Berlin & BrandenburgSmart Store soll kommen - was erwartet die Kunden?

Einkaufen an jedem Tag im Jahr. Das könnte in Brandenburg bald möglich sein. Interessenten bringen sich in Stellung. Die Kommunen freuen sich. Eine Gewerkschaft ist nicht begeistert.
Potsdam (dpa/bb) - Einkaufen am Sonntag soll bald auch in Brandenburg möglich sein. Mit den sogenannten Smart Stores können nach der Änderung des Ladenöffnungsgesetzes - an der die Landesregierung derzeit arbeitet - automatisierte Supermärkte in der Fläche entstehen. Weitestgehend ohne Personal sollen diese Märkte funktionieren und nebenbei auch die Versorgung in den dünn besiedelten ländlichen Regionen absichern. Ein Überblick.
Was fehlt noch bis zur Umsetzung?
Die Brandenburger SPD/CDU-Regierung hat den Weg für die Supermärkte ohne Personal vor allem auf dem Land geebnet. Das Kabinett hat eine Änderung des Ladenöffnungsgesetzes beschlossen, damit voll automatisierte Supermärkte ermöglicht werden, die auch Smart Stores genannt werden. Der Landtag berät noch darüber.
Der Vorschlag zielt darauf ab, den Kommunen ab dem Sommer Ladenöffnungen während der sonst üblichen Ladenschlusszeiten wie etwa an Sonntagen zu erlauben. Nach der Gesetzesänderung könnten Gemeinden einen automatisierten Supermarkt zulassen. Die Märkte sollen nicht größer als 250 Quadratmeter sein. Damit werde sichergestellt, dass die Regelung nicht zur Ausweitung großflächiger Einzelhandelsstrukturen führt, hieß es von der Staatskanzlei.
Wie kauft man in den Smart Stores ein?
Mittels personalisierter Karte wie einer EC-Karte erhält man Zutritt zu den Märkten. Dort können vor allem Lebensmittel oder Hygiene-Artikel eingekauft werden. Die Produkte werden beim Kauf entweder gescannt oder Sensoren in den 24/7-Läden erkennen, was der Kunde einpackt. Am Ende des Einkaufs bezahlt der Kunde mittels Karte an einem Schalter. In moderneren Läden berechnet das System automatisch den Einkauf und bucht das Geld ab.
Gibt es schon Märkte, die sich ansiedeln wollen?
Es seien bereits Interessenten an die Gemeinden herangetreten, sagte Jens Graf, Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes. Und auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) ist sich sicher: "Die Nachfrage besteht auf beiden Seiten." Um welche Anbieter es sich handele, ließen sie offen.
Der Anbieter Tante Enso gehört bundesweit laut IHK zu den größten Smart Store-Unternehmen und betreibt demnach die meisten Standorte. "Momentan haben wir in Brandenburg keine geplanten Standorte. Es ist aber immer möglich, sich bei uns als Gemeinde um einen Tante Enso zu bewerben", sagte eine Sprecherin des Unternehmens.
Habe der Ort zwischen 1.000 bis 3.000 Einwohner und gebe es im Umkreis von mindestens fünf Kilometern keine weitere Nahversorgungsmöglichkeit, ständen die Chancen sehr gut, "dass wir uns dort ansiedeln", führte die Sprecherin aus.
Können die Märkte die Versorgung in der Fläche sichern?
Der geplante Gesetzesrahmen für die Smart Stores sei eine "überfällige Anpassung an neue Handelsformen" und komme den heutigen Bedürfnissen der Verbraucher entgegen, sagte die IHK-Sprecherin. Es gebe "reale Versorgungsprobleme in den Kommunen". Wo die Versorgung schwierig sei, könnten die Smart Stores Lücken schließen. Die IHK rechnet besonders in Dörfern ohne Supermarkt, an Pendlerstandorten und touristischen Regionen mit Ansiedlungen.
"Viele Menschen fragen sich, warum dies in Brandenburg noch nicht möglich ist", ergänzte Jens Graf vom Städte- und Gemeindebund. Mit dem neuen Konzept könne ein Beitrag geleistet werden, um die Nahversorgung breiter aufzustellen. "Mich erreichen immer wieder Anfragen aus Gemeinden, wann dies in Brandenburg endlich möglich sein wird."
Gibt es Kritik an dem Konzept?
Die Gewerkschaft Verdi sorgt sich um den Sonntagsschutz. Die geplante Änderung des Ladenöffnungsgesetzes werde diesen aufweichen, sagte eine Verdi-Sprecherin. Es sei den Verbrauchern durchaus zuzumuten, am Sonntag auf Einkaufsmöglichkeiten zu verzichten. Zudem brauchten auch diese Märkte letztlich Personal wie Reinigungskräfte oder Mitarbeiter, die Regale auffüllen. Manche Produkte wie Backwaren müssten außerdem frisch geliefert werden. "Sonntagsschutz ist der beste Burn-out-Schutz", betonte die Gewerkschafts-Sprecherin.
Wird in den Smart Stores mehr geklaut und randaliert?
"Mit Vandalismus haben wir zum Glück extrem selten Probleme, und unsere Diebstahlquote ist vergleichbar mit anderen Supermärkten", sagte die Sprecherin der Smart Store-Kette Tante Enso. Durch die Kameraüberwachung und Identifikation beim Zutritt sei eine Kontrolle gut möglich.