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Merkel hat jetzt ein Problem Gaucks Entscheidung ist richtig

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(Foto: dpa)

Es gibt gute Gründe, sich eine zweite Amtszeit von Bundespräsident Gauck zu wünschen. Er wird diese Gründe abgewogen und sich dennoch anders entschieden haben. Denn ein wichtiger Grund spricht dagegen.

Joachim Gauck wird, wohl nicht ganz zu Unrecht, eine gewisse Eitelkeit nachgesagt. Da hätte es nahe gelegen, dass er sich für schwer ersetzbar hält. Zudem steht die Neuwahl des Bundespräsidenten im Februar 2017 an, also wenige Monate vor der Bundestagswahl. Für Gauck hätte auch dies ein Grund sein können, sich auf eine zweite Amtszeit einzulassen. Er hätte der Bundeskanzlerin damit eine Menge Stress erspart – zumal in politisch so turbulenten Zeiten, wie wir sie im Moment erleben.

Klugerweise hat Gauck sich anders entschieden. Heute gab er eine Erklärung ab, aber der Grund für seinen Verzicht lag schon vorher auf der Hand: Joachim Gauck ist 76 Jahre alt. Wenn die Bundesversammlung Anfang nächsten Jahres zusammentritt, um einen Bundespräsidenten zu wählen, wird er 77 sein. Am Ende seiner Amtszeit wäre er 82. Bei allem Respekt: So alten Menschen Verantwortung zu übertragen, ist grundsätzlich keine gute Idee.

Und Angela Merkel? Als 2012 ein Nachfolger für den zurückgetretenen Christian Wulff gesucht wurde, war sie nicht von der Idee begeistert, Gauck zum Staatsoberhaupt zu machen. Das hatte möglicherweise damit zu tun, dass er im Jahr 2010 in einer Rede gesagt hatte, man habe in der DDR "nicht unbedingt Sekretärin für Agitation und Propaganda" werden müssen, ein Amt, das Merkel in einer FDJ-Gruppe innegehabt haben soll. Zudem wurde mit Gauck aus ihrer Sicht das falsche Signal ausgesendet: Er ist zwar parteilos, war ursprünglich aber von SPD und Grünen als Präsidentschaftskandidat ins Rennen geschickt worden.

Die Entscheidung für Gauck galt damals als Niederlage der Kanzlerin. Das ist lange her und längst vergessen. Natürlich, für Merkel wird es schwierig sein, einen Kandidaten zu finden, der erstens die nötige Qualifikation und zweitens ein Mindestmaß an Bekanntheit mitbringt, der drittens die Chance auf eine breite Mehrheit in der Bundesversammlung hat und viertens kein "Signal" ist – weder für Schwarz-Grün noch für eine Fortsetzung der in der CDU ungeliebten Großen Koalition. Für Merkel wäre es angenehmer gewesen, Gauck hätte sich auf eine zweite Amtszeit eingelassen.

Aber wenn man die Gründe abwägt, wie Gauck es vermutlich getan hat, dann kann man nur zu einem Ergebnis kommen: Für das Amt und für den Menschen Gauck ist es besser, dass der Bundespräsident zu einem Zeitpunkt geht, an dem er seinen Aufgaben noch gewachsen ist. Gauck war ein guter Bundespräsident, der wichtige Akzente gesetzt hat. Sein Verzicht auf eine zweite Amtszeit garantiert, dass man sich so an ihn erinnern wird: an einen klugen Mann, der vielleicht ein bisschen eitel war, sich aber nicht für unersetzlich hielt.

Quelle: n-tv.de

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