Person der Woche

Person der Woche Boris Pistorius - der gefühlte SPD-Sieger

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Boris Pistorius ist der heimliche Sieger des SPD-Castings.

(Foto: imago images / Joachim Sielski)

Niedersachsens Innenminister ist der heimliche Sieger des SPD-Vorsitzendencastings. Mit seiner Lebensgefährtin Doris Schröder-Köpf bildet er ein medienaffines "Boris & Doris"-Doppel. Und Pistorius hat etwas, was Olaf Scholz fehlt.

Er wirkt wie eine Mischung aus Otto Schily und Gerhard Schröder. Boris Pistorius gilt als der gefühlte Sieger des SPD-Vorsitzenden-Castings. Er ist der Mann, der Vizekanzler Olaf Scholz im Kampf um die sozialdemokratische Macht nun gefährlich wird. Denn Pistorius verkörpert etwas, was in der SPD seit Jahren schmerzlich vermisst wird: Autorität und Angriffslust.

Zwar kommt der niedersächsische Innenminister seinen Kritikern zuweilen vor wie ein rhetorischer Wasserwerfer. Doch sein offensiver, heiterer Machtwille fasziniert viele Genossen, gerade weil er die reservierte Kühle von Olaf Scholz kontrastiert wie ein Ferrari den VW-Caddy. Wenn er Gas gibt, kann er ganze Säle zum Lachen bringen, wenn er aus Loriot-Sketchen zitiert, Heinz Erhardt oder Willy Brandt imitiert.

Pistorius ist nicht nur in Medien an jedem einzelnen Tag geschickt präsent wie ein perfekt organisierter US-Präsidentschaftswahlkämpfer. So forderte er am Wochenende, Björn Höcke möge der Beamtenstatus entzogen werden. Am Montag plädierte er für die Steuererklärung per SMS. Und nun empfiehlt er das "Vermummungsverbot im Internet". Er schart auch gezielt Gefolgsleute um sich und knüpft Seilschaften.

So haben kurz vor Ende der Kandidatentour für den SPD-Vorsitz über 40 einflussreiche Kommunalpolitiker einen Unterstützeraufruf für das Duo von Pistorius und Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping gestartet. Zu den Unterzeichnern gehören Bürgermeister und Landräte aus mehreren Bundesländern.

Kommunen sind die eigentliche Herzkammer der SPD

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Zusammen mit Petra Köpping aus Sachsen bewirbt sich Pistorius um den SPD-Vorsitz.

(Foto: imago images/Arnulf Hettrich)

Diese Aktion ist mehr als ein Signal, denn die SPD ist kommunal immer noch eine gewaltige Macht in Deutschland. Die Partei regiert in den Rathäusern von 13 der 20 größten deutschen Städte. In mehr als 100 Landkreisen und kreisfreien Städten dominiert sie die Politik - von den Stadtwerken bis zu Bauämtern. In den Kommunen ist das Genossen-Netzwerk dicht, so dass die SPD deutschlandweit immer noch fast sechs Mal so viele Mitglieder wie die Grünen zählt. Die eigentliche SPD-Herzkammer ist nämlich nicht das Ruhrgebiet, es sind die Kommunen. Und wer hier überzeugt, der hat gute Chancen, neuer SPD-Vorsitzender zu werden. Boris Pistorius scheint das derzeit zu gelingen.

Der 59-jährige Jurist, seit über 40 Jahren SPD-Mitglied, war selbst von 2006 bis 2013 Oberbürgermeister von Osnabrück, seit sechs Jahren nun agiert er als Minister. Doch den Stallgeruch des "Kommunalen" hat er behalten. Er gilt auf allen Ebenen als pragmatischer, basisnaher Macher. "Wo Olaf zaudert, packt er zu", vergleicht ein Spitzengenosse aus Niedersachsen die beiden Favoriten.

Pistorius wird von der Parteilinken zwar kritisch beäugt wie alle, die nicht explizit links verortet sind. Doch er gilt als GroKo-unbelastet, zählt nicht zum "Berliner Klüngel" und könnte einen Neustart für die Sozialdemokraten gut verkörpern.

"Wir laufen schon mal heiß"

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Pistorius und seine Frau Schröder-Köpf.

(Foto: imago images / Joachim Sielski)

Pistorius bringt zudem eine SPD-seltene Fachkompetenz mit: innere Sicherheit. Er ist ein expliziter Law-and-Order-Mann, der sich knallhart gegen Extremismus positioniert - rechten wie islamistischen. Er erinnert dabei an Otto Schily, einst RAF-Verteidiger und dann als SPD-Bundesinnenminister der Oberpolizist der Nation. Pistorius spricht als einer der wenigen Spitzengenossen auch offen über die Migrationsprobleme aus einer Perspektive der verunsicherten Bevölkerung und nicht der akademisierten Moral. Wie bei Gerhard Schröder ist auch seine Sprache schnörkellos, volksnah, kantig. Er vertritt - wie Sigmar Gabriel - die Meinung, dass die Migrationsprobleme von der SPD zu lange totgeschwiegen worden seien und man auch deswegen viele Kernwähler verloren habe.

Boris Pistorius bewegt sich so geschickt nach vorne, weil er eine außergewöhnlich erfahrene Beraterin auf dem Weg nach oben an seiner Seite weiß. Er ist liiert mit Doris Schröder-Köpf, der Ex-Ehefrau des früheren Kanzlers Gerhard Schröder. "Privat sind wir sehr harmonisch, bei politischen Themen laufen wir schon mal heiß", verrät die 56-jährige Politikerin der "Bunten".

Pistorius, dessen Ehefrau 2015 an Krebs starb, ergänzt: "Ich war mein ganzes Leben umgeben von starken Frauen. Meine Mutter, meine verstorbene Frau, meine Töchter und nun Doris. Mit ihr habe ich eine äußerst kluge und sehr liebevolle Partnerin gefunden. Ein großes Glück, mit dem ich nach dem Tod meiner Frau nicht mehr gerechnet hätte." In Berlin bereiten sich jedenfalls die Ersten darauf vor, dass "Doris & Boris" bald als mächtigstes Politikerpaar des Landes auftauchen.

Quelle: n-tv.de

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