Baden-WürttembergSchüsse am Imbiss - Angeklagter "Ich wollte niemanden töten"

Drei junge Männer stehen wegen versuchten Mordes in Ulm vor Gericht. Der Hauptangeklagte räumt den Schuss zwar ein. Aber es sei anders gewesen, als es die Staatsanwaltschaft darstellt.
Ulm (dpa/lsw) - Erst ein Schuss. Dann sind weitere Schüsse zu hören. Was sich zur späten Stunde um einen Göppinger Dönerimbiss Ende Januar ereignet haben soll, hat schon filmreife Züge. Hatte da ein Killer-Kommando versucht, den Inhaber des Imbisses zu erschießen? Oder war es nur eine "letzte Warnung", wie es der mutmaßliche 19-jährige Schütze zum Prozessauftakt vor dem Ulmer Landgericht formulierte.
Er ist ebenso angeklagt wie zwei 22 und 20 Jahre alte mutmaßliche Kumpane. Und er beteuert, er habe mit Absicht vorbeigeschossen. "Ich habe niemanden treffen oder gar töten wollen", lässt er über seinen Anwalt aussagen. Den Angeklagten wird unter anderem versuchter Mord in Mittäterschaft vorgeworfen.
Pistole, Fluchtauto und Komplizen
Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass der in München geborene Grieche mit einer Pistole auf den Imbissbetreiber geschossen, ihn aber nicht getroffen hat. Zu weiteren Schüssen sei es nur deshalb nicht gekommen, weil die Waffe geklemmt habe. Der 22-Jährige soll einen extra für die Tat bereitgestellten Fluchtwagen gefahren haben. Damit sei das Duo zum eigenen Auto geflohen, in dem der 20-Jährige mit einem weiteren Begleiter wartete, der laut Anklage von den Mordplänen aber nichts gewusst habe.
Der 19-Jährige ist der Einzige, der zum Auftakt der Verhandlung sein Gesicht hinter einem Ordner verbirgt, als Fotografen und Kameraleute Bilder von den Angeklagten machen. Er sei durch einen Bekannten in die Sache verwickelt worden, sagt er später aus. Dieser sei mit Anlagebetrug und sogenanntem Phishing von Kontodaten beschäftigt gewesen. Dabei wird versucht, mit gefälschten SMS- und Chat-Nachrichten an die Daten ahnungsloser Opfer zu gelangen.
"Da konnte ich nicht mehr zurück"
"Das hat mich fasziniert", lässt der junge Mann über seinen Anwalt erklären. Schon am Vortag sei er in Göppingen gewesen, doch die Übergabe von gefälschten Karten und Daten habe nicht geklappt. Darum sei er mit seinen drei Bekannten wieder dorthin gefahren. "Ich ging davon aus, dass es wieder um die Übergabe geht", sagte der junge Mann.
Erst als er mit dem 22-Jährigen auf einem Waldparkplatz in einen bereitgestellten Kleinwagen gewechselt und die Pistole bekommen habe, sei ihm klargeworden, dass es diesmal um etwas anderes gehe. "Da konnte ich nicht mehr zurück", sagte der angehende Autoverkäufer, der bis zur Verhaftung bei seinen Eltern gelebt habe.
Von der Tat im Imbiss soll es Aufnahmen einer Sicherheitskamera geben, die in dem Lokal installiert ist. Der Anwalt des jungen Mannes will nun damit beweisen, dass sein Mandant keine Mordabsicht hatte.
Fehde zwischen zwei Familien?
Das sehen die Ermittler anders: Die Staatsanwaltschaft geht von einem genau geplanten Mordversuch aus, für den die jungen Männer aus München angereist seien. Vermutet wird eine Fehde zwischen zwei türkisch-kurdischen Familien in Nordrhein-Westfalen. Über den Hintergrund des Konflikts sei noch viel unklar, sagte Oberstaatsanwalt Andreas Körner. Nach früheren Angaben der Polizei wird gegen die Gruppen im Zusammenhang mit Taten im gesamten Bundesgebiet ermittelt.
Völlig überraschend kam der Angriff für den Gastwirt offenbar nicht. "Man sagte mir, er ist bewaffnet. Also schnell schießen und wieder raus", beschreibt der 19-Jährige die Vorgabe seiner mutmaßlichen Auftraggeber. Tatsächlich wurden die beiden Angeklagten bei ihrer Flucht aus dem Lokal von einem 15-Jährigen beschossen. Verletzt wurde dabei niemand. Gegen den aus der Schweiz stammenden Teenager, der ebenfalls in Untersuchungshaft sitzt, wird im September in Ulm separat verhandelt.
Zuvor schon Schüsse auf Gastwirt geplant
Zudem soll es nicht der einzige Versuch gewesen sein, den Gastwirt zu töten. Im Februar wurde ein 38-Jähriger verhaftet, der sich nach Polizeiangaben bereit erklärt hatte, aus einem fahrenden Auto auf das Opfer zu schießen. Zu diesem sogenannten Drive-by-Shooting soll der Mann aus dem hessischen Weilburg ein vollautomatisches Sturmgewehr, eine halbautomatische Schusswaffe und eine Sporttasche mit 53 Patronen dabeigehabt haben.
Er geriet allerdings auf dem Weg nach Göppingen in eine Kontrolle. Die anschließende Flucht des gebürtigen Türken endete an einer Leitplanke auf der Autobahn 6. Er schweigt zu den Vorwürfen. Auch das Verfahren gegen den 38-Jährigen soll im September in Ulm beginnen.