Kommentare

Scholzomat und Co. Es kann nur eine geben

328CA000C9466CB7.jpg5503288736415389416.jpg

Feels like SPD spirit: Angela Merkel muss am Montag das Hamburger CDU-Ergebnis kommentieren.

(Foto: AP)

Die "Methode Merkel" ist zur Standardstrategie erfolgreicher Politiker geworden. Wer allerdings glaubt, für einen Wahlerfolg reicht es aus, die Kanzlerin zu kopieren, wird scheitern.

Man nennt ihn Scholzomat, und ursprünglich war das nicht als Kompliment gemeint: Mit "unaufgeregt und solide" ist Olaf Scholz gut beschrieben, mit diesen Eigenschaften war er bei der Wahl in Hamburg überaus erfolgreich. So viel Bedürfnis nach Ruhe war nie. Die meisten Deutschen - jedenfalls die, die noch zur Wahl gehen - lieben es, wenn Politiker die Politik verwalten. Und sie ansonsten in Ruhe lassen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat dieses Erfolgsrezept perfektioniert: Reformen mutet sie den Griechen zu, nicht den Deutschen. In kaum einer Rede vergisst sie, die Herausforderungen der Zukunft zu erwähnen - den demografischen Wandel, die Konkurrenz durch China, den Klimawandel. Am Ende weitet sie aber lieber die Mütterrente aus und lässt die sozialdemokratische Arbeitsministerin den Mindestlohn einführen.

Seit Jahren versucht SPD-Chef Sigmar Gabriel sich an einer Kopie der "Methode Merkel": unaufgeregte Politik, solides Abarbeiten des Koalitionsvertrags, möglichst kein Streit. Trotzdem kommen die Sozialdemokraten in den Umfragen nicht über den miesen Wert ihres Wahlergebnisses von 2013 hinaus.

Das liegt nicht nur daran, dass Gabriel am Ende doch nicht ganz so ruhig wirkt. Der Hauptgrund ist ein anderer: Wenn der Kern der Politik das Wegmoderieren von Herausforderungen ist, dann kann es nur einen geben, der diesen Job erledigt. In Hamburg ist es Scholz, im Bund ist es Merkel. Diese Stimmung begünstigt Protestparteien wie die AfD und Politiker wie Hamburgs FDP-Chefin Katja Suding, die auf Stil statt auf Inhalte setzen.

Das Hamburger Wahlergebnis zeigt, nicht zum ersten Mal: Gegen einen präsidialen Regierungschef kann man nicht gewinnen, wenn man eine Kopie ins Rennen schickt. Für die SPD ist dieser Befund deprimierend, zumal ihr in der Koalition mit der Union der Weg in den Krawall versperrt ist. Damit ist auch die Frage geklärt, wann die Sozialdemokraten wieder theoretische Chancen haben, einen Bundeskanzler zu stellen: Erst dann, wenn Merkel nicht mehr antritt.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema