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Sprüche über Boateng Gauland macht es wie Donald Trump

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Andere Frisur, dieselbe Methode: Gauland arbeitet nach der Methode Trump.

(Foto: REUTERS)

Erst beleidigen und provozieren, dann dementieren oder relativieren: Mit dieser Methode ist Donald Trump in den USA sehr erfolgreich. Nicht anders macht es AfD-Vize Gauland.

Man kennt das von Donald Trump. Der Immobilienmilliardär provoziert im Wahlkampf mit abfälligen Sprüchen über Latinos und Frauen. Während die Medien lange glaubten, das werde ihm schaden, war genau das Gegenteil der Fall: Beleidigungen sind die Basis für seinen Erfolg.

Denn seine rassistischen und sexistischen Sprüche sind ein Signal, das stets schnell wieder ausgeknipst wird. Zwei Beispiele: Der Frage, ob er sich vom Ku-Klux-Klan distanziere, der zu seiner Wahl aufruft, wich Trump in einem Interview mit CNN mehrfach aus. Er habe die Fragen nicht richtig verstanden, sagte er am nächsten Tag, weil sein Ohrstöpsel kaputt gewesen sei. In seiner Bewerbungsrede nannte er Mexikaner in einem Atemzug "Vergewaltiger" und "gute Menschen".

Das ist die Methode Trump: zwei Schritte vor, zuschlagen, einen Schritt zurück. So sollen radikale Wähler gewonnen werden, ohne Moderate zu verprellen.

Genauso macht es Alexander Gauland. Der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" sagte der AfD-Vize, die Leute fänden Nationalspieler Jérôme Boateng als Fußballspieler gut. "Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben." Ein Satz aus dem Handbuch für Rassisten.

Doch Gauland bestreitet, das so gesagt zu haben. Er habe nur "die Einstellung mancher Menschen beschrieben, aber mich an keiner Stelle über Herrn Boateng geäußert". Zwei Schritte vor, einer zurück.

Gauland sieht sich als Politiker, der sagt, was das Volk wirklich denkt, der sich nicht dem angeblichen Diktat der politischen Korrektheit beugt. Als er im brandenburgischen Wahlkampf 2014 merkte, dass sein Publikum applaudierte, wenn er über Russland oder Asylbewerber sprach, und nicht, wenn es um den Euro ging, sprach er über Russland und Asylbewerber.

Mittlerweile ist Gauland der wahrscheinlich einflussreichste Politiker in der AfD. Er verteidigt den völkischen Rechtsaußen Björn Höcke gegen Parteichefin Frauke Petry, nennt die Nato, die er eigentlich befürwortet, ein "Instrument amerikanischer Geopolitik", erklärt den Islam für unvereinbar mit dem Grundgesetz und bestreitet dann, dass die AfD den Islam pauschal ablehnt.

Wie Trump hat Gauland so viele Ressentiments verbreitet und seinem Publikum so ausführlich nach dem Mund geredet, dass niemand mehr sagen kann, was er wirklich denkt. Ist er ein Rassist, ein Opportunist, oder beides? Man weiß es nicht. Was man ebenfalls nicht weiß: Nutzen Gaulands Sprüche der AfD oder werden sie ihr schaden? Bislang ist es nur eine Hoffnung, dass deutsche Wähler für rassistische Signale weniger anfällig sind als amerikanische.

Quelle: n-tv.de

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