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Börsenbeben durch Yuan-Abwertung "Wenn der Elefant sich bewegt, zittert der Boden"

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(Foto: picture alliance / dpa)

China erschüttert die Finanzmärkte rund um den Globus. Grund: Die Zentralbank des Landes wertet die chinesische Währung Yuan den zweiten Tag in Folge massiv ab. Das sorgt nicht nur an den internationalen Aktienmärkten für Verunsicherung, auch die Kommentatoren der deutschen Presse betrachten die Entwicklung mit Skepsis.

"China wertet seine Währung ab und will damit wohl kurzfristig die Wettbewerbsfähigkeit seiner Firmen stärken und die Konjunktur retten. Doch diese Deutung greift viel zu kurz", kommentiert Die Welt das Geschehen. Viel entscheidender als der kurzfristige Wertverlust des Yuan sei die Art und Weise, wie dieser erfolge. Die Zeitung aus Berlin hegt einen Verdacht: "Bisher legte die Notenbank jeden Tag einen Mittelwert fest, um den der Marktkurs zwei Prozent nach oben oder nach unten schwanken durfte. Nun jedoch orientiert sich der Mittelwert jeweils daran, was der Markt am Vortag gemacht hat. Dies wiederum ist die entscheidende Voraussetzung dafür, dass er schon bald in den Währungskorb des Internationalen Währungsfonds aufgenommen werden kann. Und das legt die Basis, damit der Yuan mittelfristig in den Rang einer internationalen Reservewährung aufsteigen kann."

Die Hessische Niedersächsische Allgemeine aus Kassel wirft einen Blick auf die Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft: "Für Deutschland ist die Abwertung des Yuan gut und schlecht. China ist weltweit für uns der zweitwichtigste Einkaufsmarkt: Dessen Produkte werden nun billiger. Der exportabhängigen deutschen Autoindustrie hingegen stehen im Reich der Mitte härtere Zeiten ins Haus. Ständig wird von China gefordert: Mehr Markt wagen. Was nun passiert, ist ganz normal: Wenn der Elefant sich bewegt, zittert der Boden."

Für die Frankfurter Allgemeine Zeitung sind die hohen Kursverluste deutscher Aktien mit großer Abhängigkeit von China ein Warnsignal: "Zwei kleine Abwertungen der chinesischen Währung reichten aus, um Schockwellen um die Weltbörsen zu schicken. Plötzlich wird Europa aus seiner Euro-Zentriertheit gerissen und stellt fest, dass sich nicht alles in der Welt um Griechenland dreht. Ein Schock aus Asien könnte die zaghafte Erholung der europäischen Konjunktur abwürgen." Die Zeitung ist alarmiert: "Die Abwertung in Peking ist hoffentlich nicht der Beginn eines globalen Abwertungswettlaufs, der bekanntlich nur Verlierer kennt." Nach Ansicht des Kommentators spricht einiges dafür, "dass das kommunistische Zentralkomitee einen Teil seiner Probleme nun in die Welt exportieren möchte, nachdem China nach der Finanzkrise mit gigantischen Konjunkturprogrammen als Lokomotive die Weltwirtschaft gezogen hatte."

Gelassener gibt sich die Stuttgarter Zeitung: "Nun ist es wie beim Wetter: Wenn die Temperaturen lange an der 40-Grad-Marke gekratzt haben, dann wirken angenehme 25 Grad fast schon ein wenig frisch." Gleichwohl, so der Kommentator, seien Szenarien darüber, wie es mit China weiter geht, unter diesen Umständen weit mehr als akademische Spielereien: "Auf dem Marktplatz der Prophezeiungen finden sich Vertreter der 'Alles-bleibt-wie-es-ist-Theorie' neben Zukunftsdeutern, die einen völligen Staatszerfall und blankes Chaos im Reich der Mitte erwarten. Einigkeit besteht lediglich darüber, dass die Entwicklung des Landes atemberaubend war - und dabei atemberaubende Probleme hinterlassen hat. Die Notwendigkeit für massive Reformen hat die Regierung in Peking schon lange erkannt."

Zusammengestellt von Susanne Niedorf

Quelle: n-tv.de

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