Berlin & BrandenburgZeitraum der Ermittlungen gegen Kinderarzt ausgeweitet

Kinderarzt aus dem Havelland in U-Haft: Die Ermittlungen wegen sexuellen Missbrauchs gehen noch weiter zurück als bisher bekannt. Aber zur Dimension des Falls schweigt die Staatsanwaltschaft.
Potsdam/Rathenow (dpa/bb) - Seit vier Monaten sitzt ein Kinderarzt aus dem Havelland wegen Missbrauchsverdachts in Untersuchungshaft - inzwischen haben die Ermittler den Zeitraum der Untersuchung noch ausgeweitet. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Potsdam sagte der dpa, die Ermittlungen erstreckten sich mittlerweile auf den Zeitraum Dezember 2013 bis November 2025. Bislang hieß es, die Ermittlungen gingen bis 2016 zurück.
Im Januar war bekannt geworden, dass ein Kinderarzt der Havelland-Kliniken während des Dienstes im Krankenhaus in Rathenow westlich von Berlin ein Kind sexuell missbraucht haben soll. Die Staatsanwaltschaft prüft, ob es mehrere Opfer gegeben hat. Die Auswertung sichergestellter Datenträger habe Anhaltspunkte für das Vorliegen weiterer Missbrauchshandlungen ergeben, hatte es bereits im Januar geheißen.
Als Haftgrund wurde Wiederholungsgefahr angeführt. Bis zu einer rechtmäßigen Verurteilung gilt jedoch die Unschuldsvermutung.
Voraussichtlicher Abschluss der Ermittlungen unklar
Nähere Auskünfte unter anderem zur Zahl möglicher Opfer machte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht. Laut Strafprozessordnung soll die Untersuchungshaft in der Regel sechs Monate nicht überschreiten - dies wäre im Mai der Fall. Wann das Verfahren voraussichtlich abgeschlossen werden kann, blieb offen. "Wir arbeiten sehr zügig an dem Verfahren", sagte die Sprecherin.
Dem beschuldigten Mediziner wird zur Last gelegt, am 2.11.2025 während der Ausübung seiner beruflichen Tätigkeit ein Kind in den Räumen des Klinikstandorts Rathenow sexuell missbraucht zu haben. Die Staatsanwaltschaft machte den Fall erst Wochen später öffentlich und hält sich weiterhin mit Informationen bedeckt. Die Havelland-Kliniken arbeiten den Verdachtsfall mit Hilfe von Experten auf und überprüfen ihre Schutzmechanismen.