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Zeitgemäßeres Format nötig Die G7 führen die Welt nicht mehr

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Harmonische Bilder können nicht über die Differenzen zwischen den G7-Staaten hinwegtäuschen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Das Format der G7 hat sich überlebt. Zur Zeit ihrer Gründung waren es tatsächlich die Großen Sieben, die die Weltwirtschaft dominierten und den entscheidenden Einfluss hatten auf die politische Steuerung der Krisen dieses Planeten. Doch ist dies längst nicht mehr so.

Natürlich ist es auch weiterhin gut, sich einmal im Jahr zu treffen und die großen Dinge der Welt zu diskutieren. Vielleicht ist es noch ein Treffen der W7, der sieben westlichen Führungsnationen. Aber selbst dann - es ist kein Treffen der Gleichgesinnten mehr. Im vergangenen Jahr bekamen die Staats- und Regierungschefs noch eine gemeinsame Abschlusserklärung hin, von der sich US-Präsident Trump wenige Stunden später im Flugzeug zurück nach Washington jedoch distanzierte. Dieses Jahr einigte man sich schon im Vorfeld darauf, darauf zu verzichten - und konnte sich dann doch zu einem dürftigen, einseitigen Dokument durchringen.

Die G7 führen die Welt nicht mehr. Schlimmer noch: Sie driften auseinander. Der Westen driftet auseinander. Donald Trump hat mit seiner America-First-Politik vieles verändert. Die USA als westliche transatlantische Führungsnation gibt es nicht mehr. Trump behandelt die Europäische Union wie China und Russland. Nicht als Verbündete, sondern als Kontrahenten im globalen Wettbewerb der Interessen und Einfluss-Sphären.

Und Europa verharrt noch immer in der Schockstarre und ist nicht in der Lage, diese Herausforderung anzunehmen und als Chance politischer Emanzipation zu begreifen. Ganz im Gegenteil. Europa ist heillos zerstritten. Großbritannien wird mit großer Wahrscheinlichkeit aus der EU ausscheiden. Sollte es in Italien zu Neuwahlen kommen und Matteo Salvini daraus als Sieger hervorgehen, dürfte der Zersetzungsprozess weiter voranschreiten.

Zudem ist mit China längst ein globaler Player entstanden, der sich anschickt, die Weltmacht Nummer eins zu werden. Der tobende Handelskonflikt zwischen den USA und China ist auch ein Konflikt um die Vorherrschaft in der Welt. Ausgang ungewiss. Anstatt dies in den Mittelpunkt ihrer künftigen Strategie zu stellen, zerfasern sich die westlichen Führungsnationen in Detailfragen. Auch in Biarritz.

Zuallererst müssen USA und China an einen Tisch

Natürlich ist der Iran-Konflikt eine riesige Bedrohung. Nur ist dieser Konflikt wenig geeignet, als Machtspiel instrumentalisiert zu werden, indem Frankreichs Präsident Emmanuel Macron den Außenminister aus Teheran einfliegen lässt, um Trump zu brüskieren.

Die G7 - untereinander zerstritten und auseinanderdriftend - sind nicht mehr der Rahmen, den die Welt braucht, um Antworten auf die globalen politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen zu geben. Die Alternative G20 ist vielleicht eine Plattform, um auch die aufstrebenden Industrienationen aus Asien und Lateinamerika mit an den Tisch zu holen und deren Interessen besser zu verstehen, aber mehr auch nicht.

Die wirklich großen Mächte dieser Welt müssen ein neues, ein anderes, ein zeitgemäßeres Format finden. Zuallererst müssen die USA und China an einen Tisch … dazu Europa, wenn es denn schaffen sollte, irgendwann mit einer Stimme zu sprechen. Ein Rahmen, der sich anders als die heutigen G7 nicht auch als Wertebündnis versteht, sondern ein Rahmen der drei Gravitationszentren der globalen Architektur des 21. Jahrhunderts. 

Quelle: n-tv.de