Person der Woche

Person der Woche Giorgia Meloni, die Postfaschistin und ihr "linker" Lebensgefährte

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Die rechtsradikale Siegerin der Wahl in Italien hat einen Mann, den sie als Linken bezeichnet. Verheiratet sind die beiden nicht. Dafür macht Giorgia Meloni sich öffentlich Gedanken über die Fruchtbarkeit der Italienerinnen.

"Ich möchte mich bei meiner Familie bedanken, bei Andrea, meiner Tochter, meiner Schwester, meiner Mutter", rief die siegestrunkene Giorgia Meloni am Wahlabend ihren Fans zu. Für familienfreundliche italienische Verhältnisse ist der private Dankes-Rosenkranz normal. Nur ein Detail ließ aufhorchen - wer ist der Erstgenannte, wer ist Andrea? Die Dankadresse ging an Andrea Giambruno, von dem man sagt, er habe das Drehbuch für ihren Aufstieg geschrieben.

Der Fernsehjournalist ist Melonis Lebensgefährte und dürfte - da Italien nun erstmals eine Regierungschefin bekommt - der erste "Primo Gentiluomo" (First Gentleman) in Rom werden. Die Liaison hat es in sich und dürfte die europäische Öffentlichkeit noch überraschen.

Denn Giambruno ist so ganz anders als seine Liebste, nämlich nach eigenen Aussagen ein Linker. Die Vorsitzende der rechtspopulistischen "Fratelli d'Italia" hat mehrfach gescherzt, sie habe einen "Feind zu Hause", weil Andrea ein Roter sei. Sie gab sogar zu Protokoll, dass sie nicht sicher sei, ob er sie wenigstens bei diesen Wahlen, wo es auch um ihre persönliche Karriere ging, wählen würde. Als Gast in einer Fernsehsendung erklärte sie: "Mein Partner ist ein Linker. Wir streiten über Schwule, ethische Fragen, die Legalisierung weicher Drogen. Wir denken nicht auf dieselbe Weise."

Giorgia Meloni und Andrea Giambruno sind seit sieben Jahren ein - so die Selbstauskunft - "glückliches Paar". Giambruno ist ein Medienprofi und Autor mehrerer erfolgreicher Sendungen des Berlusconi-Senders Mediaset. Er pendelt beruflich zwischen Mailand und Rom, sie lebt fest in Rom und - da ziehen manche ihrer konservativen Wähler noch die Augenbrauen hoch - eigentlich in wilder Ehe. Das unverheiratete Paar hat eine siebenjährige Tochter namens Ginevra Giambruno.

Moment mit Banane

Das Wechselspiel mit den Nachnamen und politischen Ansichten bereitet den beiden offenbar Vergnügen. Der Wochenzeitung "Chi" erzählte Giambruno einmal: "Die Berühmte ist Giorgia, das bin nicht ich. Ich bin Herr Meloni und ich bin stolz darauf." Die Liebe zwischen den beiden entflammte in einem Fernsehstudio. Eines Abends kam Meloni als Gast in die Sendung "Quinta Colonna", deren Autor Giambruno war: "Sie kam völlig erschlagen an und sagte zu ihrer Assistentin Giovanna: 'Ich habe noch nichts gegessen, ich bin so hungrig, dass ich in Ohnmacht falle'. Und als Giovanna meinte: 'Aber es gibt nur eine Banane hier', antwortet sie: 'Dann gib mir diese Banane'". Als die Kameras live geschaltet werden, hatte Meloni sie immer noch in der Hand. Giambruno sprang herbei und riss ihr die Banane aus der Hand. In diesem Moment habe ihn Amors Pfeil getroffen: "Ich kann es nicht erklären, unsere Blicke trafen sich auf seltsame Weise, es war ein Moment."

Offenherzig hat Giambruno auch über das erste Date zwischen der Politikerin und dem Journalisten gesprochen: "Eines Abends in Mailand, in einem Restaurant abseits der üblichen Touristenpfade, trug sie ein knielanges schwarzes Kleid, dunkle Stiefel und eine Lederjacke. Sie war wunderschön, der Moment war großartig", schwärmte Andrea, nach dem ersten Kuss hätten sie sich nie wieder getrennt. Aber Giorgia habe auch Schwächen: "Ihren pathologischen Ordnungsfimmel" und dass sie "ein chronischer Nachzügler" ist.

