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Konflikt im Nahen Osten Zwei Mächte spielen mit dem Feuer

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Eine US-Aufklärungsdrohne vom Typ "Global Hawk" wurde abgeschossen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Im Konflikt zwischen dem Iran und den USA glauben beide Seiten, dass sie nur genügend Druck machen müssen, dann werde der andere schon einknicken. Das könnte eine Fehleinschätzung mit fatalen Folgen sein.

Die Eilmeldung kam um 5.40 Uhr: "Irans Revolutionsgarden schießen US-Drohne ab". Die staatliche Nachrichtenagentur Irans hatte über den Abschuss informiert, die "Global Hawk"-Drohne habe sich über iranischem Gebiet befunden. Der Widerspruch aus den USA folgte wenige Stunden später. Die Überwachungsdrohne der Marine habe sich "im internationalen Luftraum" befunden, sagte das Verteidigungsministerium und verurteilte den Abschuss als nicht provozierten Angriff. "Iran hat einen sehr großen Fehler gemacht", twitterte US-Präsident Donald Trump. Seitdem steht Aussage gegen Aussage.

Doch schon jetzt ist klar: Viele Ereignisse dieser Art werden nicht mehr passieren, bevor der Konflikt eskaliert. "Zwar behaupten beide Seiten, dass sie keinen Krieg wollen", erklärt Cornelius Adebahr, Iran-Experte der Deutschen Gesellschaft für Ausländische Politik, im Gespräch mit n-tv.de, "aber beide Seiten unternehmen auch nichts, um ihn in letzter Konsequenz zu verhindern. Und das ist die Gefahr, dass man auf diese Weise in einen Krieg hineinschlittert. Mit jedem dieser Vorfälle steigt sie."

Jeder Teil-Schritt in der Eskalationsspirale der letzten Tage hat vor allem einer Gruppe genutzt: den Hardlinern im Iran. Denn für sie gibt es keine Alternative zur Strategie der Konfrontation, sie können Iran nur in der Rolle des Akteurs denken. Aus dieser Sicht war der jüngste Angriff auf die beiden Tanker im Golf von Oman maximal erfolgreich: Womöglich wird sich nie zweifelsfrei feststellen lassen, wer für den Angriff verantwortlich ist. Gleichzeitig könnte Teheran von dem Signal profitieren, das die brennenden Tanker aussandten: Wer den Iran daran hindert mit Öl zu handeln, wird in Zukunft auch nicht mehr ungestört das Öl von anderen kaufen können.

Ebenso positiv können die Hardliner das bewerten, was bei den übrigen Beteiligten für Ratlosigkeit sorgt: dass US-Präsident Donald Trump sich öffentlich zuletzt gemäßigt gab, anders als sein Sicherheitsberater John Bolton bislang. Bolton hatte mehrfach in der Vergangenheit Militärschläge gegen den Iran befürwortet, einen Wechsel des Regimes zum Ziel erklärt. In Teheran waren daher auch gemäßigte Stimmen laut geworden, die davor warnten, den USA einen Anlass für Angriffe zu bieten.

"Das Austesten von Grenzen gehört zur iranischen Strategie"

Trump hingegen sagte gestern zum Wahlkampfauftakt gar nichts über die Konfrontation im Golf und den Angriff auf die Tanker. Kurz zuvor hatte der Präsident in einem Interview erklärt, die Vorfälle dort seien "sehr unbedeutend". "Die Überraschung teilen wir alle, dass er plötzlich diese Tankervorfälle als gering betrachtet", sagt Cornelius Adebahr. "Das macht es nicht einfacher, auch für die europäischen Verbündeten, klar zu wissen, woran sie sind." Doch was für die Partner schwierig ist, könnte dem Gegner durchaus nützen.

Dem Iran könnte die unklare US-Position signalisieren, dass da noch was geht. Offenbar ist mehr an Konfrontation möglich, als man gemäß der Aussagen von John Bolton bislang annehmen konnte. "Die Amerikaner haben gesagt, so etwas kann nicht unbeantwortet bleiben, doch am Ende bleibt es unbeantwortet. Wenn rote Linien plötzlich nicht mehr wahrgenommen werden, dann könnten die Iraner einen Schritt weiter gehen in ihrer Expansion in der Region", schätzt Adebahr ein. "Das Austesten von Grenzen gehört zur iranischen Strategie".

Eine Strategie, die mit hohem Risiko spielt. Denn der Iran und die USA kommen sich in der Region an vielen Orten gefährlich nahe - ob im Jemen-Konflikt, in dem die von Iran unterstützten Huthi-Rebellen gegen den US-Verbündeten Saudi-Arabien kämpfen oder im Konflikt zwischen Israel und der iranfreundlichen Hisbollah. Die 1000 zusätzlichen Soldaten, die das US-Verteidigungsministerium im Nahen Osten stationieren will, werden die Zahl der Orte weiter erhöhen, wo sich beide Gegner gegenüberstehen.

Volker Perthes, Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik, sieht inzwischen eine enorme Gefahr, dass die Eskalation außer Kontrolle gerät. Ein Einzelereignis könnte aus seiner Sicht ausreichen, wie er im "Handelsblatt" beschreibt: "Stellen Sie sich vor, ein iranisches Schnellboot rast aus Provokation mit hoher Geschwindigkeit auf ein amerikanisches Kriegsschiff zu. Kein amerikanischer Kapitän wird in der explosiven Lage sagen: Schauen wir mal, wie weit sie sich herantrauen. Er wird vorher reagieren, und dann ist die Lage nur noch schwer zu kontrollieren."

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Quelle: n-tv.de

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