Baden-WürttembergRechtsextremisten auf dem Vormarsch

Mehr Rechtsextremisten, mehr Aktionen, mehr junge Anhänger: Der Verfassungsschutz sieht die Szene in Baden-Württemberg im Aufwind. Besonders Jugendgruppen gewinnen an Bedeutung.
Stuttgart (dpa/lsw) - Der Rechtsextremismus in Baden-Württemberg befindet sich auf dem Vormarsch, die Szene wächst sprunghaft an. Nach Angaben des Landesamts für Verfassungsschutz stieg das rechtsextremistische Personenpotenzial im vergangenen Jahr um mehr als 20 Prozent auf den Höchststand von 3.790 Menschen. Im Jahr zuvor waren es noch 3.140 gewesen.
Auffällig ist zudem die Entwicklung der Gewalt. Zwar ging die Zahl der rechtsextremistischen Straftaten leicht zurück, gleichzeitig stieg die Zahl der Gewalttaten von 54 auf 97 enorm an.
Zugleich registriert der Verfassungsschutz einen "neuen Höhepunkt an rechtsextremistischer Aktivität" - sowohl im Internet als auch bei Aktionen im öffentlichen Raum. Auffällig zudem: Der Anteil der unter 30-Jährigen nahm 2025 merklich zu.
Krisen als Nährboden für rechtsextreme Propaganda
Trotz ihrer unterschiedlichen Organisationsformen verfolgten Parteien, Neonazi-Gruppierungen und andere Zusammenschlüsse ein gemeinsames Ziel: "die eigenen Standpunkte mit immer mehr Bestimmtheit und Reichweite nach außen zu tragen", heißt es in dem Bericht. Dabei profitiere die Szene von gesellschaftlichen Krisen und politischen Spannungen.
"Die aktuell andauernde Polykrise, die zum Beispiel von dem Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine sowie von wirtschaftlicher Unsicherheit und gesellschaftlichen Spannungen geprägt ist, bietet Rechtsextremisten einen fruchtbaren Nährboden, um ihre Positionen zu verbreiten und Anhänger zu mobilisieren", heißt es im Verfassungsschutzbericht. Im Mittelpunkt stünden für die Rechtsextremisten weiter die Themen Migration und LGBTQIA+ sowie die grundsätzliche Delegitimierung des politischen Systems und seiner Entscheidungsträger.
Jugendgruppen gewinnen weiter an Einfluss
Mit Sorge blickt der Verfassungsschutz zudem auf parteiunabhängige rechtsextremistische Jugendgruppen. Organisationen wie die baden-württembergische "Unitas Germanica" oder die bundesweit aktiven Gruppen "Deutsche Jugend Voran", "Jung und Stark" und "Der Störtrupp", die sich erst 2024 gegründet hatten, hätten sich inzwischen in der Szene etabliert. Sie bauten ihre Anhängerschaften aus und vernetzten sich stärker untereinander. Besonders sichtbar sei die Agitation etwa bei queerfeindlichen Gegenprotesten zu Christopher-Street-Day-Veranstaltungen.