Giambruno ist mit seinen 41 Jahren vier Jahre jünger als die designierte Ministerpräsidentin. Zur Organisation der Familie erklärte Meloni in einem Interview mit dem Magazin "Sette", dass "Andrea ein fantastischer Vater ist, sehr präsent. Er verbringt eine Woche im Monat in Mailand, aber wenn er hier ist, arbeitet er fast immer am Abend und verbringt tagsüber viel Zeit mit Ginevra. Wir wechseln uns ab, wir helfen uns gegenseitig, wir ergänzen uns".

Tipps zum "Fruchtbarkeitsstatus"

Bei Meloni und Giambruno ist das Private geradezu demonstrativ politisch. So enthüllte Meloni sogar, dass das Paar einige Jahre lang versucht habe, ein zweites Mal schwanger zu werden, nachdem sie im Alter von 39 Jahren zum ersten Mal Mutter geworden war: "Ich habe es versucht, aber es ist nicht gekommen. Und ich fühle mich ein wenig schuldig, weil ich Ginevra nicht die Bindung geben konnte, die ich mit meiner Schwester hatte." Meloni hat das Kinderkriegen zu einem politischen Thema gemacht, ihre Partei will Kinderreichtum gezielt fördern und den Bevölkerungsrückgang in Italien stoppen. Meloni gibt dazu sogar persönliche Ratschläge: "Leider leben wir in einer Gesellschaft, die uns glauben macht, dass wir ewig jung sind und dass wir Entscheidungen immer aufschieben können, aber das ist eine Täuschung. Deshalb halte ich es für sehr wichtig, Frauen schon in jungen Jahren darauf aufmerksam zu machen, ihren Fruchtbarkeitsstatus zu überprüfen".

Meloni und Giambruno kommen aus unterschiedlichen sozialen Schichten. Sie entstammt bescheidenen Verhältnissen, ist 1977 in Rom als Tochter eines Sarden und einer Sizilianerin geboren. Der Vater verließ die Familie und emigrierte auf die Kanaren, als Giorgia Meloni zwölf Jahre alt war. Sie wuchs im römischen Armenviertel auf und jobbte nach dem Abitur als Kellnerin und Barfrau. Giambruno hingegen stammt aus einer wohlsituierten Mailänder Kaufmannsfamilie, absolvierte das wissenschaftliche Gymnasium in Monza und studierte Philosophie an der Katholischen Universität in Mailand. Sie entdeckte in der Jugend Kampfsport und war immer extrovertiert, er hingegen betrieb Gymnastik und beschreibt sich als "introvertierten Jungen".

Wenn aber seine Partnerin öffentlich herabgewürdigt wird, dann wirft sich der feine Giambruno schon mal kampfsportrhetorisch vor seine robustere Lebensgefährtin. So im Februar 2021 live im Fernsehen, als ein Professor der Universität Siena, Giovanni Gozzini, die Anführerin der "Fratelli d’Italia" als "Kuh" und "Sau" bezeichnete. Giambruno erwiderte die Attacke so: "Ich bin der Partner von Giorgia Meloni, die auch die Mutter meiner Tochter ist. Ich bin sehr stolz auf das, was Giorgia in ihrem Leben erreicht hat. Ich erlaube mir nicht, die Worte des Professors zu kommentieren. Ich erlaube mir einfach zu sagen, dass es Minderjährige gibt, die solchen Unsinn lesen, und dass ich meiner Tochter erklären werde, wie mutig und verdienstvoll ihre Mutter ist für das, was sie in ihrem Leben getan hat. Ich hoffe, Herr Professor, dass Ihre eigenen Kinder, vorausgesetzt, Sie haben Kinder, dasselbe über Ihre frauenfeindlichen, unwürdigen und beschämenden Kommentare sagen können."

Quelle: ntv.de

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