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Bitte nicht nur wegen Gauland! Ströbeles Entscheidung ist richtig

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Will 2017 nicht noch einmal für den Bundestag kandidieren: Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele.

(Foto: dpa)

Hans-Christian Ströbele hört auf. Es ist gut, dass der Grüne die Bitten seiner Partei nicht erhört. Der Hauptzweck der Kandidatur eines 77-Jährigen kann nicht darin liegen, einen anderen zu verhindern.

Er war gefühlt schon immer dabei, es wird komisch sein, wenn Hans-Christian Ströbele nicht mehr im Bundestag sitzt. Dennoch ist es vernünftig, dass er nicht noch einmal für den Bundestag kandidiert.

Dafür gibt es vor allem zwei Gründe. Der erste: Ströbele ist 77 Jahre alt. Ein stolzes Alter. Ströbele hat nach eigenem Bekunden noch viel vor, den stressigen Alltag eines Bundestagsabgeordneten will er sich aber nicht länger antun. Er zweifelt daran, ob er den Anforderungen gesundheitlich noch gewachsen ist. Deswegen ist es nur konsequent, dass er nicht wieder antritt. Der Altersschnitt im Bundestag liegt bei 49,7 Jahren. Das Parlament bräuchte viel mehr jüngere Volksvertreter.

Der zweite Grund hat mit Heinz Riesenhuber zu tun. Der 81-jährige CDU-Abgeordnete ist Alterspräsident des Bundestags und tritt im kommenden Jahr nicht mehr an. Ströbele wäre somit theoretisch der älteste Mann im nächsten Bundestag und würde nach der Wahl die erste Rede halten. In den letzten Wochen sollen vor allem grüne Parteifreunde ihn zu einer Kandidatur gedrängt haben, damit der AfD-Politiker Alexander Gauland (75) nicht Alterspräsident wird. Zur Debatte stand auch die Option, nur anzutreten, um als Senior 2017 den Bundestag zu eröffnen und dann vorzeitig aus dem Bundestag auszuscheiden. Der Zweck von Ströbeles Kandidatur hätte dann vor allem darin bestanden, einen anderen zu verhindern.

Kein Grund zur Panik

Es ist vernünftig, dass er sich davon nicht beeindrucken ließ. Auch wenn es nun Gauland sein könnte, der in einem Jahr die erste Sitzung des neu konstituierten Parlamentes leitet und die erste Rede hält. Es ist verständlich, dass vielen Abgeordneten diese Vorstellung unangenehm ist, lässt Gauland doch keine Gelegenheit aus, andere Parteien zu beschimpfen. Grund zur Panik ist es aber nicht. Das Amt ist weit weniger wichtig, als es klingt. Seine Funktion endet mit der Wahl des Parlamentspräsidenten. Danach interessiert sich niemand mehr dafür.

Der Posten hat aber schon einmal für Aufregung gesorgt. 1994 wurde der damals 81-jährige PDS-Abgeordnete Stefan Heym Alterspräsident. Bundeskanzler Helmut Kohl hatte der Unionsfraktion seinerzeit "steinerne Mienen" verordnet, die Politiker von CDU und CSU verweigerten dem linken Schriftsteller den Applaus. Die Welt ging damals nicht unter. Genauso wird die deutsche Politik damit leben können, sollte Gauland den neuen Bundestag eröffnen. Anschließend bleiben den etablierten Parteien noch vier Jahre und darauf kommt es sehr viel mehr an, um sich inhaltlich mit der AfD auseinanderzusetzen.

Vielleicht wird am Ende auch gar nicht Gauland Alterspräsident, sondern Hermann-Otto Solms. Der FDP-Politiker will im kommenden Jahr wieder für den Bundestag kandidieren. Wenn die Liberalen in den neuen Bundestag einziehen, wäre Solms der Älteste. Er ist drei Monate älter als Gauland.

Quelle: n-tv.de

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