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TV-Doku zur Krim-Annexion Putin zelebriert die Lüge

In einer Doku schildert Russlands Präsident seine Sicht auf die Krim-Annexion. Echte Enthüllungen gibt es im bekannten Material nicht. Erstaunlich ist nur, mit welcher Selbstzufriedenheit Putin sich selbst der Lüge überführt.

Er gibt es zu: Schon in der Nacht zum 23. Februar 2014 habe er, Wladimir Putin, entschieden, die Krim "zurück nach Russland" zu holen. "Wir waren gezwungen, die Arbeit an der Rückholung der Krim zu Russland zu beginnen, weil wir dieses Gebiet und seine Einwohner nicht ihrem Schicksal, von Nationalisten erdrückt zu werden, überlassen konnten." Unfassbar, was Putin da im Trailer zu einer Dokumentation des Staatssenders Rossija 1 sagt. Unfassbar banal.

Im bisher bekannten Material aus der Doku "Die Krim - die Rückkehr nach Hause" gibt es keine echten Enthüllungen. Jedem Menschen, der nicht der russischen Propaganda erlegen ist, muss bei der Ausstrahlung am Sonntag und Montag längst klar gewesen sein: Die Versuche Putins, die Annexion als Aufstand "lokaler Selbstverteidigungskräfte" darzustellen, sind Lügen. Besonders an den Interviewschnipseln ist deshalb eigentlich nur, mit was für einer Selbstverständlichkeit Putin mittlerweile seine früheren Lügen offenlegt.

Ein Soundtrack wie aus einem Actionfilm, Bilder von Kampfhubschaubern in der Dämmerung, Kriegsschiffe und Panzer zieren den Trailer. Für Zuschauer in Europa oder in den USA mag das verstörend wirken: Doch Putins Eingeständnis ist nicht als Akt der Reue in Szene gesetzt, sondern als Heldentat.

Glaubwürdigkeit ist keine entscheidende Kategorie

Schon früher gab sich Putin keine große Mühe, seine Lügen zu vertuschen. Auf einer Pressekonferenz am 4. März 2014 in seiner Residenz ließ Putin die Welt wissen: Eine Annexion der Krim werde "nicht erwogen". Zwei Wochen später begrüßte er die Krim bei einem Auftritt auf dem Roten Platz "am heimischen Ufer".

Auf die Frage, wer die "grünen Männchen" auf der Krim gewesen seien, sagte er im März: Russische Uniformen ohne Hoheitsabzeichen könne man in "jedem Dorfladen" kaufen. Der Kreml habe damit nichts zu tun. Einen Monat später sagte er in seiner alljährlichen Fernseh-Fragestunde: Natürlich hätten "unsere Soldaten" im Rücken der Selbstverteididungskräfte gestanden. Anders hätte ein ordentliches Referendum nicht stattfinden können.

Der russische Präsident lügt so dreist, dass es dreister kaum geht. Und das hat auch einen Grund: In Putins Russland ist die Lüge kein Zeichen von Schwäche. Wer in Putins Russland seine Gegenspieler austrickst - sei es mit Halb- oder Unwahrheiten - ist ein geschickter Spieler, ein gewiefter Stratege. Im Westen verspielt Putin so restlos seine Glaubwürdigkeit. In seiner Heimat kann er offensichtlich auf das blinde Vertrauen seiner Anhänger an ihren Alleinherrscher setzen. Getreu dem Motto: Unser starker Mann wird die Dinge schon in unserem Sinne richten - egal mit welchen Mitteln. Glaubwürdigkeit ist im System Putin längst kein entscheidender Faktor mehr.

Quelle: ntv.de

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