opfer des Anschlags geworden sind", sagte ein Ministeriumssprecher."Wir müssen damit rechnen, dass es noch einige Zeit dauern wird, bis das geklärt ist."

Zuvor hatte bereits das tunesische Gesundheitsministerium mitgeteilt, dass unter den Opfern mehrere Deutsche seien. Die BBC berichtete unter Verweis auf den britischen Außenminister Peter Hammond, dass mindestens fünf Menschen aus Großbritannien unter den Toten seien. Es wurde jedoch damit gerechnet, dass diese Zahl noch steigt. Eine Tote stammt aus Irland.

Viele Urlauber reisen ab

Mehrere Reisekonzerne reagierten mittlerweile auf den Anschlag und stoppten ihre Reisen nach Tunesien. Der Reiseanbieter Tui teilte mit, dass eigene Kunden unter den Opfern sein könnten. Das Unternehmen richtete unter +49/(0)511/567 8000 eine kostenlose Kundenhotline ein. Ein Großteil der ausländischen Hotelgäste entschied sich für eine schnelle Abreise. "Die meisten ausländischen Überlebenden haben es vorgezogen abzureisen, wir koordinieren das mit ihren Reisebüros", sagte Salwa al-Kadri, die als lokale Reiseführerin in dem betroffenen Hotel arbeitet. "Jeder hier steht immer noch unter Schock."

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Sicherheitskräfte verhaften nach dem Anschlag einen Verdächtigen.

(Foto: REUTERS)

Nach ersten Informationen und Augenzeugenberichten hatte ein Terrorist in der Nähe der Stadt Sousse auf Urlauber an einem Hotelstrand und einem Pool geschossen. Berichte lokaler Medien, wonach auch Handgranaten gezündet worden sein sollen, wurden von offizieller Seite zunächst nicht bestätigt. Der Mann sei nach dem "Terroranschlag" selbst getötet worden, teilte das Innenministerium mit.

Nach Angaben von Sicherheitsstaatssekretär Rafik Chelly handelt es sich bei dem mutmaßlichen Täter um einen Studenten, der seine Waffe in einem Sonnenschirm versteckte. Er sei bisher nicht polizeibekannt und stamme aus der Region von Kairouan, der vierten heiligen Stätte des Islam. Entgegen ersten Angaben gab es wohl nur einen Attentäter. Ein Sprecher des Innenministeriums in Tunesien sagte, es gebe "keine offiziellen Verhaftungen" von weiteren Tatverdächtigen.

Hotline des Außenamtes

Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilte den Terroranschlag auf das "Allerschärfste". "Erneut ist die junge tunesische Demokratie zur Zielscheibe derjenigen geworden, die Chaos und Hass säen wollen", heißt es in einem Kondolenzschreiben an den tunesischen Präsidenten Beji Caid Essebsi. Das Auswärtige Amt richtete einen Krisenstab ein. Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte: "Das ganze Ausmaß der Tat steht noch nicht fest." Tunesien brauche Unterstützung im Kampf gegen den Terrorismus.

Nach Angaben des Außenministeriums bemüht sich die deutsche Botschaft in Tunis "mit Hochdruck" um Aufklärung. Ein Team der Botschaft erreichte den Anschlagsort im Badeort Sousse, etwa 120 Kilometer von Tunis entfernt. Zudem richtete das Auswärtige Amt unter der Telefonnummer 030/5000 3000 eine Hotline ein. Die deutsche Botschaft riet allen Staatsbürger in einer per E-Mail versandten Mitteilung, die Umgebung des von tunesischen Sicherheitskräften abgeriegelten Tatorts zu meiden.

Erst im März waren in Tunesien bei einem Terrorangriff auf das berühmte Bardo-Museum in der Hauptstadt mehr als 20 Menschen getötet worden. Dschihadisten haben bereits seit Wochen Terroranschläge im Fastenmonat Ramadan angekündigt. In Tunesien sind sowohl Anhänger des Terrornetzwerk Al-Kaida als auch der IS-Miliz aktiv.

Quelle: ntv.de, mli/dpa/AFP/rts