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SPD im freien Fall Mit Nahles' Abgang kommt das Ende der GroKo

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Andrea Nahles hatte in ihrer Partei zuletzt keinen Rückhalt mehr.

(Foto: dpa)

Nach dem Rücktritt von SPD-Chefin Nahles stehen unruhige Zeiten bevor - auch für die Union. Obwohl diese bisher fest zur Großen Koalition steht, sind Neuwahlen das wahrscheinlichste Zukunftsszenario.

An diesem ersten heißen Sommersonntag ist der Blitz ins politische Gebälk der Republik gekracht. Möglich ist plötzlich alles, nur eines nicht: ein Weiter so. Andrea Nahles hat in der Bundestagsfraktion die Machtfrage gestellt und verloren. Ihr Kalkül, dass sie mit diesem Schachzug ihre parteiinternen Widersacher besiegen könnte, war ein Irrtum. Ein weiterer Fehler war die Hoffnung, die SPD könnte in einer weiteren Großen Koalition doch wieder auf die Beine kommen.

Die erste Frau an der Spitze der SPD hatte zuletzt keinen Rückhalt mehr in der eigenen Partei. Schlimmer noch: Spott und Häme über die burschikosen Bätschi-Auftritte der sozialdemokratischen Wuchtbrumme aus der Eifel trugen ausgerechnet Parteifreunde genüsslich weiter. Lob für Nahles kam stattdessen von der Union. CDU und CSU schätzten den Fleiß und die Verlässlichkeit der SPD-Chefin. Vorbei.

Für Andrea Nahles, alleinerziehende Mutter einer kleinen Tochter, beginnt jetzt ein neues Leben. Für ihre Partei geht das Elend weiter. Die SPD befindet sich im freien Fall. Wer immer das Nahles-Erbe antritt, muss deshalb jetzt erst einmal die Partei retten - und wenn es am Ende die SPD-Minister in Berlin den Job kostet. Sonst kämpft die stolze SPD bald mit der Fünf-Prozent-Hürde. Die Große Koalition ist damit eine Regierung auf Abruf, denn eine buchstäblich kopflose SPD ist kein verlässlicher Partner mehr.

Kanzlerin Angela Merkel und ihre Nachfolgerin an der CDU-Spitze haben in knappen Statements beteuert, die Union stehe zur Großen Koalition. Annegret Kramp-Karrenbauer und die CDU wollen sich nicht die Schuld dafür zuschieben lassen, dass auf Deutschland unruhige Zeiten zukommen. Verhindern werden sie diese nicht.

Neuwahlen sind derzeit die wahrscheinlichste Aussicht, auch für AKKs CDU wird der Gang zur Wahlurne kein leichter Spaziergang. Denn zum ersten Mal haben sich die Grünen vor die Union geschoben. Ein grüner Bundeskanzler ist plötzlich denkbar. Kaum denkbar aber ist, dass Angela Merkel nun noch bis 2021 im Amt bleibt.

Quelle: n-tv.de

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