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Berlin & BrandenburgMann wird vor Polizeiwache angeschossen - Angriff aus Rache?

28.09.2026, 14:40 Uhr
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(Foto: Carsten Rehder/dpa)

Vor einem Berliner Polizeigelände wird tief in der Nacht ein Mann ins Bein geschossen. Möglicherweise gibt es einen Zusammenhang mit einer Messerstecherei. Und der Anschlag galt jemand anderem.

Berlin (dpa/bb) - Direkt vor einem großen Polizeigelände in Berlin-Moabit ist ein junger Mann aus einem vorbeifahrenden Auto angeschossen und schwer verletzt worden. Der 22-Jährige erlitt in der Nacht eine Schussverletzung am Bein und wurde im Krankenhaus operiert, wie die Polizei mitteilte.

Der Mann war allerdings nicht das eigentliche Ziel des Anschlags, die Polizei bezeichnete ihn als "unbeteiligte Person". Als der Mann von dem Schuss getroffen wurde, stand er demnach gegen 2.00 Uhr in einer Gruppe von mehreren Menschen auf dem Gehweg in der Perleberger Straße.

Zusammenhang mit Messerstecherei zuvor?

Möglicherweise war der Angriff eine Rachetat und stand im Zusammenhang mit einer von mehreren Messerstechereien einige Stunden zuvor in der Nähe, wie die Zeitung "B.Z." berichtete. Die Polizei soll einen beteiligten Mann mit auf die Wache genommen und nachts wieder entlassen haben. Diesen Mann hatten die Täter demnach im Visier.

Zuvor gerieten am Sonntagabend bei einem Streit in Wedding in der Torfstraße eine Gruppe von Jugendlichen und ein Mann teilweise mit Messern aneinander. Die Polizei sprach von wechselseitiger gefährlicher Körperverletzung zwischen dem Mann und einem 16-Jährigen. Der Jugendliche wurde am Oberkörper schwer verletzt und zur Behandlung in ein Krankenhaus gebracht.

Ebenfalls am Sonntagabend wurde gegen 22.00 Uhr in Moabit ein 28-jähriger Mann auf dem Gehweg vor einer Bar in der Turmstraße mit einer Stichverletzung in der Brust gefunden. Der mutmaßliche Täter flüchtete. Der Verletzte wurde in ein Krankenhaus gebracht und operiert.

Zudem gab es einen weiteren Messerangriff, der nicht in Zusammenhang mit der möglichen Rachetat steht, am Sonntagabend im Stadtteil Britz in Neukölln. Ein 30-jähriger Mann lief gegen 20.35 Uhr in Britz durch die Fennpfuhl-Parkanlage, als eine Gruppe ihn bedrohte und mit Pfefferspray besprühte. Als er flüchtete, stach ihn ein Angreifer mit einem Messer in das Gesäß. Die Täter flüchteten, der 30-Jährige kam zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus.

GdP: International agierende Banden in Berlin aktiv

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sprach von einer besorgniserregenden Entwicklung. "Natürlich ist es nichts Neues, dass auf Berlins Straßen Schüsse fallen. Aber dass hier jemand einen Menschen direkt vor einem Polizeiabschnitt skrupellos niederschießt, zeigt eine Dimension, die niemand mehr schönreden kann."

International agierende Banden loteten in Berlin mit Waffengewalt Geschäftsfelder neu aus. "Wer hier von Abrüstung der Polizei spricht, hat den Verstand verloren", hieß es von der GdP in Richtung der Partei Die Linke, bei der das im Wahlprogramm steht.

Drohungen und Erpressungen gegen Geschäftsleute

Gewalttaten mit Schusswaffen haben sich in Berlin in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Aber auch Angriffe mit Messern bleiben ein Dauerproblem. 2025 registrierte die Polizei 1.119 Fälle von Schusswaffengebrauch. Dazu zählen auch Drohungen ohne einen tatsächlichen Schuss. Die Täter stammen nach Erkenntnissen der Polizei zum Teil aus Kreisen der türkischen Mafia, die in mehreren europäischen Ländern Inhaber von Geschäften und Restaurants bedrohen und erpressen.

In Berlin hat das Landeskriminalamt mit seiner Sondereinheit "Ferrum" inzwischen weit mehr als 600 Ermittlungsverfahren eingeleitet. Mehr als 4.000 Fahrzeuge und Hunderte Lokale und Geschäfte wurden überprüft. Mehrere hundert Menschen wurden laut Polizei im Rahmen der Maßnahmen vorübergehend festgenommen.

Die zunehmende Verbreitung und Gewalt mit Messern versuchen Senat und Polizei seit längerem einzudämmen. Spezielle Formen von Messern wie bestimmte Klapp- und Springmesser sind schon lange grundsätzlich verboten. Mehrere Verbotszonen an Orten mit viel Kriminalität auch für Alltagsmesser wurden im vergangenen Jahr erlassen. Auch in Bahnen, Bussen und auf Bahnhöfen und in U-Bahnstationen sind Messer inzwischen untersagt.

Quelle: dpa

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