Berlin & BrandenburgTechno-Parade "Rave The Planet" beginnt mit Schweigeminute

Unter dem Motto "Imagine Love" wird Berlin zum Anziehungspunkt für die Techno-Szene. Nach dem islamistischen Anschlag beim CSD steht die Party-Demo unter besonderer Beobachtung.
Berlin (dpa/bb) - Unter dem Motto "Imagine Love" soll die Techno-Parade "Rave The Planet" am Samstag mit einer Schweigeminute beginnen. Nach dem islamistischen Anschlag am Rande des Christopher Street Days (CSD) vor drei Wochen werde zu Beginn der Opfer gedacht, sagten die Begründer der gemeinnützigen Organisation "Rave The Planet", Dr. Motte und Ellen Dosch-Roeingh, bei der Pressekonferenz. "Das ist uns und mir sehr wichtig", sagte der DJ Dr. Motte. Es gebe nur einen Weg des Miteinanders: "Hass verstehe ich nicht."
Dosch-Roeingh sprach von einem "Angriff auf queeres Leben", aber auch einem "Angriff auf uns". Gemeinsam mit Julia Miosga vom Berliner CSD und Anna-Maria Seifert vom Karneval der Kulturen wird sie die Eröffnungsrede auf dem Wagen 1 am Großen Stern halten.
Die Techno-Parade ist am 15. August ab 13.50 Uhr zwischen dem Brandenburger Tor und der Siegessäule auf der Straße des 17. Juni geplant, die durch den Tiergarten führt – unweit des Anschlagsorts, wo am 25. Juli von einem islamistischen Attentäter eine Frau getötet und mindestens 31 Menschen zum Teil schwer verletzt wurden.
Das Sicherheitskonzept sei nach dem Angriff in enger Abstimmung mit der Polizei nochmals besprochen worden, erklärte Dosch-Roeingh. "Wir hatten schon vor dem 25. Juli ein sehr solides Konzept, Kleinigkeiten wurden aber noch einmal angepasst." Dieser Prozess setze sich ständig fort. "Eine Absage kam für uns nicht infrage", sagte Dosch-Roeingh.
Außensicherung obliegt der Polizei
Die objektive Sicherheitslage habe sich durch den Anschlag nicht geändert, ergänzte Timm Zeiss, Geschäftsführer von Rave the Planet. Anders als beim CSD bewege sich die Techno-Parade auch nicht durch die Stadt. Die Außensicherung der Veranstaltung obliege der Polizei, hieß es. Diese werde mit etwa 1.500 Kräften, auch aus anderen Bundesländern, vor Ort sein.
Technospektakel zum fünften Mal
"Rave The Planet" soll bereits zum fünften Mal stattfinden. Der als Dr. Motte bekanntgewordene Matthias Roeingh will nach eigenen Worten mit ihr die Geschichte der Loveparade weitererzählen, die er und sein damaliges Team als politische Demonstration ins Leben riefen.
Was 1989 mit einer politischen Demonstration auf dem Ku'damm startete, wuchs zu einem Großereignis mit Millionenpublikum. 2005 wurde die Marke verkauft, die Techno-Parade zog nach Nordrhein-Westfalen – und endete 2010 mit anderen Organisatoren in Duisburg mit einem tödlichen Gedränge in einer Katastrophe. 21 Menschen im Alter von 17 bis 38 Jahren starben, rund 650 Besucher wurden verletzt.
Im Juli 2022 brachten Dr. Motte und sein Team die "Rave the Planet Parade" zum ersten Mal auf die Straße. Am Samstag werden nach Veranstalterangaben 34 Motivwagen (Floats) von deutschen und internationalen Künstlern auf der Straße des 17. Juni dabei sein.
Um eine zu große Verdichtung der Menschenmenge zu vermeiden, seien die Wagen von Anfang an auf der Strecke verteilt. Mehr als 300 Künstler, darunter Headliner und Undergroundkünstlerinnen und -künstler seien dabei, sagte Claudia Schneider, die sich bei Rave The Planet unter anderem um das Booking kümmert. Rund 300.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben Dr. Motte und Team wie im Vorjahr angemeldet.
Das entspreche nach einem Gutachten dem Richtwert für die maximale Auslastung der Strecke, erklärte Dosch-Roeingh. "Wir können keine validen Angaben dazu machen, wie viele wirklich kommen." Im vergangenen Jahr nahmen laut Veranstalter rund 200.000 Menschen teil, die Berliner Polizei ging von gut 100.000 aus. Mehrere Sperrpunkte, an denen der Zutritt zum Gelände gelenkt werden kann, sollen dafür sorgen, dass die Menschenmenge nicht zu dicht wird und sich nicht zu viele Menschen gleichzeitig dort aufhalten.
Offizielle Afterparty
Zum ersten Mal gibt es eine offizielle Afterparty. Ab 23.00 Uhr werde in der Columbiahalle getanzt, dies sei Teil des Finanzierungskonzepts. Die normalen Tickets kosten 49,50 Euro, Sozialtickets und Tickets für Rollstuhlnutzende sind bereits ausverkauft.
Feuerwehr und ein Sanitätsdienst des Veranstalters sind wieder im Einsatz, es soll fünf Unfallhilfestellen geben. Im vergangenen Jahr mussten viele Menschen behandelt werden – meist ging es nach Angaben eines Feuerwehrsprechers "um klassische Veranstaltungssymptome", also alkohol- oder drogenbedingte Probleme. Die Veranstalter riefen die Besucher auf, auf sich zu achten: "Wir können den Leuten nichts vorschreiben und nur an den Verstand appellieren", so Dosch-Roeingh.
Wasserwerfer und Trinkwasserstellen
Auch das Wetter wird Auswirkungen auf die Veranstaltung haben. Dem Deutschen Wetterdienst zufolge können bis zu 35 Grad am Samstag erreicht werden. Die Berliner Polizei stellt einen Wasserwerfer zur Verfügung, der mit Sprühnebel für Abkühlung sorgen soll. Auch der Große Tiergarten stehe zum Ausruhen und Abkühlen zur Verfügung, sagte Dosch-Roeingh. Außerdem gebe es wieder drei Stellen entlang der Route, wo aus mehreren Hähnen kostenloses Trinkwasser zur Verfügung stehe. Dr. Motte empfahl, zur Abkühlung kaltes Wasser über die Unterarme laufen zu lassen. "Macht das einfach, und ihr werdet sehen, euch gehts direkt besser." Auf der Parade besteht ein Glasverbot. Raver sind gebeten, eine bruchsichere, wiederbefüllbare Flasche mitzubringen.
Am Sonntag wird ab 10.30 Uhr aufgeräumt. Die Berliner Stadtreinigung unterstützt den Clean-Up-Day, zu dem jeder eingeladen ist, sich zu beteiligen, mit dem Projekt Kehrenbürger, und stellt einen Teil des Equipments bereit.