Person der Woche

Person der Woche: Ron DeSantis Donald ist out, Ronald ist in

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Seit vier Jahren Gouverneur von Florida: Ron DeSantis. Laut Dan Eberhart, einem Großspender der Republikanischen Partei, ist DeSantis wie Donald Trump, "aber ein bisschen klüger, disziplinierter und schroff, ohne zu schroff zu sein".

(Foto: picture alliance / abaca)

Floridas Gouverneur wächst zum Favoriten für die US-Präsidentschaft 2024 heran. Er ist der neue Liebling der Republikaner: jung, kämpferisch, konservativ, schlagfertig, machtbewusst. Aus Trumps einstigem Günstling könnte ein politischer Vatermörder werden.

Donald Trump erlebt einen desaströsen Sommer. Seine Hoffnung auf ein Comeback als US-Präsident 2024 schwindet. Die Umfragewerte fallen, auch weil der Untersuchungsausschuss zum Sturm auf das US-Kapitol wöchentlich neue Beweise zutage fördert, die von Trump das Bild eines ruchlosen Putschisten zeichnen. Ein republikanischer Politiker nach dem anderen distanziert sich, selbst konservative Spender und Trump-nahe Journalisten. Sogar die "New York Post" sowie das "Wall Street Journal" - beide Zeitung sind im Besitz von Rupert Murdoch und haben Trump lange unterstützt - schimpfen Trump als "unwürdig", erneut Präsident zu werden.

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DeSantis und Trump im Jahr 2019

(Foto: picture alliance / abaca)

Der (demokratische) Ausschussvorsitzende Bennie Thompson fasst die Schuld von Trump so zusammen: "Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass er einem Mob befahl - einem Mob, von dem er wusste, dass er schwer bewaffnet, gewalttätig und wütend war - zum Kapitol zu marschieren und zu versuchen, die friedliche Machtübergabe zu verhindern". Und weiter. "Er hat gelogen. Er schikanierte. Er verriet seinen Eid. Er hat versucht, unsere demokratischen Institutionen zu zerstören."

Doch die sinkenden Comeback-Chancen für Trump haben noch einen weiteren Grund: Es gibt für Konservative plötzlich eine personelle Alternative. Der Gouverneur von Florida, Ron(ald) DeSantis wächst Monat für Monat sichtbarer zum neuen Liebling der Republikaner heran. Genauso wortmächtig wie Trump, genauso rechtskantig wie Trump, genauso machtbewusst und furchtlos wie Trump - nur viel jünger und professioneller. DeSantis sei, so ist zu lesen, "Wie Trump, nur mit Intelligenz", "Wie Trump, nur mit Charakter", "Wie Trump, nur seriös". Selbst der liberale "New Yorker" urteilt: "Während Trump mit seiner faulen, zirkushaften Persönlichkeit einen grundlegenden Mangel an Ernsthaftigkeit vermittelt, verfügt DeSantis über eine hohe Arbeitsmoral, eine beeindruckende Intelligenz und ein umfassendes Verständnis der Politik. Er ist wortgewandt, schnell auf den Beinen - ein Trump mit Hirn." Die "New York Post" gibt dazu die Parole aus: Ronald statt Donald.

Populistische Positionen, beeindruckende Biografie

Der rechtspopulistische Ruf von DeSantis rührt vor allem aus seiner Pandemiepolitik. Der Gouverneur wehrte sich lautstark gegen staatliche Kontaktverbote wie Lockdowns. Er stilisierte sich zum Freiheitskämpfer gegen Masken und prangerte im Tagestakt vermeintliche Schandtaten an, die eine linke Verbots- und Bevormundungspolitik hervorbringe. Als er sich dann auch noch lautstark gegen die Wokenes- und Gender-Moden in Position brachte und jeden Kulturkampf lustvoll annahm, wurde er vollends zum Volkshelden der rechten Massen.

Dabei bewegte sich DeSantis lange Zeit zielsicher im Fahrwasser von Trump: Er gab sich als loyaler Unterstützer des Präsidenten und setzte auf Trumps Themen - seien es die Ablehnung von Corona-Maßnahmen oder den Mauerbau an der Grenze zu Mexiko. Trump seinerseits unterstützte DeSantis im Wahlkampf 2018 um das Gouverneurs-Amt in Florida und empfahl den heute 43-Jährigen seinen Anhängern. Der Ex-Präsident sieht sich laut "New York Times" als Ziehvater von DeSantis und behauptete, DeSantis erst groß gemacht zu haben. Entsprechend gekränkt reagierte er in letzter Zeit auf die Konkurrenz aus dem Sunshine State. Jüngst trat Trump in Florida auf, ohne DeSantis zu erwähnen, der seinerseits der Veranstaltung fernblieb.

Der Chefredakteur der Zeitschrift "National Review", Rich Lowry, schreibt in einem Gastbeitrag für die "New York Times", dass DeSantis "die neue republikanische Partei verkörpert". DeSantis ist erst 43 Jahre jung, seine Familie ist italienischer Abstammung, katholisch, ein Aufsteiger, der sich eine Bilderbuchkarriere erarbeitet hat: Abschlüsse in Yale (Grundstudium) und Harvard (Jura), Kapitän der Yale-Baseball-Mannschaft, Karriere als Navy-Anwalt, Militäreinsatz im Irak, mehrere Orden, darunter den "Bronze Star", verheiratet mit einer bekannten TV-Journalistin und dreifacher Familienvater.

Geld sammeln wie Trump

Der Star-TV-Moderator Piers Morgan kommt zu folgendem Urteil: "Ich denke, dass DeSantis den angeschlagenen Joe Biden - oder jeden anderen Demokraten - politisch vernichten und Präsident werden würde. Es gibt nur eine Hürde. Er muss zunächst Donald Trump vernichten." Tatsächlich ist es inzwischen so, dass je tiefer die Umfragewerte für Trump fallen, sie desto höher für DeSantis steigen. DeSantis schlägt Trump inzwischen sogar in dessen Domäne: Spendensammeln. Verblüffende 100 Millionen Dollar hat DeSantis für sich eingeworben. Und das just in dem Bundesstaat, wo Trump bislang von seinem Golfclub-Anwesen Mar-a-Lago aus reiche Gönner mobilisieren konnte.

Anders als Trump hatte DeSantis keine reichen Eltern, er ist kein Immobilientycoon, nicht mal der Small-Talk-Typ. Ex-Klassenkameraden beschreiben ihn als hartnäckigen, ehrgeizigen Einzelgänger, "das Gegenteil eines sozialen Schmetterlings". Er sei extrem konzentriert und zielstrebig. Nun lautet sein Ziel, "Ronald statt Donald" zum Programm werden zu lassen. Auf einer Wahlkampfveranstaltung in Florida rief er kürzlich der Menge zu: "In Zeiten wie diesen gibt es keinen Ersatz für Mut. Wir brauchen Menschen im ganzen Land, die bereit sind, die volle Waffenrüstung Gottes anzulegen." Als die Menge in Jubel ausbrach, gelobte er: "Der Kampf hat gerade erst begonnen." Trump, der ihn einst gefördert hatte, wird sich auf einen politischen Vatermord einstellen müssen.

(Dieser Artikel wurde am Dienstag, 26. Juli 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de

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