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Rheinland-Pfalz & SaarlandRheinland-Pfalz wirbt mehr ausländische Fachkräfte an

28.09.2026, 15:31 Uhr
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(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Internationale Arbeitskräfte sind für viele Betriebe unverzichtbar. Wirtschaftsminister Ebling (SPD) macht sich gemeinsam mit IHK und Handwerkskammern für die Anwerbung stark. Es geht um vier Länder.

Mainz (dpa/lrs) - Rheinland-Pfalz hat eine Kampagne zur Gewinnung von außereuropäischen Fachkräften auf den Weg gebracht. Anlaufstelle ist das Welcome Center. Worum es geht.

Aus welchen Ländern sollen Fachkräfte angeworben werden?

Die Kampagne des Wirtschaftsministeriums sowie der Industrie- und Handelskammern und der Handwerkskammern konzentriert sich im ersten Schritt auf Kenia und die Philippinen. Im zweiten Schritt kommen Kolumbien und Usbekistan dazu.

Alle vier Länder hätten Migrationsabkommen mit Deutschland abgeschlossen oder stünden kurz davor, teilte Wirtschaftsminister Michael Ebling (SPD) in Mainz mit. Sie hätten eine große, relativ junge Bevölkerung mit guten Englisch- oder Deutschkenntnissen (Usbekistan). Die vier Staaten seien zudem kaum in anderen Bundesländern aktiv.

Wie werden die potenziellen Fachkräfte gesucht?

Ausschließlich digital auf Social-Media-Kanälen wie LinkedIn und Instagram werden die Arbeitskräfte gesucht. Aber auch auf Websites für die Zielgruppen Unternehmen und junge Fachkräfte soll geworben werden. Das Ministerium bezifferte die Kosten für die Kampagne auf rund 350.000 Euro.

Informationen gibt es auch auf der Homepage des Welcome Centers, nicht nur auf Deutsch, sondern auch in den Sprachen Englisch, Französisch, Spanisch, Arabisch und Usbekisch. www.make-it-in-rlp.de

Was ist das Welcome Center überhaupt?

Das Welcome Center Rheinland-Pfalz ist eine Initiative der Industrie- und Handelskammern (IHK), der Handwerkskammern (HWK) sowie des Wirtschaftsministeriums und existiert nach eigenen Angaben in dieser Form seit 2025. Beraten werden Unternehmen und Betriebsstätten sowie internationale Fachkräfte.

Das Welcome Center ist dezentral aufgebaut. IHK und HWK beraten an acht Standorten in Kaiserslautern, Koblenz, Ludwigshafen, Mainz und Trier - sowie telefonisch und digital. Auch die Stabsstelle Fachkräfteeinwanderung für Unternehmen im Wirtschaftsministerium in Mainz berät.

"Das Welcome Center unterstützt Unternehmen ebenso wie Fachkräfte ganz praktisch bei Fragen zu Einreise, Anerkennung und Integration", sagt Karina Szwede von der Arbeitsgemeinschaft der Industrie- und Handelskammern Rheinland-Pfalz. "Wer internationale Fachkräfte gewinnen will, muss den Weg nach Rheinland-Pfalz einfach und attraktiv machen."

"Das Prinzip "Alles aus einer Hand" im Welcome Center hat sich im Handwerk sehr bewährt", stellte Axel Bettendorf für die Arbeitsgemeinschaft der Handwerkskammern fest. Damit seien die Voraussetzungen geschaffen, die dringend benötigten Fachkräfte aus dem Ausland schnell in die Handwerksbetriebe zu bringen und "das klappt in der Praxis auch sehr gut".

Warum ist die Kampagne notwendig?

Deutschland ist nach Einschätzung von Experten auf Fachkräfte aus dem nichteuropäischen Ausland angewiesen, stellt das Ministerium fest und beruft sich dabei unter anderem auf das Statistische Bundesamt und das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Dass ausländische Fachkräfte für das Handwerk von immenser Bedeutung sind, zeigen Zahlen der Handwerkskammer Koblenz. Einem Sprecher zufolge hatten Ende 2025 von rund 7.300 Auszubildenden über alle Gewerke hinweg 1.048 eine ausländische Staatsangehörigkeit. "Das hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert."

Ein ähnliches Bild zeige sich bei den Meister-Absolventen, auch hier gehe der Anteil derjenigen nach oben, die keine deutsche Staatsangehörigkeit haben. Unter 678 Jungmeisterinnen und Jungmeistern seien 26 Nationalitäten vertreten gewesen. Das sei ein neuer Rekord. Das Handwerk brauche dringend Nachwuchs und Fachkräfte, ohne Menschen aus dem Ausland würde es gar nicht funktionieren.

Wer hilft noch bei der Anwerbung?

Mit der Zentralen Ausländerbehörde in Kaiserslautern gebe es bereits eine wichtige Anlaufstelle, die Unternehmen bei der Einreise internationaler Fachkräfte unterstützt, sagt der Hauptgeschäftsführer der Landesvereinigung der Unternehmerverbände (LVU), Karsten Tacke. Dieses Angebot sollte auch bekannter werden und gut mit der Beratung der Kammern verzahnt sein.

Was fehlt den Unternehmern?

Die Betriebe brauchten klare Ansprechpartner und verlässliche, zügige Verfahren bei Visum und Anerkennung, sagte Tacke. Internationale Fachkräfte seien für viele Unternehmen in Rheinland-Pfalz unverzichtbar. "Wer Fachkräfte gewinnen und halten will, muss ihnen und ihren Familien zudem das Ankommen in Rheinland-Pfalz erleichtern." Entscheidend sei, dass aus einem Kontakt auch eine Einstellung werde.

Wie viele ausländische Arbeitskräfte gibt es aktuell?

Hochgerechnet rund 237.800 Menschen mit ausländischem Pass waren im Februar nach Darstellung der Bundesagentur für Arbeit Rheinland-Pfalz/Saarland im Bundesland sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Dies entspreche etwa 16,0 Prozent aller sozialversicherungspflichtig beschäftigten Arbeitnehmer. Neuere Zahlen gibt es nicht.

Die meisten kommen aus Rumänien (28.127), gefolgt von der Türkei (22.154) und Polen (21.182). Auf Platz vier rangiert die Ukraine (14.270), gefolgt von Syrien und Italien. Aus Übersee kommen demnach 131.943 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte.

Ausländische Arbeitskräfte arbeiten vor allem im verarbeitenden Gewerbe, im Handel, im Baugewerbe, im Verkehr, in der Lagerei und im Gastgewerbe.

Quelle: dpa

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