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Ehrung für Greta Bitte keinen "echten" Friedensnobelpreis!

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Dürfte noch einen längeren Weg vor sich haben: Greta Thunberg.

(Foto: imago images/TT)

Nach dem Alternativen Nobelpreis könnte Greta Thunberg auch noch eine weitaus höhere Auszeichnung bekommen. Das wäre keine gute Idee.

Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg wird mit dem Alternativen Friedensnobelpreis geehrt. Für die 16-Jährige ist der "Right Livelihood Award", wie der Preis offiziell heißt, die bisher höchste internationale Auszeichnung für ihr Engagement gegen den menschengemachten Klimawandel. Bereits im Februar wurde sie neben 222 anderen Einzelpersonen für den "echten" Friedensnobelpreis nominiert und hat gute Chancen, ihn auch zu bekommen. Das wäre jedoch aus mehreren Gründen das völlig falsche Signal.

Denn es ist zu einer Unart geworden, derart hohe Auszeichnungen als Vorschusslorbeeren zu verleihen. 2009 erhielt der damalige US-Präsident Barack Obama nach gerade einmal neun Monaten im Amt den Friedensnobelpreis "für seine außergewöhnlichen Bemühungen, die internationale Diplomatie und die Zusammenarbeit zwischen den Völkern zu stärken". Sein Handeln wurde danach an diesem Preis gemessen. Die Erwartungen an ihn, der Welt Frieden zu bringen, wuchsen schier ins Unermessliche. Wurde Obama zum Friedensengel? Nein. Er schaffte es nicht, Guantanamo zu schließen, unter seiner Ägide versank Afghanistan im Chaos und er überließ das Töten ferngesteuerten Drohnen und setzte auf Luftangriffe, denen viele Zivilisten zum Opfer fielen. Seine Auszeichnung wirkt in dieser Hinsicht wie eine Farce.

Greta Thunberg leistet ohne Frage ein beispielloses Engagement. Vor etwas mehr als einem Jahr hat sie begonnen, freitags die Schule zu schwänzen und vor dem schwedischen Parlament zu protestieren. Daraus ist eine Bewegung geworden, der sich Millionen von jungen Menschen angeschlossen haben. Thunberg ist die Stimme einer Jugend, die sich zurecht um die Zukunft sorgen. Sie bringt das Thema des menschengemachten Klimawandels mit einem unbequemen Druck auf die Agenda. Ihre dramatischen Auftritte, ihr zum Teil religiös wirkender Duktus dürfen kritisiert werden - ebenso ihre kompromiss- und alternativlose Argumentation. Aber warum sollte sie bei einem Thema, das Milliarden Menschen, vor allem arme Menschen ohne laute Stimme, so kompromiss- und alternativlos betrifft, nicht besonders dick auftragen?

Wenn Argumente fehlen, wird es persönlich

Sie trifft damit einen Nerv. Das zeigt sich auch an den Reaktionen ihrer Kritiker in den überwiegend wohlhabenden Staaten. Thunbergs Bewegung scheint sie mit der unbehaglichen Konsequenz zu konfrontieren, den eigenen Lebensstil zu überdenken. Das führt zu Abwehrreflexen all jener, die noch in der Illusion leben, der Mensch trage nicht dazu bei, seine eigene Lebensgrundlage zu zerstören: Sie hacken auf ihrem Alter herum, auf ihrem Asperger-Syndrom, darauf, dass sie angeblich von ihren Eltern gelenkt wird. Die Art und Weise erinnert hierzulande an die alte Generation während der 68er-Bewegung, die den jungen Protest als Hippie-Zottel und Kiffer denunzierte und sich mit Händen und Füßen dagegen zu wehren schien, sich mit offensichtlichen Fehlern der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Man nennt diese Argumentation ad Hominem. Wenn Argumente fehlen, wird es eben persönlich.

Dieses Engagement ist zweifelsohne wertvoll. Die Auszeichnung mit dem Alternativen Nobelpreis ist völlig angemessen. Er wird verliehen für die "Gestaltung einer besseren Welt" und ging in der Vergangenheit mehrfach an vergleichsweise junge Menschen oder Organisationen, deren politische, gesellschaftliche oder ökologische Verdienste ein fortlaufender Prozess waren.

Der Friedensnobelpreis hingegen ist eine Auszeichnung für handfeste Verdienste, darum, Krieg auf der Welt zu verhindern. Ihn erhielten oft Menschen oder Organisationen für ihr politisches Lebenswerk. Dafür sollte er auch verliehen werden. Der Fall Obama zeigt, wie schädlich Vorschusslorbeeren in dieser Größenordnung sein können. Und für ihr Lebenswerk sollte Greta Thunberg nicht geehrt werden. Denn das hat sie ja hoffentlich noch vor sich.

Die TVNOW-Dokumentation "Greta Thunberg - wie eine 16-Jährige die Welt verändert" beleuchtet den Aufstieg der jungen Schwedin zur Ikone der Klimabewegung.

Quelle: n-tv.de

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