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Doppel-Demütigung beim Heimspiel Merz spannt AKK den Unions-Nachwuchs aus

Auf dem Deutschlandtag stimmt die Junge Union für eine Kanzlerkandidatur-Urwahl. Nicht nur damit demütigt sie CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer. Auch der Jubel für Friedrich Merz verdeutlicht: Der Rückhalt für die einst als "Annegreat" gefeierte Saarländerin schwindet weiter.

Ungeschickte Äußerungen, maue Umfragewerte, parteiinterne Kritik: Für Annegret Kramp-Karrenbauer läuft es derzeit mehr schlecht als recht. Da scheint es gelegen, dass die gebeutelte CDU-Chefin nun einen Termin in der saarländischen Heimat hat. Doch seit gestern Abend dürfte ihre Vorfreude auf den Auftritt beim Deutschlandtag der Jungen Union (JU) in Saarbrücken getrübt sein. Denn dort hat sich der Unions-Nachwuchs nicht nur gegen die CDU-Vorsitzende positioniert, indem er eine Urwahl für die nächste Kanzlerkandidatur forderte. Die JU-Delegierten bejubelten darüber hinaus auch noch frenetisch Friedrich Merz, der seine Hoffnungen auf CDU-Vorsitz und Kanzlerkandidatur noch nicht begraben zu haben scheint. Kurzum: Der Auftakt des Bundeskongresses war eine doppelte Demütigung für AKK.

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CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer steht in ihrer Heimat vor einer großen herausforderung.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Beziehung zwischen CDU-Chefin und Jugendorganisation hat sich in den vergangenen Monaten deutlich abgekühlt. So etwa sprach JU-Chef Tilman Kuban Ende August von "Eigentoren aus Berlin", als er auf Kramp-Karrenbauers Umgang mit dem umstrittenen Ex-Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen angesprochen wurde. Nun übt Kuban auf dem Bundeskongress den Schulterschuss mit Merz - dem Mann, der AKK bei der Abstimmung über den CDU-Vorsitz im vergangenen Dezember nur hauchdünn unterlegen war. Zehn Monate nach dem Votum ist offensichtlich, dass die Saarländerin und der Sauerländer noch immer die Partei spalten.

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Merz hat seiner Parteichefin den Unions-Nachwuchs erfolgreich ausgespannt. Noch vor einem Jahr kam die damalige CDU-Generalsekretärin bei der Jugend sehr gut an. Beim Bundeskongress in Kiel feierten die JU-Delegierten sie mit "Annegreat, Annegreat"-Sprechchören. Nun bejubeln sie einen anderen Popstar. Mit 170 von 277 Stimmen haben sie den Antrag auf eine Urwahl gebilligt - ein Affront gegen die CDU-Vorsitzende, der in Abstimmung mit dem CSU-Chef traditionell ein Zugriffsrecht auf die Kanzlerkandidatur zusteht. Dieses stellt die JU in Frage.

Noch bevor AKK am Sonntag selbst bei ihrem vermeintlichen Heimspiel die Bühne betritt, erhält sie einen Denkzettel. Dieses Misstrauensvotum spielt Merz in die Karten. Und es spiegelt laut dem CDU-Mittelstandspolitiker Carsten Linnemann eine gesellschaftliche Gefühlslage wider. Im Interview mit RTL und n-tv erklärt er, dass viele Menschen in Deutschland Halt suchten. Und Friedrich Merz könne diesen Halt geben. "Er sagt, wo es hingehen soll. Und nach solchen Typen haben viele JUler offenkundig und zurecht Sehnsucht", so Linnemann. Zwar betonte Merz in seiner umjubelten Rede, dass er AKK unterstützen wolle und werde. Doch vieles deutet auf einen neuerlichen Machtkampf in der Union hin.

Quelle: n-tv.de

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