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Historische Einigung in Nahost Die Nobelpreis-Nominierung hätte sich Trump verdient

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Trump bekommt Applaus für seinen Verhandlungserfolg.

(Foto: AP)

Man kann Trump für vieles kritisieren. Doch seine Vermittlung zwischen den Emiraten und Israel ist historisch. Das Format dieses Deals steht Friedensnobelpreis-gekrönten Einigungen der Vergangenheit in nichts nach.

Donald Trump dürfte sich angesichts der aktuellen Entwicklungen im Nahen Osten ernsthafte Hoffnungen auf den Friedensnobelpreis machen. Und was spricht eigentlich dagegen? Der US-Präsident hat nach eigenen Darstellungen den Deal - Israel und die Vereinigten Arabischen Emirate nehmen diplomatische Beziehungen auf - eingefädelt. Nichts daran ist falsch, diese Einigung als wirklich historisch zu bezeichnen. Und bei aller notwendigen Kritik am US-Präsidenten kann die oft abenteuerliche Methode Trumps hier eine positive Wirkung entfalten.

Israel und die Vereinigten Arabischen Emirate erkennen sich gegenseitig an, nehmen diplomatische Beziehungen auf. Die politische Normalisierung erleichtert den wirtschaftlichen Schwergewichten der Region Geschäftsbeziehungen und Investitionen. Kultureller Austausch wird möglich und es ist wahrscheinlich möglich, dass künftig Israelis Dubai bereisen und Emiratis am Strand von Tel Aviv liegen. All das war vor wenigen Jahren noch undenkbar. Kein arabisches Land außer die unmittelbaren Nachbarn Jordanien und Ägypten erkennen Israel als Staat an. Auch viele andere islamische Länder in Nordafrika und Asien erkennen das Land wegen des vermeintlichen Unrechts, das Israel den Palästinensern antut, nicht an. Solang die Palästinenser keinen eigenen Staat bekommen, lautete eine Grundregel, darf es keine Normalisierung mit Israel geben. Dieses Dogma ist nun durchbrochen.

Und es ist nicht unwahrscheinlich, dass weitere Staaten nachziehen werden. Die Emirate waren nie direkt an einem Krieg mit Israel beteiligt und der Ton zwischen den beiden Staaten war schon lange nicht mehr offen feindselig. Von daher war Abu Dhabi ein aussichtsreicher Aspirant für den nun gestarteten Prozess. Aber auch in anderen Staaten der Region stehen die Zeichen auf eine allmähliche Versöhnung. Zwischen Saudi-Arabien und Israel soll es bereits länger inoffizielle Kooperationen geben. Der Außenminister von Bahrain hat Israel vergangenes Jahr als "Erbe der Region" bezeichnet. Beide Länder könnten den Emiraten folgen. Diplomatische Beziehungen, wirtschaftlicher Austausch, gemeinsame Interessen könnten der Region völlig neue Chancen eröffnen, Krieg und Konflikte unwahrscheinlicher zu machen.

Ex-US-Präsident Jimmy Carter bekam 2002 den Friedensnobelpreis "für Jahrzehnte unermüdlichen Einsatzes" für den Frieden. Einer seiner größten Erfolge dabei war die Aushandlung des Friedensabkommens zwischen Ägypten und Israel. Bill Clinton war nominiert - unter anderem für seine Vermittlung des Oslo-Abkommens zwischen Israel und der PLO. Und Trumps Vorgänger Barack Obama erhielt den Preis gewissermaßen als Vorschusslorbeeren. Kritik an der Präsidentschaft Trumps ist in vielerlei Hinsicht angebracht und ob er die ganze Welt zu einem friedlicheren Ort gemacht hat, steht auf einem anderen Blatt. Sicher ist aber auch: Seit der gestrigen Einigung sind Krieg und Konflikte zwischen Israel und den Emiraten, ja, der ganzen Arabischen Liga, deutlich unwahrscheinlicher geworden. Sein Deal hat das Format der Verhandlungserfolge von Carter oder Clinton - wenn auch sein Vorgehen ein anderes war. Aber warum sollte er für den Verdienst nicht zumindest für den Friedensnobelpreis nominiert werden?

Unberührt davon ist freilich die Frage, was wirklich zu dem Erfolg geführt hat. War es tatsächlich Trumps "einzigartiges Talent" oder doch vielleicht ein günstiger Zeitpunkt? Dass sich Staaten wie Saudi-Arabien, Bahrain oder die Emirate allmählich Israel annähern, ist nicht neu. Das hat wenig damit zu tun, dass sich eine Lösung der Palästinenserfrage abzeichnet, was jegliche Normalisierung zuvor blockiert hat. Im Gegenteil: Von den Palästinensern kommt Protest gegen den Deal. Es dürfte eher die Erkenntnis in vielen arabischen Staaten sein, dass der Kampf gegen den gemeinsamen Feind Iran mehr geopolitisches Gewicht hat als der Einsatz für die "Brüder und Schwestern" im Westjordanland und dem Gaza-Streifen. Auch die erneute Eskalation im Atom-Streit hat einen Anteil an der aktuellen Einigung. Insofern hätten die Mullahs in Teheran auch ein Stückchen von Trumps Friedensnobelpreis verdient.

Quelle: ntv.de